Sieben Dinge, die in Finnland günstiger sind als in Deutsch-land

Mein mit Abstand beliebtester Blog ist: Wie hoch ist der Durch-schnitts-verdienst in Finnland?

Da ich daraus schließe, dass viele LeserInnen sich für die finanziellen Seiten Finnland interessieren, dieses Mal eine etwas überraschende Seite dieses Landes: die Dinge, die hier weniger kosten als in Deutschland. Ausgenommen habe ich nur Dienstleistungen, die erst dann relevant werden, wenn man hier wohnt. Auch über diese könnte man einen Blog schreiben. Gemeint sind zum Beispiel wesentliche geringere Kosten für die Ganztagsbetreuung von Kindern, fehlende Kosten für das Mittagessen der Kinder in der Schule, fehlende Kosten für Nachhilfeunterricht (hier lernt man in der Schule, nicht im Nachhilfeunterricht), keine Arztgebühr beim Betriebsarzt, keine Notwendigkeit, einen Steuerberater jedes Jahr zu sponsern (siehe Die finnische Steuerklärung: der feuchte Traum eines Wirtschaftswissenschaftlers (Teil 1) und Die finnische Steuererklärung: der feuchte Traum eines Wirtschaftswissenschaftlers (Teil 2)).

 

  1. Kaffee (und sogar Kaffeemaschinen!)

 

Finnland hat mit zwölf Kilo Rohkaffeeimport pro Person den höchsten Kaffeekonsum weltweit, danach kommt Norwegen. Dagegen kommt das Kaffeeland Italien auf schlappe 5,7 kg! Es muss also was mit den langen Wintern zu tun haben, die eine extra Portion Koffein nötig machen. Wer so viel Kaffee trinkt, für den ist Kaffee ein Grundnahrungsmittel und hat rein gar nichts mit Luxus zu tun – weswegen man auch keine Luxuspreise dafür verlangen kann. Die günstigsten Kaffeesorten sind oft im Angebot und dienen den Supermärkten als Lockmittel, um Kunden zum Herkommen zu bewegen, das echte Geld wird dann mit dem Rest verdient, den man neben dem Kaffee noch verkauft. So kann man dann drei Pakete Kaffeesorte Juhla Mokka für 9,50 erwerben, kein schlechter Preis für 1,5 kg Kaffee (laut Statista war der Durchschnittspreis für Kaffee 2018 in Deutschland 8,10 Euro pro Kilogramm, das finnische Angebot im Vergleich nur 6,33 Euro pro Kilogramm). Die Tasse Kaffee kostet den finnischen Verbraucher im Durchschnitt nur 5,75 Cent, ein Brite oder Italiener muss fast das Doppelte dafür ausgeben (https://yle.fi/uutiset/3-7509365 ), seinen gesamten Durchschnittsjahreskonsum an Kaffee kann man in Finnland mit 80 Euro abdecken. Die Preise sind in den letzten Jahren (2000-2012) zwar um 50% gestiegen, in anderen Ländern aber noch mehr, so in Österreich fast um 100%! Diese günstigen Preise gibt es aber nur für die allerhäufigsten Sorten, wer gerne etwas abseits vom üblichen Geschmack (der nur leichtgeröstete Bohnen gewohnt ist) trinkt, zahlt gleich mehr.

Eine positive Überraschung erlebte ich vor kurzem, als ich beschloss, mein uralte Kaffee-/Expressomaschine, deren Expressotätigkeit sie schon seit längerem eingestellt hatte, endlich in die ewigen Jagdgründe zu befördern und technologisch mit Schweizer Kaffeelogistik meiner Küche einen Entwicklungsschub zu verordnen. Beim Vergleich der Anbieter schnitt www.verkkokauppa.com (der finnische „Saturn“ oder „MediaMarkt“, der Artikel wurde NICHT gesponsert!) für so gut wie jede Jura-Maschine um circa 100 Euro günstiger ab als die deutschen Anbieter. Leider sind die Maschinen ein bisschen zu schwer, um als „Mitbringsel“ aus Finnland mitgenommen zu werden, aber wer mit dem Auto unterwegs ist und besonders ein Augenmerk auf das höhere Preissegment geworfen hat, kann beim Einkauf in Finnland eine Stange Geld sparen.

IMG_2037

Kaffeepötte im Präsidentenpalais

  1. Lachs

Finnland hat zwar auch eigenen Lachs (sowohl Zuchtlachs als auch wilden), aber der norwegische Zuchtlachs ist der meistimportierteste Fisch des Landes. Er gilt bei den Geschäften auch als Kundenanlocker, deswegen gibt es häufig Sonderangebote, wenn auch nicht mehr so oft wie noch vor wenigen Jahren. Jeden Tag fahren Lastwägen direkt aus Norwegen mit frischem Lachs zu den finnischen Supermärkten, die geografische Nähe hat also ihre Vorteile.

Leider hat der Preis des norwegischen Lachses in den letzten Jahren jedoch sehr angezogen, seitdem es weltweit immer mehr Konsumenten gibt, die Lachs in Sushi-Form entdeckt haben, so dass die finnischen Fische jetzt im Vergleich nicht mehr ganz so teuer sind wie vorher. Ein weiterer Grund für die höheren Lachspreise sind die höheren Meereswassertemperaturen, die der Lachs gar nicht mag und mit geringerem Gewicht antwortet – hier auch ein Verlierer der globalen Erwärmung.

 

  1. Elektrizität

 

Seit einiger Zeit wissen die Deutschen, dass sie nach Dänemark (seit 2018) die zweithöchsten Elektrizitätskosten in Europa berappen müssen. Der Ausstieg aus der Atomkraft hat seinen Preis, und für viele ist das auch okay. Finnland hat noch Atomkraft und stellt daher billigen Strom her. Auf https://1-stromvergleich.com/strompreise-in-europa/ findet sich eine aktuelle Liste, die zeigt, dass man in Deutschland als Privatverbraucher im Durchschnitt 30 Cent für die Kilowattstunde zu berappen hat, in Finnland sind es nur 17 Cent, also fast nur die Hälfte. Das erklärt übrigens dann auch, warum es hier wesentlich mehr Immobilien gibt, die mit Strom geheizt werden, meist auf dem Land in Kombination mit einem Holzofen. Der Hauptstadtbereich heizt dagegen nahezu ausschließlich mit Fernwärme.

 

  1. Angelgebühren

Bei 187.888 Seen gibt es viele Fische und man muss keine Angst haben, dass etwa die Rentner über 65 oder die Kinder und Jugendliche (unter 18), die von den Angelgebühren ausgenommen sind, diese leer angeln würden. Das Angeln mit der einfachen Fischrute ist so gut wie überall (es gibt Ausnahmen!) unter dem Jedermannsrecht, siehe Das Jedermannsrecht, erlaubt. Wer mit mehr Ausrüstung und bequemer fischen möchte, zahlt sehr zivile Gebühren, die von der Gegend abhängen, wo man fischen möchte, man übertrifft aber kaum 100 Euro pro Jahr (für den Gast gibt es auch Wochen- und Tagesgebühren). Ausgenommen sind immer Stromschnellen und die wildlachsführenden Flüsse in Lappland. Am besten man fragt die Einheimischen oder zum Beispiel den Vermieter des Sommerhauses, das man gemietet hat oder mieten möchte, an Ort und Stelle, die wissen Bescheid. Eine Art Berechtigungsprüfung fürs Angeln und Fischen, wie man sie von Deutschland oder Österreich kennt, gibt es hier gar nicht. Man muss also nur für das in der Tat durchgeführte Fischen zahlen und nicht vorher erlaubte und unerlaubte Spezies sowie deren Maße büffeln (obwohl Maße auch hier gelten können, bitte wieder die Ortskundigen befragen).

 

  1. Jagdschein und -kurs

 

Bevor man jagen gehen darf, muss man auch in Finnland einen Kurs besuchen. Er dauert eine Woche lang, man geht jeden Abend hin und macht am Ende eine Prüfung. Kostet schlappe 35 Euro. Wer auf Elch oder Bär schießen können muss, braucht noch eine Schießprüfung, weil es bei diesen Tieren extrem wichtig ist, dass sofort der erste Schuss sitzt, auch um dem Tier ein unnötiges Leiden zu ersparen. Das kostet dann extra. Aber zum Beispiel auf Enten oder Gänse (natürlich nur die Arten, die erlaubt sind) kann man ohne die Schießprüfung schießen. Um die Arten voneinander unterscheiden zu lernen, braucht man den Kurs. Hintergrund der günstigen Gebühren: Jagen wird in Finnland nicht als ein Hobby der Elite angesehen, sondern als Recht eines jeden Grundstückbesitzers. Bis vor wenigen Jahren bestand die Nahrung auch zu einem gewissen Teil aus dem erlegtem Wild. Zum Glück gab es in Finnland nie eine Zeit, wo der Adel sich die Jagd als eigenes Privileg an sich riss und das gemeine Volk aufs Wildern ausweichen musste, wenn es mal einen ordentlichen Hasen in der Pfanne haben wollte. In der Praxis schließen sich auf dem Land mehrere Grundstückbesitzer zu Jagdgemeinschaften zusammen, die dann auch denjenigen das Jagen ermöglichen, die kein eigenes Land besitzen. Diese Gemeinschaften suchen um Jagderlaubnisse für ein bestimmtes Kontingent von Elchen an, sagen wir, fünf Elche, die dann in der genau vorgeschriebenen Zeit erlegt werden dürfen. Hat man Pech und erwischt nicht so viele, dann verfällt die Zahl, kann also nicht vom Nachbarn in Anspruch genommen werden…

IMG_8647

Immer und überall am Handy: hier kurz vor der Pride-Parade auf dem Senatsplatz

  1. Mobilgebühren

Dank Nokia zahlen die Finnen die niedrigsten Mobilgebühren. Sowohl Grundgebühren für Verträge als auch die Gesprächsgebühren sind so klein, dass die meisten Deutschen es gar nicht glauben wollen.

 

 

  1. Internetgebühren (zu einem schnellen und funktionierenden Internet!)

Der Zugang zum Internet gilt hier als Bürgerrecht (siehe Zukunfts-land Finnland).

 

So, und dann gehe ich jetzt mal wieder eine Tasse Kaffee trinken. Bis zum nächsten Blog!

Ein Gedanke zu “Sieben Dinge, die in Finnland günstiger sind als in Deutsch-land

  1. Super interessant. Das mit dem Kaffee hätte ich nie für möglich gehalten! In Griechenland ist wider erwarten im Supermarkt fast alles teurer. Vielleicht sollte ich darüber mal schreiben? Lieben Gruß aus Athen

    Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s