Der neue Steuerkalender ist raus: diese Finnen haben 2018 am meisten verdient

Am Montag, den 4.11. ist in Finnland mit viel Spannung der neue Steuerkalender erschienen. Was bedeutet das?
Es bedeutet schlicht und einfach, dass die Steuerbehörde am im Volksmund “Steuertag” genannten Tag (veropäivä) die Hitliste der Personen veröffentlicht hat, die 2018 die meisten Steuern gezahlt haben. Wer mehr als 100.000 Euro verdient hat, darf auf dieser illustren Liste dabei sein. Kurz nach acht Uhr morgens war es dann soweit und wir durften erfahren, wer am meisten zum Funktionieren unseres Wohlfahrtsstaates beigetragen hat.

In diesem Jahr gab es eine Neuerung, die vorher undenkbar gewesen wäre: mit der Begründung, dass die Veröffentlichung in den Medien die eigene Gesundheit oder Sicherheit bedrohe, durften die Mitglieder dieser exklusiven Liste bei der Steuerbehörde um die Geheimhaltung ihrer Daten ansuchen. Was dann auch exakt 231 Personen getan haben – was dann auch prompt im Frühstücksfernsehen von zwei Experten als Bedrohung der offenen Bürgergesellschaft kritisiert wurde.

Hier also die Hitliste:

Nr

Name, Geburtsjahr Position und Wohnort

Finnisches Durchschnitts-verdienst mal

Einkommen insgesamt

(M €)

Einkommen aus Erwerb

(M €)

Einkommen aus Kapital

(M €)

1 Paananen, Ilkka Matthias (1978)

CEO und Gründer von Supercell

Uusimaa

4573 ×

109,91 17,58 92,34
2 Kodisoja Mikko Juhani (1976)

Gründer und künstlerischer Leiter von Supercell

Uusimaa

4089 ×

98,29 15,25 83,04
3 Kyöstilä Karl Heikki (1946)

Gründer und CEO von Planmeca,

Hersteller von Technologie für Zahnärzte

Uusimaa

1970 ×

47,35 0,08 47,27
4 Myllymäki Asko Jaakko (1968)

Direktor der Lehto-Gruppe.

Ehemaliger Eigentümer von Myllymäen Rauta.

Pohjois-Pohjanmaa

1687 ×

40,54 0,05 40,50
5 Forsten Visa Tapio (1985)

Peliyhtiö Supercellin perustajia

Uusimaa

1593 ×

38,29 5,34 32,95
6 Severina Maria (1968), CEO von Hytest https://www.hytest.fi/home auf Antikörper und Antigene spezialisierte Firma, Doktor der Biochemie, Varsinais-Suomi

1508 x

36,24 3,01 33,22
7 Autere Jukka Samuel (1954), Gründer von Inmics (Firma wurde Anfang 2018 an den Tele-kommunikations-konzern Telia verkauft), Keski-Suomi

1388x

33,37 0,06 33,31
8 Heyno Matti Sakari (1970), Gründer von Biovian, Varsinais-Suomi

1133x

27,2 0,29 26,91
9 Nieminen Otto Aleksis (1973), Gründer und Produktionschef von Small Giant Games, Uusimaa

919x

22,1 0,13 21,96
10 Soininen Timo Juhani (1965), Gründer und CEO von Small Giant Games, Uusimaa 871x 20,94 0,19 20,75
11 Juopperi Ilkka-Kristian (1972), Gründer von Small Giant Games, Pirkanmaa

869x

20,89 0,10 20,79
12 Vallisto Tommi Taneli (1973), Gründer von Small Giant Games, Pirkanmaa

868x

20,87 0,11 20,76

Wer also gedacht hat, dass man mit Spielen nichts verdienen kann, der wird hier eines besseren belehrt, die Hälfte der ersten Dutzend haben ihr Geld in dieser Branche verdient… Und natürlich gibt es jetzt auch einen weiteren Grund, mal einen eigenen Blog zur Firma Supercell zu schreiben, Erfinder von solchen erfolgreichen Spielen wie Hey Day, Clash of Clans und Clash Royale.

Interessant ist auch die einzige Frau der Top 12: eine ehemalige Immigrantin! Die bisher beste Position einer Frau war die Stelle 13. Maria Severina zog vor circa 30 Jahren aus Russland nach Finnland, 2012 erlangte sie den Titel “Neubürgerin des Jahres von Turku” (“uusiturkulainen”). Die hohen Einnahmen dieses Jahres erklären sich aus dem Verkauf ihres Unternehmens an den norwegischen Kapitalanleger Summa Equity.

Auf Platz 97 findet sich Anne-Catherine Berner. Sie ist schweizerisch-finnische Doppelbürger, war in der letzten Regierung Verkehrs- und Kommunikationsministerin und leitet das Familienunternehmen Vallila.

Auf der Liste befinden sich im Übrigen auch Tote! Auf Platz 47 der 2017 verstorbene Arzt Ervi Olavi Jänkälä, auf Platz 48 seine Hinterlassenschaft. Ebenso auf den Plätzen 66 und 67 Niklas Herlin (Mitglied der Gründerfamilie vom Aufzugshersteller Kone) und seine Hinterlassenschaft. Das ist in Finnland möglich. Die meisten der Hinterlassenschaften erklären sich aus der Tatsache, dass es zu kompliziert wäre, die Hinterlassenschaft zu klären, also belässt man es beim “Besteuern der Toten”, was hiermit auch den aktuellen Bezug zu Halloween darstellt.

Wenn die historische Entwicklung interessiert, der wird auf der Seite https://verokone.hs.fi/ der größten finnischen Tageszeitung fündig, übersetzt bedeutet dieses “Steuermaschine”. Hier kann man selbst nach Namen suchen und herausfinden, seit wann der Nachbar mehr als eine Million verdient. Insgesamt 1,27% der finnischen Bevölkerung findet sich auf dieser Seite, das Einkommen fängt bei 150 000 an und geht bis zu 110 Millionen Euro, damit beträgt das Einkommen der hier erfassten Personen mindestens das Sechsfache des finnischen Medians von 2017 (24 037 Euro/Jahr).

Was Sie übrigens bei Ihrem nächsten Lapplandbesuch nicht machen sollten, ist einen Rentierzüchter nach der Anzahl seiner Tiere fragen (das Foto zeigt die verschiedenen Ohrmarken von Rentierzüchtern, die an der Ohrmarke ihre Tiere identifizieren). Das ist schlimmer, als im Steuerkalender nachzuschauen… und wäre vergleichbar mit der Frage, wie viel Geld man denn gerade auf dem Bankkonto hat. Bei aller nordischer Offenheit – hier sind die Grenzen!