Grandioser Granit

Wer schon einmal in Finnland gewesen ist, dem ist es bestimmt schon aufgefallen. Dieses Land steht auf Granit. Es ist der häufigste Stein hier – wie im übrigen auch weltweit. Finnland (dem Landteil, ohne die Inseln) fehlt so gut wie komplett Sandstein und dementsprechend gibt es hier auch keine Fossilien. Der Granit hier gehört zu den ältesten Steinen Europas und ist meistens zwischen 1800 und 1900 Millionen Jahre alt, im Norden Finnlands eher älter, im Süden etwas jünger. Im Deutschen gibt es übrigens einen Merkspruch, um sich die Bestandteile von Granit merken zu können: „Feldspat, Quarz und Glimmer, die drei vergess‘ ich nimmer.“ Auf Finnisch ist es maasälpä, kvartsi und kiile.

Detail vom Bahnhof (roter Granit aus Hanko)

Ob es die Inseln vor Helsinki sind, das Kopfsteinpflaster oder die Gebäude der Nationalromantik: Überall findet man den Granit. Der Vorteil von Granit ist, dass es ein sehr widerstandsfähiges und hartes Gestein ist, das sogar dem sauren Regen trotzt, anders als der Sandstein Mitteleuropas, der den sauren Regen nicht verträgt. Ähnliches gilt übrigens auch für den Carrara-Marmor, der Lieblingsstein unseres Architekten Alvar Aalto war und in den er die Finlandia-Halle eingekleidet hat. Mit dem Ergebnis, dass die Platten nur eine sehr begrenzte Zeit halten und dann wieder ziemlich schnell nachgebessert werden müssen.

Altes Kopfsteinplaster in der Sofiankatu.

Auslandsfinnen erinnert der Granit auch so sehr an Finnland, dass viele sich einen finnischen Granit als Grabstein wünschen. Dazu hätte ich dann doch noch eine Idee: Nehmt den Stein schon als Lebende. So könnt ihr euch jetzt schon zum Beispiel über ein paar Tretsteine in eurem Garten freuen, anstatt die Nachwelt über einen schönen Grabstein. Als Ahnenforscherin freue ich mich aber im Übrigen auch über jeden Grabstein, ein Holzkreuz verwittert schnell oder eine Metalltafel verrostet und so kann man schon nach wenigen Jahren das Grab nicht mehr finden.

Die im Ausland verwendeten Handelsnamen lassen oft nicht erkennen, dass es sich um finnischen Granit handelt. Daher habe ich hier eine kleine Zusammenstellung gemacht, unter welchen Namen ihr finnische Steine (in der Hauptsache Granitvarietäten, aber auch andere) im Ausland finden könnt.

Am häufigsten wird der rote finnische Granit „Balmoral Red“, manchmal auch italisierend „Rosso Balmoral“ genannt. Das kommt daher, dass das Schloss der britischen Queen in Schottland aus diesem Stein gebaut worden ist, allerdings natürlich einem schottischen roten Granit aus dem in der Nähe liegenden Steinbruch von Invergelder, der dem finnischen aber ähnelt. Der Name „Balmoral“ soll übrigens aus dem Gälischen stammen, zumindestens der erste Teil, der soviel wie „Hütte“ bedeutet. Die bekanntesten finnischen Sorten kommen aus Taivassalo und aus Vehma. Achtung: Auch chinesische Granitsorten, die ähnlich aussehen, werden genauso genannt, da der Name nicht geschützt ist. Also sollte man ganz genau aufpassen und nach dem Herkunftsland fragen! Natürlich ist der chinesische Granit billiger, jedoch kann für dessen Abbaubedingungen wahrscheinlich keiner seine Hand ins Feuer legen. Das schöne Rot ist besonders gut zu sehen, wenn der Stein poliert wird.

Hier ein paar Beispiele:

Der „Klassiker“: der rote Granit aus Vironlahti
Hier aus etwas mehr Entfernung – auch damit ihr den direkten Vergleich mit der anderen Varietät aus Taivassalo (siehe unten) habt.
Ein weiterer roter Granit: der aus Taivassalo. Wie man sieht, ist er feinkörniger als der aus Vironlahti.

Aus Lieto gibt es auch eine Varietät:

Das ist der rote Granit aus Lieto, für den auch die Bezeichung Migmatit (eine Mischung aus Gneiss und Granit) verwendet wird.

Roter Granit aus Hanko wurde zum Beispiel für den Sockel des Denkmals von Alexander dem Zweiten auf dem Senatsplatz verwendet (Titelfoto). Ebenso ist der Hauptbahnhof aus diesem Granit gebaut. Der Unterschied liegt im Polieren: Der Denkmalstein ist poliert, der Hauptbahnhofstein wurde rauh verwendet.

Die rauhe Struktur des Steins ermöglicht keine feinziselierten Arbeiten, weswegen die Steinmänner auch sehr vereinfachte strenge Züge haben.
Noch ein feinpolierter roter Granit, dieses Mal vom Denkmal der Havis Amanda im Südhafen. Es handelt sich um roten Granit von Vehma.

Es gibt dann noch rote Granite aus Mäntsälä (Mäntsälän punainen). Dieser hat etwas mehr schwarze Anteile – falls einer der Blogleser ein Foto hat, dann bitte mir gerne schicken.

Dann gibt es noch braune Granite.

Das ist der braune Granit aus Toivakka.
Hier aus der Nähe.
Das ist der braune Granit aus Ylämää. Ylämää ist der Steinsammlerwelt bekannt für seinen Spektrolith – so nennt man die finnische Variante des Labradorits.
Der Spektrolith aus Ylämää darf hier natürlich nicht fehlen – obwohl er einen eigenen Blog wert ist.

Den grauen Granit aus Kuru findet man als Arbeitsplatte auch in vielen finnischen Küchen.

Hier eine Nahaufnahme, die erklärt, warum dieser Stein so gut in fast jedes Ambiente passt. Er ist zurückhaltend und lässt anderen Elementen den Vortritt.

Oft wird er im Volksmund „grauer Granit“ genannt, um aber ganz genau zu sein, handelt es sich gar nicht um Granit, weil der Bestandteil Feldspat diesem Gestein fast zur Gänze fehlt. Es ist heller Tonalit von der Insel Haidus, die vor der Stadt Uusikaupunki liegt. In älteren Veröffentlichungen findet sich auch er Name Trondhjemit. Der Verkaufsname dieses Steins lautet „Birkhall Gray“.

Das helle Gebäude des Nationaltheaters aus grauem Granit bzw. Tonalit, gesehen durch die Fenster des neuen Hotels „Grand Central“ (siehe https://claudiashelsinki.com/2022/03/19/das-neue-scandic-grand-central-hotel-in-helsinki/).

Es gibt etwas für Liebhaber aller Farben. Hier der grüne Granit aus Ylämää:

Bei höheren Temperaturen entwickelt sich aus Granit Gneiss, den man auch finden kann. Hier ein besonders interessante mehrfarbige Varietät aus Sulkava:

Bunter Gneiss aus Sulkava.

Oder hier ein Übergangsgestein zwischen Granit und Gneiss aus Rautavaara:

Für Freunde von Blau: Der „Bläuliche aus Raippaluoto“.

Und wer Glück hat, der findet im Granitgestein hier und da auch mal die Edelsteine Beryll und Topas.

Noch einen Stein sollte man hier auch erwähnen, damit auch die Freunde von schwarzem Stein auf ihre Kosten kommen. Den haben wir auch anzubieten, in der Form von Gabro. Kein Granit, aber wegen seiner Farbe ein sehr beliebter Grabstein.

Der Schwarze aus Korpilahti.

Es ist also für jeden Geschmack was dabei. Immer gibt es einen passenden finnischen Stein.

Aus finnischem roten Granit aus dem Steinbruch von Pyterlahti (Virolahti, nahe der russischen Grenze) sind übrigens auch die massiven Säulen der Isaakskathedrale in St. Petersburg und die Alexandersäule, die vor dem Winterpalast steht und den Sieg Russlands über Napoleon feiert. Finnischen Touristen wurde das jedenfalls noch 1988 erzählt, als ich das erste Mal in St. Petersburg war, deutschen Gästen jedoch nie.

Das Foto ist von 1988.
Die Säule in der Mitte ist die Alexandersäule, das Foto stammt ebenfalls von meinem Besuch aus 1988 und ist vom Dia gemacht, deswegen bitte ich die Qualität zu entschuldigen.

PS Ich bin übrigens Mitglied im Verband der Finnischen Edelsteinsammler. Finnland ist ein Paradies für steinverrückte Menschen… Für genauso steinverrückte Leute kann ich einen Stadtrundgang anbieten, bei dem wir die verschiedenen Steine uns an Ort und Stelle anschauen.

Verwendete Quelle: Martti Lehtinen und Jukka L. Lehtinen: Helsingin Kaupunkikiviopas (= Stadtführer für die Steine von Helsinki). Karttakeskus 2008.

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