Helsinki Biennale 2025 auf Vallisaari: Kunst im Schutzraum der Natur

Eine Biennale im Grünen

Seit 2021 gibt es sie, die Helsinki Biennale. Claudias Helsinki hat die letzten beiden Male natürlich darüber berichtet: https://claudiashelsinki.com/2023/08/27/ein-tauchgang-in-die-kreativitaet-die-biennale-auf-vallisaari/ und https://claudiashelsinki.com/2021/09/11/vallisaari-die-wilde-insel-vor-helsinki/. Deswegen bin ich dieses Mal auch dabei und möchte euch mit ein paar Bildern Appetit machen auf die Biennale dieses Jahres, die man wirklich nicht verpassen sollte!

Ein dekorativer Stoff mit bunten Schmetterlingen und Blattmustern.
Detail des Kunstwerkes „Witness“ von Geraldine Javier https://helsinkibiennaali.fi/en/artist/geraldine-javier/. Sie verwirklicht ihre Kunstwerke oft in Kooperation mit Frauen ihrer Heimatregion auf den Philipinen. Das Werk zeigt eine Zukunft, in der Pflanzen, Menschen und Tiere sich ein verlassenes Gebäude zurückerobert haben.

Vom 8. Juni bis 21. September 2025 lädt die Helsinki Biennale zur dritten Ausgabe ihres großartigen Kunstfestivals ein – dieses Jahr mit einem ganz besonderen Fokus auf Vallisaari, das HAM (Helsinki Art Museum) und erstmals auch den belebten Esplanadenpark im Zentrum Helsinkis (vallisaari.fi, Helsinki Biennaali, HAM, Biennial Foundation). Die Ausstellung in Vallisaari ist kostenfrei zugänglich, während in HAM Eintritt gemäß regulärem Tarif erhoben wird (inklusive ausgewählter Gratis-Tage).

Ein kunstvolles, gewelltes Kunstwerk aus geflochtenem Material, das auf dem Boden liegt, mit unterschiedlichen Texturen und Farbtönen in Brauntönen.
Ana Teresa Barboza https://helsinkibiennaali.fi/en/artist/ana-teresa-barboza/ erzählt uns „Verwobene Geschichten“. Sie verwendet die Rinde des Yanchama-Baums, der bei den Völkern des Amazonasgebiets eine lange Kunsthandwerkstradition hat und verwebt ihn mit der Birkenrinde, der in Nordeuropa vielseitig Verwendung gefunden hat.
Eine Gravur eines Rehs auf einem Holzstück, umgeben von natürlichen Strukturen.
Auf die Inneseite der verwebten Oberflächen wurden Zeichnungen gemacht, die von der Geschichte der Kulturen erzählen, die Birken- und Yanchamarinde verwenden, erzählen.

Konzept „Suoja“ – Schutz, Umgeben von Leben

Unter dem künstlerischen Leitmotiv „Suoja“ (deutsch: Schutz) reflektiert die Biennale das Zusammenspiel zwischen Mensch und Natur. Kuratorinnen Blanca de la Torre und Kati Kivinen präsentieren Werke, die den Blick von mensch­zentrierten Perspektiven weglenken und nicht-menschliche Akteure – wie Pflanzen, Tiere, Pilze oder Mineralien – ins Zentrum rücken. Vallisaari, über Jahrzehnte unbewohnt und von Natur geschützt, wird hierfür zu einer kraftvollen Inspirationsquelle.

Eine Gruppe von Menschen erkundet eine eindrucksvolle, kunstvolle Installation auf Vallisaari während der Helsinki Biennale. Im Hintergrund sind denkmalgeschützte Gebäude und eine grüne Landschaft sichtbar.
Das Kunstwerk „SaariBird“ (InselVogel) von Ernesto Neto befindet sich direkt vor dem größten Gebäude der Insel, der Alexanderbatterie. Diese wurde nach Alexander dem Zweiten benannt, der die Insel auch besucht hat.

Künstler:innenvielfalt auf der Insel

Etwa 25 Künstler:innen und Kollektive sind auf Vallisaari vertreten, insgesamt umfasst die Biennale 37 internationale Projekte in allen drei Locations – etwa 15 davon im HAM, fünf in Esplanadin Puisto.

Vertreten sind Künstler:innen aus aller Welt, etwa Yayoi Kusama (JP), Olafur Eliasson (DK/IS), Ernesto Neto (BR), Giuseppe Penone (IT) und viele aus Finnland und anderen Ländern – ein vielseitiges Spektrum, das globale Perspektiven in Finnlands Naturraum bringt.

Installationskunst: Eine rote Quallenfigur schwebt über einem Kreis aus lila Objekten in einem abgedunkelten Raum.
Tue Greenfort: Ohrenqualle, Aurelia Aurita I-VII, 2022 und Periphylla periphylla I, 2016 Die Kunstwerke sind aus Glas gefertigt.

Ein flaches Gewässer mit Steinen und Felsen. In der Mitte liegt eine Vielzahl von glatten Steinen, während ein größerer Stein im Vordergrund zu sehen ist. Am Ufer ist ein Fisch oder eine Tierart, die in der Nähe der Wellen liegt.
Ebenfalls von Tue Greenfort https://helsinkibiennaali.fi/en/artist/tue-greenfort/: Limulus Polyphemus Lampisaari (Pond Iland). Der Künstler lässt Pfeilschwanzkrebse (https://de.wikipedia.org/wiki/Pfeilschwanzkrebse) aus Beton vom Meer aufs Land wandern, so wie alles Leben einmal vom Meer aufs Land gewandert ist.

Spannende Programmpunkte & Mitmachmöglichkeiten

  • Führungen auf Vallisaari: Gruppenführungen (max. ca. 25–30 Personen) führen entlang der Insel und erläutern die Biennale-Kunst sowie Naturräume. Startpunkt ist der Luotsitalo-Anleger, Ziel ist Torpedonlahti. Dauer: etwa 2 h, Strecke: ca. 3,5 km. Preis: 505 € (inkl. MwSt.) (vallisaari.fi, visitfinland.com). Führungen gibt es auf Finnisch, Schwedisch und Englisch. Führungen verfügbar Dienstag bis Sonntag, 11–18 Uhr (vallisaari.fi, visitfinland.com). Bei mir natürlich auch auf Deutsch, ich bin zwar keine Kunsthistorikerin, habe aber ein großes Interesse für Kunst und meine Gäste haben die Führungen immer gemocht!
  • Interaktive Workshops im HAM: Dort gibt es den ganzen Sommer über offene Kunst-Workshops (z. B. „Otukset maisemassa“; Tierchen in der Landschaft), an denen Besucher:innen aktiv teilnehmen können – Teilnahme mit regulärem Museumsticket (HAM).
  • Dauerhaft erhaltene Kunstwerke: Einige Biennale-Werke bleiben dauerhaft in Helsinki – z. B. „Rantautuminen“ (Anlanden) von Sara Bjarland  (https://helsinkibiennaali.fi/en/artist/sara-bjarland/) und „Pimeydestä kauas suureen siniseen“ (Aus der Dunkelheit weit in das große Blau) von Gunzi Holmström https://helsinkibiennaali.fi/en/artist/gunzi-holmstrom/ ).
Kunstinstallation aus blauen Rohren, die eine durchlässige Struktur bildet, umgeben von üppigem Grün.
Nomeda & Gediminas Urbonas https://helsinkibiennaali.fi/en/artist/nomeda-gediminas-urbonas/ sind Künstler, Forschende und Pädagogen. In ihrem „Zukunftsinsel“-Werk verwenden sie Entwässerungsrohre, mit denen normalerweise Sümpfe entwässert werden. Die Rohre erhalten eine neue Aufgabe, indem sie zu einem Ort werden, wo artenüberbrückende Kommunikation möglich wird. Wir als Homo sapiens können hier Köcherfliegen zuhören. Diese Röhren können Töne erzeugen, anders als die Röhren des Sibelius-Denkmals – ich kann einfach nicht anders, als daran denken, dass das Künstlerduo das Sibelius-Denkmal kennen müssen.

Öffnungszeiten & Ablauf auf Vallisaari

  • Nach Vallisaari kommt man täglich bis Ende September, die meisten Kunstwerke sind frei zugänglich auf der ganzen Insel verteilt.
  • Innen- bzw. Ausstellungsteile der Biennale sind Dienstag bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr zugänglich.

Tipps für Besucher:innen

  1. Anreise: Die Fähre von Kauppatori aus bringt Besucher:innen zur Insel – prüfen Sie bitte Fahrzeiten, meistens fährt jede halbe Stunde eine Fähre. Das Ticket hin und zurück kostet 10,90 Euro und ist auch online erhältlich: https://vallisaari.fi/en_US/biennaali-2025/vesibussi-laivalippu
  2. Naturfreundliche Kleidung: Das Gelände ist natürlich und offen – gute Schuhe und passende Kleidung sind empfehlenswert.
  3. Planung: Führungen sind empfehlenswert, um Kontext zu Kunst und Natur zu gewinnen – rechtzeitige Buchung ist ratsam.
  4. Ergänzender Besuch: Kombinieren Sie den Ausflug mit einem Abstecher zur free-Art im Esplanadin Park oder zu den Kreativworkshops im HAM.

Direkt am Wasser, im grünen Herzen der Stadt – eine ganz besondere Kunsterfahrung

Die Helsinki Biennaali 2025 auf Vallisaari bringt Kunst, Natur und Stadt in einen faszinierenden Dialog. Ob bei einer geführten Tour durch die wilde Insel, beim kreativen Mitmachen oder beim Flanieren im urbanen Mittelpunkt – hier entsteht ein Schutzraum für Kunst und Natur, in dem Besucher:innen zu Entdecker:innen werden.

Ein Blick auf Menschen in einem Park auf Vallisaari mit einer großen Fähre im Hintergrund an einem sonnigen Tag.
Auch das erlebt man auf Vallisaari: Beim Picknickplatz fährt mal eben die Silja Line vorbei. Weil die Meeresenge von Kustaavinmiekka („Gustavs Schwert“) zwischen Suomenlinna und Vallisaari liegt.

Extratipp: Zum Schluss unbedingt noch das Artisan-Eis von Paja probieren. Das gibt es kurz vorm Anlager in der Torpedobucht. Hier gibt es ein Sorbet mit dem legendären Lonkero-Geschmack. Oder eins mit Jallu-, Karamell- und Schokoladengeschmack. (siehe mein Blog dazu: https://claudiashelsinki.com/2025/02/01/der-finnische-hang-zu-spirituosen-zwischen-tradition-und-genuss-teil-5-der-reihe/). Und und und, siehe Foto unten. Alles gluten- und laktosefrei.

Schwarze Tafel mit verschiedenen Eissorten und deren Namen, darunter 'Pajan Jädet - Artisan Ice Cream'.
Eissorten in einem Eisgeschäft, einschließlich Geschmäcker wie Jallu, Karamell und Schokolade, mit Eistruhen im Hintergrund.
Das zweite von links ist das Jallu-Karamell-Schokoladeneis.

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