Costa an der Ostseeküste – ein Fisch auf’m Fahrrad

Dieser Blog ist Teil einer Serie über das Angebot von Kreuzfahrten in die Ostsee. Ziel ist es, die Position von Helsinki und Finnland beim Angebot zu durchleuchten. Und natürlich, euch ein paar Anhaltspunkte zu geben, auf was man schauen könnte. Wie ich eine Ostseekreuzfahrt definiere, schaut man sich am besten nochmals auf dem ersten Blog der Serie an: https://claudiashelsinki.com/2022/01/22/finnische-haefen-als-teil-einer-ostseekreuzfahrt-optionen-fuer-den-sommer-2022-teil-1-aida/

Heute schauen wir uns das Angebot von Costa Cruises für den Sommer 2022 an.

Ein Massenanbieter, der mit dem Preis Kunden anlockt. Im Hochsommer zahlt man bis zu 133 Euro pro Tag, außerhalb geht es sogar bis auf 59 Euro pro Tag herunter.

Costa fährt mit drei Schiffen (Favolosa, kommt nicht mehr; alle Änderung mit Stand von Anfang April, Fascinosa und Diadema) auf fünf verschiedenen Routen mit Zielen in der Ostsee. Ganze 54 Kreuzfahrten mit irgendeinem Ostseeziel gibt es, allerdings sind 20 davon solche, die ausschließlich Kopenhagen mit dabei haben und ansonsten entweder norwegische oder Mittelmeerhäfen. Die Costa Smeralda und die Costa Toscana – die LNG-Schiffe, die mit der derzeit umweltfreundlichsten Energie angetrieben werden – sind jedoch leider in der Ostsee nicht im Einsatz.

Das Angebot ist „gestreamlint“. Als Reisetypen gibt es:

  1. Nordische Hauptstädte in 8 Tagen. Von Stockholm mit einem Overnight geht es in wechselnder Reihenfolge über Helsinki nach Tallinn nach St. Petersburg, wo man zwei Tage verbringt und dann nach Stockholm zurück, wie mit einem Overnight.
  2. Nordische Hauptstädte in 10 Tagen. Man besucht dieselben Destinationen wie bei Typ 1, jedoch von Kiel aus und hat noch Riga dabei.
  3. Nordische Hauptstädte und norwegische Küste in einer Kombinationskreuzfahrt. Entweder so oder umgekehrt, immer mit einem Zwischenstop in Kiel.
  4. Von Kiel aus geht es nach Kopenhagen und dann entweder Richtung Norwegen oder Richtung Mittelmeer.
  5. Transferkreuzfahrten. Im Mai braucht man eine, um von Südeuropa in den Norden zu kommen, im Herbst geht es dann zurück. Die Transferkreuzfahrt Richtung Süden kann dabei entweder in Stockholm oder Kopenhagen oder Kiel beginnen und auch verschiedene Endhäfen haben. Da stehen Valencia, Savona oder Barcelona zur Auswahl. Für die Crew eine Ochsentour. Für den Gast eine schöne und interessante Möglichkeit.

Für Costa sieht die Statistik folgendermaßen aus:

Stockholm macht den 1. Platz, mit 49 Besuchen, die meisten davon sogar mit Overnight. Und sehr oft als Starthafen und Abschlusshafen. Diese Abreise aus Stockholm gibt es bei 19 Kreuzfahrten.

Auf dem 2. Platz folgt St. Petersburg mit 31 Besuchen, alle mit zwei Tagen Aufenthalt. (Das ist jetzt natürlich Vergangenheit.)

Auf dem alten 3., nun zweiten Platz, ist Tallinn mit 31 Besuchen.

Helsinki erhält mit 30 Besuchen den undankbaren vierten Platz, nach den Änderungen rutscht es nun auf den dritten Platz. 31 werden es nicht, weil einmal Kotka statt Helsinki angefahren wird.

Kopenhagen folgt mit 20 Besuchen. Es wird jedoch nie zusammen mit den ersten drei angefahren. Riga folgt mit 13 Besuchen.

Visby wird einmal besucht. Danzig, Königsberg oder Klaipeda glänzen durch Abwesenheit, nach noch exotischeren Destinationen muss man vergebens suchen.

Bei den besuchten Ländern führt Schweden haushoch mit 50 Besuchen, Russland folgt auf Platz 2. Estland und Finnland teilen sich den zweiten dritten Platz. Dänemark folgt auf Platz 4 3.

Sehr zu wünschen lassen die Texte zur Beschreibung der Destinationen. Costa gibt sich alle Mühe, sich als italienisch zu verkaufen, mit garantiert wenig Ahnung vom Norden. So heißt es zu Helsinki: „Reisen Sie in einer Stadt mit der besten Lebensqualität: Helsinki, Hauptstadt Finnlands und wenig weit vom Polarkreis entfernt.“ Mit dem Auto sind es 818 km und geflogen 710 km. Das wäre so ähnlich, wenn man Berlin mit der Entfernung zu den Alpen bewerben würde. Hat Costa Kunden, die solche Werbetexte anzieht? Oder will man kein Geld in die Hand nehmen, um Texte zu bekommen, die korrekt und ansprechend sind?

Bei Stockholm ist es übrigens auch nicht besser: „Stockholm ist eine gastfreundliche Stadt in der Nähe der kalten und wilden Länder der Sami…“ Es mögen eine Reihe von City-Samen in Stockholm wohnen, aber wieder wird mit etwas beworben, das mehrere Hundert Kilometer entfernt ist! Die Werbung für die Sami gehört zur Norwegenkreuzfahrt…

Auch über St. Petersburg werden Dinge erzählt, die weder vom Inhalt noch von der Grammatik korrekt sind: „Costa Kreuzfahrten bringt Sie diesmal mit einer Kreuzfahrt in Nordeuropa, die im Hafen von St. Petersburg direkt am Hof der Zaren anlegt.“ Falsch, kein einziges Schiff der Costa-Flotte passt an den einzigen Anleger im Zentrum von St. Petersburg, den Leutnant-Schmidt-Anleger. Nur kleine Schiffe können hier festmachen, wie die Amadea oder die Europa. Alle großen Schiffe liegen an total langweiligen riesengroßen Kais weit weg vom Hofen des Zaren.

Hier bin ich auf einem Schiff, das am Lieutnant-Schmidt-Anleger liegt. Rechts die Kuppel der Isaakskathedrale.

Auch mit der Rechtschreibung klappt es nicht ganz so, mal werden die norwegischen Orte korrekt geschrieben, mal nicht.

Wer so ungenau ist, dem würde ich nicht über den Weg trauen. Wer hier nochmal nachlesen möchte, was 2015 ein Costa Schiff vor Helsinkis Haustür in die Ostsee gekippt hat: https://claudiashelsinki.com/2018/03/18/mit-dem-kreuzfahrtschiff-nach-helsinki-insidertipps-teil-2/ (mit Link des Artikels der finnischen Tageszeitung Helsingin Sanomat). Da Costa es auch mit der Umwelt nicht ganz so genau nimmt und man auch andere Alternativen hat, wäre es – um es mal diplomatisch zu sagen – nicht meine erste Wahl. Wenn man in dem Bereich ernst genommen werden will, dann muss es mehr Taten geben und nicht nur schöne Worte.

Die Zitate sind den Reisebeschreibungen auf http://www.costakreuzfahrten.de entnommen.

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