Die finnischen Goldjungs und der Mann dahinter

Nun hat Finnland mit seiner Eishockeymannschaft endlich Gold in der Olympiade geholt. Im Volksmund werden sie die „Löwen“ genannt, nach dem finnischen Wappentier. Das übrigens auch auf den Münzen zu finden ist.

Wie viel von echtem Gold in jeder Goldmedaille steckt? Das hier ist jedenfalls echtes Gold, gewaschen in Tankavaara. Diesen Sommer bin ich auch wieder da – wenn alles gut geht.

Am Sonntag war hier der Bär los, als wir früh am Morgen gebannt der Life-Sendung folgten oder aufwachten und als erstes checkten mussten, wie es ausgegangen ist.

Wer ging nach Bejing?

Torwarte:

Säteri Harri, Sibir Novosibirsk, KHL (beim Finale im Einsatz)

Tuohimaa Frans, Neftekhimik Nizhnekamsk, KHL

Olkinuora Jussi, Metallurg Magnitogorsk, KHL (war wegen Korona in Quarantäne)

Säteri erreichte eine Torabwehrquote von 96,21% und nur einen durchgelassenen Puck per Spiel.

Verteidiger:

Pokka Ville, Avangard Omsk, KHL (schoss das erste der zwei finnischen Tore)

Friman Niklas, Jokerit Helsinki, KHL

Lehtonen Mikko, SKA St. Petersburg, KHL

Kemiläinen Valtteri, Vitjaz Podolsk, KHL

Hietanen Juuso, HC Ambri-Piotta, NLA

Lindbohm Petteri, Jokerit Helsinki, KHL

Vatanen Sami, Genève-Servette HC, NLA

Ohtamaa Atte, Kärpät Oulu

Angreifer:

Anttila Marko, Jokerit Helsinki KHL

Aaltonen Miro, Vitjaz Podolsk, KHL

Ojamäki Niko, Vitjaz Podolsk, KHL

Björninen Hannes, Jokerit Helsinki KHL (schoss das zweite der zwei finnischen Tore)

Rajala Toni, EHC Biel, NLA

Nättinen Joonas, Severstal Tsherepovets, KHL

Filppula Valtteri, Genève-Servette HC, NLA

Granlund Markus, Salavat Julajev Ufa, KHL

Manninen Sakari, Salavat Julajev Ufa, KHL

Hartikainen Teemu, Salavat Julajev Ufa, KHL

Komarov Leo, SKA St. Petersburg, KHL

Mäenalanen Saku, Kärpät Oulu

Pakarinen Iiro, Jokerit Helsinki, KHL

Pesonen Harri, SCL Tigers, NLA

Die finnisch-orthodoxe Uspenksi-Kathedrale (ja, genau, die finnische orthodoxe Kirche befindet sich NICHT unter der Oberhohheit des russischen Patriarchen!).

Die Statistik der Olympiade unterstreicht die Goldene. Von allen Toren gingen 12,5% auf das Konto der Finnen, die USA folgen mit 11,41%, Kanada mit 10,86%, Dänemark mit 9,82%, Lettland mit 8,33%, die Slowakei mit 7,63%, Schweden mit 7,47% und Russland mit 7,37%. Die Schweiz brachte es auf 6,38%. Immerhin spielt bei denen ja auch ein Doppelstaatsbürger mit, der auch für die Finnen hätte spielen können, Santeri Alatalo, seit 2020 besitzt er auch den Schweizer Pass.

Deutschland mit 5,5%.

Auch bei den erfolgreich abgewehrten Torangriffen führte Finnland mit 95,06%, es folgen die USA mit 94,57% und Russland mit 94,57%.

Beim Spiel in Unterzahl kassierte Finnland auch die wenigsten Tore ein.

Am auffallendsten ist die Tatsache, dass mittlerweile der Großteil der Spieler seine Brötchen in Russland verdient, so alle Torhüter. Die NLA ist nur mit einem Spieler vertreten, die NHL glänzte durch komplette Abwesenheit. Die am besten vertretene einheimische Mannschaft ist mit vier Spielern die Jokerit aus Helsinki, zwei Spieler kommen von den Kärpät aus Oulu.

Drei der Spieler verdienen in der Schweiz ihr Geld, Filppula und Vatanen in Genf, Rajala in Biel. Falls Rajala diesen Blog in die Hände bekommen sollte, nur als Information, dass ich als Dozentin für Deutsch als Fremdsprache schon zwei finnischen Eishockeyspielern Deutsch beigebracht habe. In der Coronazeit war es egal, wo man war, meine Studierenden nahmen alle online am Unterricht teil, so dass es auch von der Schweiz und von Österreich aus gelang. Wofür viele sehr dankbar waren.

Am Montag war ein solches Schneetreiben, dass man die Fahrpläne nicht ohne Weiteres lesen konnte.

Doch wer ist der Mann, der diese Mannschaft trainiert?

Die Kommentatoren von der ARD waren sich einig: Der finnische Trainer Jukka Jalonen besitzt in Finnland Kult-Status.

Mit zwei Weltmeisterschaften und einer goldenen Olympiamedaille ist Jalonen der erfolgreichste Eishockeytrainer der finnischen Geschichte. Dazu noch eine Weltmeisterschaft bei den Junioren.

Doch was die wenigsten im Ausland wissen: Bei dem Mann ist der Name Programm. Finnisch „jalo“ bedeutet „edel“, „vornehm“ oder auch „adelig“. Der finnische Sender MTV untersuchte 2021 die Vorfahren einiger finnischer Prominente. Bei Jukka Jalonen kam man darauf, dass er in direkter Linie vom litauischen Großfürsten Gediminas (auch Gedimin; * um 1275; † Dezember 1341) abstammt. 20 Generationen brauchte es. Gediminias war ab 1316 Herrscher von Litauen. Jalonen nahm die Nachricht gelassen auf.

Vergessen wir auch nicht, dass Finnland im Medaillenspiegel die Nummer 16 geworden ist, für so ein kleines Land eine gute Platzierung. Insgesamt acht Medaillen nahm man mit, zwei goldene, zwei silberne und vier bronzene. Die zweite Goldmedaille kam von Iivo Niskanen auf den 15 Kilometern klassisch. Unvergessen seine unglaublich wunderbare Geste, im Ziel auf den letzten Läufer zu warten. Der Kolumbianer Carlos Andres Quintana kam 13 Minuten und 27 Sekunden später als Niskanen an und wurde von Niskanen freundlich empfangen.

Das ist der Sportgeist, den wir an Olympia schätzen.

Die statistischen Angaben stammen von der Seite von YLE.fi

Hier noch ein Nachtrag aus traurigem Anlass. Selbstverständlich wird es über das, was die Situation in der Ukraine in Bezug auf Finnland betrifft, noch einen eigenen Blog geben. Was das Eishockey betrifft, so hat sich die Mannschaft Jokerit aus der KHL zurückgezogen. Vorgestern, am 24.2. 2022, hat Jokerit auch bekanntgegeben, dass man sich von den KHL-Play-offs zurückziehen wird. Jokerit war die erste und bisher einzige finnische Eishockeymannschaft, die in der Kontinentalen Hockeyliga mitspielten, die höchste Spielklasse im Eishockey Russlands.

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