Finnland macht die Online-Steuer-erklärung zum Normalfall

Claudias Helsinki berichtete über die finnische Steuererklärung  (Die finnische Steuerklärung: der feuchte Traum eines Wirtschaftswissenschaftlers (Teil 1) und Die finnische Steuererklärung: der feuchte Traum eines Wirtschaftswissenschaftlers (Teil 2) schon im letzten Jahr. Nachdem sich 2019 einige wichtige Änderungen ergeben haben, hier ein Update.

Ab 2019 erhält niemand mehr die vorausgefüllten Steuerformulare zur Korrektur mit der Post zugeschickt, sondern nur eine Zusammenfassung dessen, was die Steuerbehörde weiß. Das ist sehr viel, so stehen hier alle Löhne und Gehälter, die man erhalten habe. Ab 2019 gibt es nämlich auch ein zentrales Einkommensregister, an das alle lohnzahlenden Stellen innerhalb von fünf Tagen (!) die ausgezahlten Summen melden müssen. So soll ab 2019 eine Besteuerung in Realzeit ermöglicht werden: sobald der Computer merkt, dass jemand wesentlich mehr verdient als früher, kann er einen höheren Steuersatz vorschlagen und auch einsetzen, so dass fast niemand am Ende des Jahres Steuern nachzahlen muss – leider wird es zum Leidwesen des Einzelhandels (der früher kurz vor Weihnachten durch die Rückzahlungen eine kleine Finanzspritze erhalten hatte, weil viele die Rückzahlung für den Erwerb von Weihnachtsgeschenken verwendeten) aber auch viel weniger Steuerrückzahlungen geben. Beim Brief dabei ist das Abgabedatum für die Steuerklärung, das zwischen April und Mai liegt. So musste ich dieses Jahr bis zum 3. April ausfüllen, ausschlaggebend ist nicht mehr wie früher der Poststempel, sondern der Eingang bei der Steuerbehörde. Wer Glück hat, hat Zeit bis Mai, aber spätestens Ende Mai ist das Stichdatum für die letzten. Wer zu spät abgibt, zahlt pauschal 50 Euro Strafe!
Im Internet kann man nun auch wählen, ob man überhaupt die jährliche Zusammenfassung auf Papier erhalten will oder gleich alles nur online.
Und wie erhält man den Online-Zugang? Das ist wesentlich einfacher als in Deutschland, weder einmalige Registrierung noch postalische Authentifizierung sind nötig. Ich identifiziere mich mit meinen Onlinebankdaten, das bedeutet, dass jeder, der in Finnland ein Bankkonto hat, sich auch allen offiziellen Stellen gegenüber identifizieren kann. Es kostet nichts extra und ist genauso sicher wie Onlinebanking – in Finnland habe ich noch nie davon gehört, dass hier Geld per Onlinekriminalität vom Konto verschwunden wäre.

Die Steuererklärung wird nun im Internet ausgefüllt und abgeschickt. Wer kein Internet hat oder benutzen will, hat es wesentlich schwerer als zuvor: er muss sich zunächst die Formulare entweder ausdrucken lassen (natürlich aus dem Internet, von wo sonst?) oder bei der Behörde vorbeischauen, dann diese per Hand ausfüllen und auch im dann selbst zu frankierenden Briefumschlag der Behörde zurückschicken. Bis letztes Jahr kam der fertige Briefumschlag noch mit der vorausgefüllten Erklärung plus Ausfüllerläuterungen nach Hause. Dann rechnete die Behörde aus, dass von den 5,4 abgeschickten Papierbriefen mit fertigen Rückumschlägen 4,8 Millionen unnötig waren, weil nur noch 600.000 Steuererklärungen 2017 auf Papier gemacht wurden. Durch den Verzicht auf die Papierpost erspart sich die Steuer pro Jahr alleine 10 Millionen Euro (Auskunft von Sanna Kuuri von der Steuerbehörde, zitiert aus Taloustaito 3/19, S. 22), Geld, das woanders besseren Nutzen hat – die Vernunft regiert in Finnland (siehe Finnland – das Land der Vernünftigen). 2017 war die Online-Steuererklärung noch nicht nötig, und trotzdem nutzten sie fast 90% der Steuerpflichtigen. Für 2018 können wir daher damit rechnen, dass über 90% der Finnen ihre Steuererklärung online abgeben werden. Wahrscheinlich sind es weltweit nur in Estland noch mehr, dort finden sogar die Abstimmungen im Parlament online statt.

Die nordischen Staaten sind damit in Europa führend bei der Nutzung von Onlinediensten, laut einer Umfrage aus dem Jahre 2018 nutzten Onlinebanking 93% der Norweger, 89% in Dänemark, den Niederlanden und Finnland, Schweden folgt mit 84%, Estland mit 80%. Deutschland liegt dagegen mit 59% zwischen Litauen und Österreich (https://de.statista.com/statistik/daten/studie/4102/umfrage/online-banking-in-europa/). Wer in Finnland in der Bank eine Überweisung bar bezahlen will, der muss bereits mindestens neun Euro Bearbeitungsgebühr zahlen – das schreckt ab und zwingt fast zum Onlinebanking. Die meisten Banken erheben auch schon Gebühren für das Abheben von Bargeld, so soll der Kunde dazu gebracht werden, möglichst bargeldlos zu bezahlen. Ob man das gut findet oder nicht, ist natürlich eine andere Frage. Klar sind die Fakten: das Handling von Bargeld verursacht einfach so viele Kosten, dass es sinnvoller ist, bargeldlos zu bezahlen. Daher hat auch die Anzahl der Geldautomaten abgenommen, es gibt sie nicht mehr an jeder Straßenecke!

Und ganz nebenbei hält Finnland bei der ehemaligen Währung einen Europarekord: von allen Währungen, die den Euro eingeführt haben, war die Finnmark diejenige, die am längsten mit derselben Bezeichnung im Umlauf war (1860-2002).

Europaweit möchte Schweden das erste bargeldlose Land sein, Finnland wird wohl Nummer zwei oder drei werden.
Was hat das für Sie als Gast in Finnland für Folgen? Hier können Sie unbesorgt Ihren Kaffee auf dem Marktplatz mit Kreditkarte bezahlen. Niemand rümpft die Nase und verlangt einen Mindestumsatz. Egal, ob Kaffee oder Ihre Postkarten mit Briefmarken – alles geht mit Kreditkarte.

Willkommen in Finnland!