Auf der Suche nach einem eigenen Mökki (Teil 2)

Im vorherigen Blog ging es um die finanziellen Aspekte der Anschaffung eines eigenen Mökkis, nun möchte ich auf viele anderen Aspekte eingehen. In bewährter Manier natürlich in erster Linie auf solche, die einem Mitteleuropäer nicht sofort einfallen würden.

Kommen wir also zu den anderen Gründen, die dich dazu bewegen könnten, dir eine eigene Sommerresidenz in Finnland zuzulegen.

Wenn du erwartest, dass Corona nicht das letzte Virus sein wird, mit dem wir uns während unserer Lebenszeit herumschlagen müssen, dann ist ein Land mit geringer Besiedlung, in dem die Leute von sich aus Abstand halten, eine der sichersten Orte der Welt. Erst recht, wenn du dir eine eigene Insel zulegst, wo es nicht so einfach ist, das Virus mal eben so einzuschleppen (siehe auch mein Blog https://claudiashelsinki.com/2020/11/20/acht-grunde-warum-finnland-corona-besser-ubersteht-als-fast-alle-anderen/). Dass in Finnland digitales Nomadentum funktioniert, sogar mitten im Wald oder auf einer Insel, macht dich unabhängig.

Beitragsphoto und dieses Photo von Mihku Mihkunen

Die Kombination aus Einsamkeit und Sicherheit könnte für dich wichtig sein, wenn du lieber gerne nicht auffallen möchtest. Sei es, dass du als Prominenter der Presse ausweichen möchtest – Paparazzis fallen in der finnischen Einsamkeit sehr gut auf, weil man auf jedes Auto aufmerksam wird, dass sich deiner Hütte nähert. Oder du möchtest incognito untertauchen, weil du zum Beispiel von einem Stalker verfolgt wirst. Dito: Nicht umsonst war Finnland in der Zeit des Kalten Krieges ein bevorzugter Aufenthalt für Spione. Hier konnten sie ideal untertauchen.

Ein weiterer Grund kann sein, dass du mit einem eher traditionellen Mökki die Jahreszeiten viel intensiver erlebst. Im Winter merkst du, dass es kalt wird, wenn du nicht selbst den Ofen fütterst. Gehst eher mit den Hühnern schlafen und wachst auch mit ihnen auf. Im Sommer kannst du die nachtlose Zeit viel mehr genießen, weil du noch um 23 Uhr nach der Sauna baden gehen kannst. Pflückst Beeren und Pilze, gehst fischen. Damit fühlst du dich viel mehr mit der Natur verbunden als in einer Stadtwohnung. Du kannst mit einem Mökki auch deine noch verbliebenen Nomadengene pflegen. Hier vermute ich auch, dass einer der Gründe für die glücklichen Finnen liegen (dazu auch meine Blogs https://claudiashelsinki.com/2019/03/22/zum-zweiten-mal-gluecklichestes-land-der-welt/). Die Zeit in Betonbauten stellt sich nämlich in der gesamten Menschheitsgeschichte als ein Sekundenschlag dar, viel länger lebten wir in Höhlen, Laubhütten und Zelten. Nomaden ziehen den Tieren nach, anfangs waren es wilde, später domizierte. Das Essen für heute zu finden und es warm und trocken zu haben, war für Jahrmillionen das größte Glück. Ein bisschen etwas davon kann man heute noch im Mökki erleben und deswegen macht ein solch „primitives“ Leben glücklich. Es kann auch sein, dass du deinen Kindern näher bringen möchtest, dass es eben nicht selbstverständlich ist, in einer geheizten Wohnung leben zu dürfen, das ungeheizte Mökki im Winter lernt es sie. Genauso wenig wie fließendes Wasser, geschweige denn fließend heißes Wasser.

Holzofen in einem Mietmökki in Lappland

Bei der Wahl des passenden Objekts solltest du zusätzlich zu den schon im vorherigen Blog beschriebenen Aspekten, die sich besonders auf die Finanzen auswirken, auf jeden Fall auf folgende Aspekte achten:

Wie kommt man zum Objekt? Ist es eine Privatstraße? Dann musst du dich eventuell mit irgendwelchen anderen Anrainern herumschlagen, die nichts in die Straße investieren wollen (oder die mit dir, weil du kein Interesse an der ganzjährigen Nutzung der Straße hast)? Steile Hügel bei der Anfahrt verheißen nichts Gutes für den Winter, außer du hast schon einen Allradwagen.

Eine noch ganz andere Situation hast du, wenn sich das Objekt auf einer Insel befindet, entweder in einem See oder im Meer. Dann brauchst du – wenn keine Brücke vorhanden sein sollte – ein eigenes Boot. Wie lang ist die Überfahrt – bei unterschiedlicher Motorisierung? Hast du ein Boot, das du im technischen Notfall auch selbst noch rudern kannst oder bist du in einem solchen Fall auf fremde Hilfe angewiesen? Beim eigenen Boot sind wieder viele spezielle Aspekte zu berücksichtigen. Boote müssen hier für den Winter aus dem Wasser genommen werden. Ist es zu groß, musst du dafür bezahlen, dass dir ein Unternehmer mit seinem Traktor hilft, es im Frühjahr zu Wasser zu lassen und im Herbst aus dem Wasser zu holen. Und du brauchst einen Stellplatz für den Winter. Wenn der trocken sein soll, dann kommen weitere Kosten auf dich zu. Reicht dir ein Boot ohne Dach (= dann wirst du nass, wenn es auf der Überfahrt regnet) oder möchtest du eins mit? Wie viele Personen möchtest du mit einer Fahrt transportieren können? Bei einer Überfahrt von zehn Minuten ist das ein anderes Problem, als wenn die Überfahrt eine Stunde braucht. Auf dem Meer solltest du dann übrigens auch nautische Kenntnisse besitzen, die Inseln sehen alle gleich aus… und es gibt viele Untiefen.

Wie groß ist das Grundstück? Und wo ist der nächste Nachbar (Sichtweite- Hörweite)?

Wie weit ist es bis zum nächsten See bzw. Fluss? Ideal ist der Zugang auf eigenem Grund, er ist aber nicht selbstverständlich. Wie ist der Zugang zum Wasser? Gibt es einen Stieg? Ist es ein Stieg, der im Winter an Land gezogen werden muss oder kann er im Wasser bleiben? Ist das Ufer verwachsen oder modrig (das bedeutet mehr Stechmücken) und du musst erst einen Unternehmer kommen lassen, der den Zugang ermöglicht (nennt sich ruopaus)? Hast du Sandstrand, Steine, Kies, abfallendes Ufer (=gefährlich für Kinder)? Am idealsten ist ein flaches Ufer mit Sand.

Wie sieht es mit der Bewachsung des gesamten Objekts aus? Viele und dicht stehende Nadelbäume bedeuten viele Mücken. Darfst und kannst du einige der Bäume selbst fällen oder fällen lassen?

Wie lange ist das Objekt eventuell nicht in Gebrauch gewesen (vielleicht, weil die Abwasser nicht gesetzmäßig verarbeitet werden können)?

Gibt es die Gefahr von Schimmel beim Objekt? Der Einsatz eines Schimmelhunds könnte sich lohnen. Wenn der Besitzer diesem Einsatz nicht zustimmt, dann weißt du schon, dass das Objekt nicht ganz koscher ist.

Wie sieht es insgesamt mit dem Gebäude aus? Alles, was für ein Haus gilt, gilt auch für ein Sommerhaus…

Wie sieht es mit der Wasserversorgung aus? Hast du einen eigenen Brunnen und eigene Wasserleitungen? Oder musst du das Trinkwasser mitnehmen, und benutzt See- oder Flusswasser für die Sauna. Verlegte Wasserleitungen und eine eingebaute Dusche bedeuten eine höhere Grundsteuer und haben natürlich auch Auswirkungen auf die erforderlichen Abwasseranlagen (siehe letzter Blog https://claudiashelsinki.com/2021/01/02/auf-der-suche-nach-einem-eigenen-moekki-teil-1-die-finanzen/). Dem kannst du unter Umständen ausweichen, wenn du nur eine improvisierte Gartendusche im Sommer verwendest und im Winter dich in der Sauna wäscht (dort mischt du Heißwasser aus dem Heißwasserbottich mit Kaltwasser vom See von direkt nebenan oder mit Brunnenwasser, das du mit Gartenschlauch in die Sauna fließen lässt).

Falls du nicht an die Kanalisation angeschlossen bist: Was für ein Modell von Toilette hat dein Objekt? Klassisches Plumpsklo? Komposttoilette? Elektronische Verbrennungstoilette (alles wird verbrannt, es bleibt ein bisschen Asche übrig, ist allerdings in der Erhaltung ziemlich aufwendig, weil kompliziert)?

Wie sieht es mit den Fisch- und eventuell Jagdrechten aus?

Was für eine Art von Boot ist bereits vorhanden bzw. gehört zum Anwesen, wie ist es ausgestattet? Schwimmwesten für alle Bootsinsassen sind Pflicht, wenn im Haus keine vorliegen, solltest du dir welche zulegen, sonst wird es nichts mit einem Ausflug auf dem See.

Falls du Haustiere hast, gibt es eine Möglichkeit, diese sicher unterzubringen?

Eine aus Keloholz angefertigte Lampe zeigt den Charme dieses Holzes (beachte die „Windung“ des Holzes)

Was solltest du bereit sein zu tun, wenn du dir ein Mökki in Finnland zulegst?

  • du solltest nicht zwei linke Daumen haben, in der Einsamkeit kann man in der Regel nicht für jede Kleinigkeit einen Klempner holen, der eine Anfahrt von 50-100 km haben kann
  • du solltest dir nicht zu schade sein, ein Plumpsklo auszuleeren (wird zu Beginn der Saison im Frühjahr gemacht, wenn seit der letzten „Sitzung“ in der Regel mehrere Monate vergangen sind)
  • du sollest dich darauf einstellen, dass Holzhäuser circa alle sechs Jahre einen neuen Anstrich brauchen, und du wirst das erledigen (dem kannst du nur entkommen, wenn du ein Haus aus Kelo-Holz hast, über dieses Wunderholz – das nicht gestrichen werden braucht –  wird es noch einen eigenen Blog geben, hier erst einmal eine kurze Wikipedia-Information: https://de.wikipedia.org/wiki/Keloholz )
  • Holzhacken solltest du zumindest bereit sein zu erlernen, du wirst es brauchen

Für die Hardcore-Outdoor-Enthusiasten gibt es da noch eine Variante: Nur Grundstück kaufen und das Mökki selbst bauen. Ich hoffe, dass ich euch bei diesem Thema in Bälde mit einem Gastblog eines Spezialisten weiterhelfen kann, da ich selbst hier über keine Expertise verfüge. Für Baumaterial lohnt sich übrigens oft ein Einkauf in Estland (ganz ähnlich wie beim Alkohol, Claudias Helsinki berichtete: https://claudiashelsinki.com/2018/02/18/talsinki-oder-warum-helsinki-2017-beliebtester-passagierhafen-in-europa-wurde/). Einfach wird es auf jeden Fall nicht, aber spannend.

Falls dir die Suche einfach zu anstrengend und zeitraubend ist, dann kannst du mich auch einfach dafür engagieren.

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