Auf den Spuren der Vorfahren

Auf Wunsch meiner Facebook-Freunde folgt hier im Blog die Übersetzung des finnischen Artikels, der in der finnischen Zeitung „Iisalmen Sanomat“ am 3. Juli 2020 herausgekommen ist. Im Artikel geht es darum, wie ich meinen Sommerurlaub verbracht habe. Verfasserin ist die Journalistin Janette Heikkinen, an dieser Stelle nochmals ein Dankeschön für den informativen Artikel, der nicht nur die Titelseite, sondern auch zwei Seiten (siehe Foto) umfasste.

Die Deutschfinnin Claudia Jeltsch sucht nach den Gräbern ihrer Vorfahren aus Savo

„Ich bin der Ahnenforschung total verfallen!“ sagt Claudia Jeltsch lachend.

Sie ist im Juni auf einer Tour in Nordsavo auf den Friedhöfen dieser Region und sucht nach den Gräbern ihrer eigenen Vorfahren aus dieser Region. Und hat schon etwas gefunden. Zum Beispiel ist der erste Pfarrer von Iisalmi Niilo Roivainen oder auch Nicolaus Roivainen genannt über ihre Großmutter Anna Sigrid Martikainen mit ihr verwandt. An der Außenwand der Alten Kirche von Iisalmi findet sich eine Gedenktafel an Roivainen. Er hat hier zwischen 1627 und 1654 als Pfarrer gedient.

Friedhof von Iisalmi

Ahnenforschung hat Jeltsch schon im Teenageralter zusammen mit ihrer aus Sukeva stammenden Mutter  betrieben. Jeltschs Vater ist Deutscher, und sie ist in Nordrhein-Westfalen geboren und aufgewachsen.

Jeltsch interessiert sich schon länger für ihre Wurzeln in Savo. Sie bezeichnet sich selbst als Mensch mit einer stolzen Halb-Savo-Identität.

„Das Ganze ist so spannend. Wenn man Ahnenforschung betreibt, dann man bemerkt man, dass man selbst nur da ist, weil diese Menschen vor uns gelebt haben.“

Früher war Ahnenforschung ein mühseliges Herumblättern in Papieren. Die Daten mussten umständlich von den Kirchen per Brief bestellt werden, und jeder gefundene Verwandte wurde in eine Karteikartensystem einzeln eingetragen, erinnert sich Jeltsch.

Meine Urgroßeltern mütterlicherseits: Lauri und Anna Martikainen, geborene Sääski

Die gemeinsame Ahnenforschung mit ihrer Mutter ging dann in eine 30jährige Pause. Vor zwei Jahren hat es Jeltsch dann wieder erwischt.

„Mit meiner Freundin haben wir Witze gemacht, dass wir bestimmt verwandt sind. Vor zwei Jahren haben wir dann einen DNA-Test gemacht und es kam heraus, dass wir 0,5% DNA teilen.“

Obwohl ein Prozent sehr wenig ist, ließ es Jeltsch keine Ruhe, auf welchen Weise wir verwandt sind. Sie beschäftigte sich erneut mit der Ahnenforschung und fand heraus, dass es heute so viel einfacher ist.

Jetzt hat es Jeltsch schon geschafft, mit ihrer Ahnenforschung bis in das Jahr 1452 vorzudringen.

In Finnland gibt es gute Voraussetzungen für Ahnenforschung. Als Finnland zu Schweden gehörte, wollte der König über jedes geborene Kind Bescheid wissen, und die Kirche hat die Aufzeichnungen übernommen. Schweden brauchte sowohl Soldaten als auch Steuerzahler. Zum Beispiel in Deutschland enden die Aufzeichnungen meist spätestens gegen 1800, wenn man irgendeinen Adeligen in der Ahnenreihe hat.

Herausforderungen sind mögliche Fehler, die sich in den Dateien finden.

Manchmal findet man zum Beispiel zwei Katharinas aus derselben Familie. Wenn das Geburtsjahr nicht verzeichnet ist, ist es schwierig herauszufinden, ob der Name aus Versehen zweimal vorkommt oder ob es wirklich zwei Töchter mit demselben Namen gegeben hat. Früher sind ja viele Kinder jung gestorben, und einem neugeborenen Kind gab man oft den Namen eines vorher gestorbenen.

Normalerweise würde Jeltsch den Sommer als Fremdenführerin in Helsinki verbringen, aber wegen Corona gibt es keine Führungen. Jetzt hat sie Zeit, ihre Vorfahren aufzuspüren. Jeltsch hat schon die Friedhöfe von Pieksämäki, Maaninka, Kuopio, Lapinlahti und Sukeva erkundet. Der Alte Friedhof von Iisalmi ist ihr sechster.

Der Friedhof von Lapinlahti

Zunächst macht sie sich klar, nach welchen Familiennamen sie suchen möchte. Dann geht sie jede Reihe auf dem Friedhof durch. Wenn sie ein passendes Grab gefunden hat, dann macht sie ein Foto und vermerkt das Ganze auf einer App. Die Technologie hilft viel beim Finden der Verwandten. Zum Beispiel warnt das in Finnland häufig verwendete Programm von MyHeritage vor möglichen Fehlern im Stammbaum.

Bei der Ahnenforschung kann man überraschende Funde machen.

Ich dachte, dass ich nur Leute aus der Region Savo finden würde. Nach längerem Suchen fand ich jedoch den ersten Deutschen in Finnland! Er heißt Hans Platz und lebte von 1570 bis 1621, ein direkter Vorfahre von mir! Er war Bürgermeister von Turku und heiratete eine Kaufmannstochter aus Tallinn. Netzwerke haben schon damals funktioniert und auch beim Finden des passenden Heiratskandidaten geholfen!

Claudia Jeltsch

  • Wird diesen Sommer 52
  • Geboren in Nordrhein-Westfalen. Ihre Mutter kommt aus Sukeva in Finnland, ihr Vater ist Deutscher.
  • Hat mehrere Male in Finnland gewohnt, insgesamt 18 Jahre.
  • Von Beruf unterrichtet Jeltsch Deutsch als Fremdsprache an einer Fachhochschule. Im Sommer ist sie Fremdenführerin in Helsinki.