Nordlichter in Helsinki!

Aus aktuellem Anlass lasse ich dieses Mal wieder einen Gastblogger zu Worte kommen. Jemand, der aus den Naturwissenschaften kommt, und der schon einmal gebloggt hat. Für diejenigen, die damals seinen Blog verpasst haben, hier nochmals der Link: https://claudiashelsinki.com/2020/10/23/als-forscherin-nach-finnland/. Hier also der Gastblog meines Bruders Prof. Dr. Michael Jeltsch. Die englische Version des Textes ist auf seiner Homepage zu finden – please find the English version of this blog on my brother’s homepage: https://jeltsch.org/aurora.

Grün ist die häufigste Farbe. Und wie man sieht, reichen auch schon dämmerungsähnliche Verhältnisse.

Meist fährt man ja nach Lappland um sie zu sehen, aber in der letztenZeit sind Nordlichter in Helsinki geradezu häufig. Die Häufigkeit und Sichtbarkeit der Nordlichter steht in direktem Zusammenhang mit dem 11-jährigen Sonnenzyklus. Es ist seit vielen hundert Jahren bekannt, dass die Anzahl der Sonnenflecken in einem durschschnittlich 11 Jahre langem Zyklus zunimmt und abnimmt. Wir sind noch weit vom Maximum des gegenwärtigen Sonnenzyklus entfernt. Das Maximum wurde nähmlich für irgendwann zwischen 2023 und 2026 vorhergesagt. Trozdem steigt die Zahl der beobachtbaren Nordlichter in Helsinki an. Vielleicht lag das Solar Cycle 25 Prediction Panel nicht ganz richtig mit seiner Vorhersage, dass der Zyklus 25 ähnlich verlaufen sollte wie der Zyklus 24. Bislang liegt die Zahl der Sonnenflecken jedenfalls über den Vorhersagen. Der letzte Zyklus (Nummer 24) war übrigens der schwächste Zyklus seit Zyklus 14 (der 1906 seinen Höhepunkt erreichte).

Eine potentiell gefährliche Begleiterscheinung der starken Sonnenaktivität ist ein „Koronaler Massenauswurf“ (englisch coronal mass ejection, CME). Ein CME entsteht, wenn die Sonne große Mengen an Sonnenplasma ausstößt (Hunderte bis Tausende von Milliarden Tonnen). Solche Auswürfe ereignen sich während des Höhepunkts des Sonnenzyklus ein paar Mal pro Tag, während des Sonnenminimums jedoch nur alle paar Tage. Da diese CMEs richtungsgebunden sind, verfehlen die meisten von ihnen unsere Erde mehr oder weniger. Die Größe der CMEs und damit die Intensität und Sichtbarkeit des Nordlichts in niedrigeren geographischen Breiten (so wie in Helsinki oder manchmal sogar Norddeutschland) ist nicht vom Sonnenzyklus abhängig, wohl aber die Häufigkeit solcher Ereignisse.

Ein großer CME kann problematisch werden, weil er unser Stromnetz stören kann. In den letzten Jahren kam es bereits zu einigen kleineren Netzausfällen (z. B. in Dänemark und in Kanada) als Folge kleinerer CMEs. Es wird angenommen, dass ein ausreichend großer CME in der Lage ist, die Stromnetze global lahm zu legen. Für den Zeitraum 2010-2020 (der einen Großteil des schwachen Sonnenzyklus 24 umfasst) wurde die Wahrscheinlichkeit eines großen CMEs von Wissenschaftlern auf etwa 12 % geschätzt (https://agupubs.onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1029/2011SW000734).
Der letzte große CME ereignete sich im Jahr 1859 und ist nach dem Astronomen, der ihn zuerst entdeckte, als Carrington-Ereignis bekannt. Während des Carrington-Ereignisses konnte das „Nordlicht“ sogar noch in Kolumbien (8° nördlich des Äquators) gesehen werden (https://arxiv.org/abs/1508.06365).

Unser Problem ist nicht, dass alle elektronischen Geräte nicht mehr funktionieren, wenn ein Sonnensturm von der Größe eines Carrington-Ereignisses auf die Erde trifft. Vielmehr werden einige wichtige, aber schwer zu ersetzende Teile der Infrastruktur ausfallen. Dies könnte das Fallen von Dominosteinen auslösen, und schließlich jeden Aspekt unseres Lebens erreichen. Wenn der CME nur groß genug ist, wird Covid-19 dagegen wie ein Sonntags-Spaziergang erscheinen. Aber selbst kleine Sonnenstürme können manchmal Probleme verursachen: Der gleiche Sonnensturm, der die Nordlichter auf den Bildern (vom Donnerstag, 10. Februar) verursacht hat, hat 40 der 49 zuletzt gestarteten SpaceX-Satelliten für immer außer Gefecht gesetzt.

Alle Bilder sind von Michael Jeltsch auf dem Stadtgebiet von Helsinki aufgenommen worden und werden mit seiner freundlichen Genehmigung verwendet.

Im Stadtteil Vanhankaupunki.

Wer nachlesen will, was ich schon über die Nordlichter geschrieben habe, hier der Blog dazu: https://claudiashelsinki.com/2018/11/24/faszination-lappland-teil-1-die-nordlichter/ und https://claudiashelsinki.com/2021/01/30/wann-du-lappland-besuchen-solltest-wenn-du-unbedingt-nordlichter-sehen-willst/. Und dann drücken wir uns allen die Daumen!


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