Die Firma Arabia wurde 1873 gegründet, als die schwedische Keramikfirma Rörstrand die Genehmigung erhielt, in Finnland eine Tochterfirma zu gründen. Das wurde übrigens deswegen notwendig, weil Rörstrand nicht mehr ohne hohe Zölle Richtung Russland exportieren konnte. Da Finnland seit 1809 zu Russland gehörte, konnte man den russischen Markt von Finnland aus viel einfacher bedienen – ohne Zölle! 1874 entstand im Stadtteil Arabianranta in Helsinki das erste Industriegebäude – damit beginnt die Geschichte der später eigenständigen Aktiengesellschaft Arabia. Und falls sich jemand wundert, warum es “Arabien” im hohen Norden gibt? Im damaligen Stadtplan hatte man für diesen Stadtteil vorgesehen, Namen aus der Bibel und aus anderen fernen geographischen Regionen zu geben. Nun gibt es dort zum Beispiel auch eine Syrienstraße und einen Siamweg.

Bereits Ende des 19. Jahrhunderts erweiterte Arabia sein Sortiment durch Zusammenarbeit mit Designer:innen und Architekt:innen, und ab dem frühen 20. Jahrhundert produzierte man nicht nur Geschirr, sondern auch Kachelöfen, Vasen und andere Keramikprodukte.
Das Unternehmen wandelte sich über die Jahrzehnte: 1916 verkaufte Rörstrand seinen Anteil, in den 1920er Jahren wurde durch neue Produktionsanlagen (z. B. Tunnelöfen) die Fertigung stark ausgeweitet. In der Nachkriegszeit und besonders ab den 1950er und 60er Jahren erlebte Arabia eine Blüte — neue Designs, Serien und eine Ausdehnung der Alltags- und Küchenkultur in Finnland und darüber hinaus.
Heute gehört Arabia zum Konzern Iittala (und damit zur Fiskars Group) — die Produktion wurde 2016 aus Helsinki aus Kostengründen leider nach Thailand verlagert, Verwaltungs- und Designabteilungen blieben erhalten. Wer also original “Made in Finland” haben will, muss beim Porzellan und der Keramik antikvarisch unterwegs sein!
Bedeutende Serien und Designklassiker
Arabia steht nicht nur für Keramik als Gebrauchsgegenstand — viele Serien gelten als echte Designikonen:

- Die Serie Ruska entstand in den frühen 1960er Jahren, entworfen von der Designerin Ulla Procopé. Durch ihre robuste Hartsteinzeug-Glasur sind Ruska-Produkte besonders langlebig und vielseitig — vom Alltag im Haushalt bis zur Nutzung im Ofen oder der Tiefkühltruhe.
- Die Serie 24h wurde 1996 von Heikki Orvola geschaffen – schlicht, funktional, zeitlos.
- Ein anderer wichtiger Klassiker ist Paratiisi (finnisch: „Paradies“), entworfen von Birger Kaipiainen Ende der 1960er Jahre. Mit floralen und fruchtigen Motiven sowie einer ovalen Formgebung hebt sich Paratiisi deutlich ab.

Darüber hinaus ist Arabia auch für seine Kindergeschirre und Figuren aus der Mumins-Welt bekannt — die Mumin-Kollektion entstand in Anlehnung an die Illustrationen der Schriftstellerin und Zeichnerin Tove Jansson. Seit den späten 1990er Jahren erfreut sie sich international großer Beliebtheit. Die Mumins feiern dieses Jahr 80 Jahre und werden auf vielfältige Weise in der Stadt geehrt, nicht zuletzt durch eine eigene Ausstellung im Designmuseum, und erhalten deswegen auch noch einen eigenen Blog, wahrscheinlich den letzten des Jahres.

Diese Vielfalt zeigt, wie Arabia es verstand, funktionale Keramik mit künstlerischem Anspruch und Designbewusstsein zu verbinden — Produkte für den Alltag und Sammler:innen gleichermaßen.

Das Arabia Museum – Erinnerung, Design & Alltag
Das Arabia Museum wurde in diesem Jahr nach einer umfassenden Neugestaltung erneut eröffnet und befindet sich im historischen Fabrikviertel in Arabianranta, unter der Adresse Hämeentie 135, Helsinki.
Das Museum wurde erstmals 1948 eröffnet — zunächst als Fabrikmuseum für Arabia-Mitarbeiter, ab 1984 auch öffentlich zugänglich. Nach einer umfangreichen Renovierung eröffnete es im Mai 2025 neu — nun zusammen mit dem Iittala-Store im Erdgeschoss des Gebäudekomplexes.

Die Ausstellung bietet einen umfassenden Überblick über Arabias Entwicklung: Von der Keramikindustrie über Design und Kunstkeramik bis hin zu zeitgenössischen Gebrauchsgeschirr. Zu sehen sind klassische Geschirrserien, künstlerische Keramikobjekte, Glas- und Emaillearbeiten sowie eine Wand mit Zeitstrahl, die die wichtigsten Etappen der Firmengeschichte dokumentiert.

Zudem werden Werke früherer Kunstabteilungen gezeigt — die kunsthandwerkliche Seite von Arabia wird sichtbar. Die Nachfolgeorganisation, die Arabia Art Department Association, kuratiert kleine wechselnde Ausstellungen innerhalb des Museums.
Der Eintritt ins Museum ist frei — ein Besuch lohnt sich besonders für alle, die sich für Design, Alltag und Kultur Finnlands interessieren.

Warum Arabia bis heute relevant ist
Arabia hat über Generationen einen festen Platz im Alltag vieler Finnen eingenommen — von Frühstückskaffees bis Festessen. Durch die Kombination aus langlebiger Keramik, alltags- und gebrauchstauglichem Design sowie künstlerischem Anspruch wurde Arabia zum Symbol eines funktionalen und ästhetischen Alltags. Ich wage zu behaupten, dass es keinen finnischen Haushalt ganz ohne Arabia-Produkte gibt.

Die Produkte überdauern Jahrzehnte, manche Serien wie Ruska oder 24h sind heute gesuchte Klassiker, Mumin-Geschirr spricht Sammler:innen weltweit an. Das Museum bewahrt diese Geschichte und macht sie erlebbar; Architektur, Handwerk, Design und Alltag verbinden sich hier zu einem eindrucksvollen Gesamterlebnis.

Für Liebhaber nordischen Designs, für Menschen mit Hang zu langlebigen Gebrauchsgegenständen und für alle, die finnische Designgeschichte schätzen — Arabia bleibt ein bedeutender Teil der finnischen Alltagskultur.
Kommentiert mir doch mal, was euer persönlicher Favorit von Arabia ist! Seid ihr Moomintassensammler oder hat es euch die Teema-Serie (in welcher Farbe?) angetan? Oder seid ihr nostalgisch unterwegs und sucht nach möglichst altem Arabia – auf Flohmärkten oder in Second-Hand-Geschäften?

Quellen: de.wikipedia.org; https://www.iittala.com/de-de

Danke für den Blogpost und den Hinweis auf das neu eröffnete Arabia-Museum!
Meine Eltern haben in den 60er/70er Jahren in Finnland gelebt und mir eine Menge von Arabia hinterlassen, hauptsächlich ein ziemlich umfangreiches Ruska. Eigentlich finde ich es zu dunkel, nutze es dann aber doch regelmässig. Und eine kleine „Schneefrau-Figur“ von Arabia (Inkeri Leivo), die ich gerade jetzt in der Weihnachtszeit liebe!