Rauchsauna nach Kainuu Art

Als Gastblogger hat dieses Mal Alpo Karjalainen das Wort, der schon als kleines Kind die original finnische Rauchsauna in der finnischen Region Kainuu erlebt hat. Die Rauchsauna gilt als die traditionellste Form der Sauna und wird von Saunakennern in aller Welt hoch geschätzt. Hier sein Bericht:

Die sogenannte Rauchsauna mag bei vielen modernen Menschen als altmodisch, primitiv oder sogar mystisch klingen. In der Wirklichkeit war es bei vielen Finnen, die in Kainuu oder Savo (zwei Regionen in der Mitte Finnlands, circa 500 Kilometer nördlich von Helsinki) ihren Wohnsitz hatten, ein raffiniertes, praktisches und sparsames Hygieneinstrument, wo außer wöchentlicher Reinigung auch viele andere Tätigkeiten vollbracht wurden.

 

Schon als Kind lernte ich die Rauchsauna gut kennen, weil wir keine Dusche oder kein Badezimmer hatten. Mit meinem schwer invalidisierten Vater lernte ich ab dem fünften Lebensjahr, wie man die Rauchsauna heizte, wie man die meterlangen Birkenhölzer mit trockener Birkenrinde entzündete, die Flammen zum fröhlichen Tanz brachte aber ihnen nie zu wild lodern erlaubte, weil dabei die ganze Sauna sich zu Kohle und Asche hätte verwandeln können.

 

Der Saunaofen war schließlich nur ein hohles Steinhäufchen. Nicht gemauert, sondern aus losen Steinen bestehend, die nicht grösser als ein Schafskopf und nicht kleiner als eine Männerfaust waren. Dazwischen gab eine reichliche Menge Luftlöcher, die die ständige Luftzufuhr von allen Seiten erlaubten. Damit der Ofen nicht zusammenfiel, trugen flache Eisenstangen die obersten Steine, die das Dach des Ofens formten. Weil der Ofen zahlreiche Löcher hatte, wie ein Schweizer Käse, bedeutete es, dass er nach demselben Prinzip wie ein industrieller Hochofen funktionierte.

 

Durch ständig einströmenden Sauerstoff von unten und nach oben steigender Warmluft, war das Brennen beinahe vollständig, wie in einem Hochofen so dass außer dem am Anfang auftretenden Rauch nur relativ wenig Luftverschmutzung entstand. Oben an der Rückwand in der Nähe des Zwischendaches gab es ein Loch von ca. 15×12 cm, durch das der Rauch nach außen gelang. Zwischen Loch und Zwischendach gab es einen Abstand von ca. 15 cm, so dass die heißeste Luft mit geringster Dichte oben blieb, wobei die heiße Luft sogar für kleinste Rauchpartikeln zu dünn war um dort zu schweben.

 

An der Rückwand war auch ein Sitzbank zum Waschen und von dort fuhr ein Trittbalken nach oben zur Pritsche wo vier Personen sitzend oder zwei liegend genügend Platz hatten. In der Ecke zwischen Pritsche und Ofen war ein Platz für Brennholz reserviert. Der Ofen selbst war links positioniert, wenn man reinkam und dort war für Warmwasser auch ein gusseiserner Waschkessel für ca. 60 Liter eingemauert. Auch die Wand neben den Ofen war mit etwa fünf Zentimeter dicken flachen Steinen, ungefähr ein Meter hoch vertäfelt, damit die strahlende Hitze oder eine Flamme die Sauna nicht vernichten konnte. Außerdem war die Hälfte vom Fußboden mit Steinen isoliert, so dass die Brandgefahr dadurch noch besser gebannt wurde. Rechts, ganz unten war ein kleines Fenster liegend angebracht so dass es weitgehend durch den Rauch nicht angeschwärzt wurde und man brauchte es nur einmal pro Monat mit der feuchten Saunarute abwischen, damit es durchsichtig blieb.

 

Ab meinem zehntes Lebensjahr, als mein Vater starb, musste ich natürlich alle Arbeiten für unsere Sauna erledigen. So bemühte ich mich, dass die Sauna beißend heiß war als Großvater als erster dort saunierte. Zuerst schüttete er ein paar Liter Wasser über den Saunaofen so dass noch brennende Holzteilchen sich löschten und kein Kohlenmonoxid entstand. Dann genoss er auf der Pritsche die Hitze bis ihm beinahe übel wurde. Anschließend trat er runter, seifte sich mit selbstgekochter Seife seine Glatze, den Bauch und seinen rauchgeschwärzten Hintern nach Art der Männer ein und goss einen Eimer Wasser über sich. Der meiste Schmutz war sowieso zusammen mit dem Schweiß abgewichen, so dass das Endergebnis recht sauber war.

 

Nachdem Großvater sich sauniert hatte waren andere Familienmitglieder an der Reihe. Die Wärmekapazität war trotz der kurzen Heizperiode von ungefähr zwei Stunden erstaunlich hoch, so dass Vater, Mutter und Kinder sich waschen konnten und falls jemand noch später dort eintraf, konnte er doch mit mehreren aufgegossenen Wasserkellen noch eine mittelmäßige Hitze vom Saunaofen herauslocken.

 

Es gab ruhige, sogar mystische Momente in der Sauna wenn man beobachtete, wie der Rauch nach oben stieg und dann nach außen durch die Rauchöffnung (auf Finnisch räppänä) wanderte, die sich an der Rückwand platziert war, sowie durch die zweite Öffnung rechts oberhalb der kleinen Fenster. So blieb die Luft unten frei von Rauchpartikeln und tödlichem Kohlenmonoxid. Das war doch unbedingt notwendig damit man während der ersten kalten Herbsttage geschlachtete Kälber räuchern und drinnen den Prozess beobachten konnte. Einen Monat in einem hölzernen Bottich gesalzte Fleischstücke wie Rippen und Schinken wurden aufgespießt und dann von dem Dach hängend platziert und durften dort drei Tage in Hitze und Rauch reifen. Dabei musste man den Saunaofen immer neu mit Birkenholz füllen und die Fleischstücke drehen und wenden um gleichmäßiges Garwerden zu garantieren.

 

Besichtigt man Freiluftmuseen kann man bemerken, dass die Rauchsauna vielleicht noch nicht total erforscht ist, weil die Modelle dort etwas von dem abweichen, was mein Großvater oder seine Vorfahren gebaut hatten. Museumsaunas zeigen nämlich gerade die Merkmale, die sich negativ auf die Effektivität der Heizung auswirken: dicht und massiv zugemauert, ohne reichliche Luftzufuhr, niedrige Raumhöhe und damit schlechte Trennung zwischen dem oben liegendem Rauch und der sauberen Luft unten. Außerdem darf der sinnvolle Rauchabfuhr nicht vernachlässigt werden. Gründlichere Betrachtung ist aber kaum mehr möglich, weil Rauchsaunas schon vor langer Zeit verfault oder durch Flammen vernichtet worden sind. Außerdem kann ein leichtes Saunamodell von Kainuu nicht verglichen werden mit robust gebauten Saunas, die für größere Bewohnerzahlen nötig waren.

 

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