Der finnischte Satz

Viele Nationen haben ein Motto, so schwören die Franzosen auf die Dreieinigkeit von Liberté, égalité, fraternité, die Briten kümmern sich um das Wohlergehen ihrer Königin God save the Queen und die Amerikaner schreiben auf ihre Münzen In God we trust.

Was haben die Finnen?

 

Auf jeden Fall kein offizielles Motto. Das hat dazu geführt, dass man sich genau zu diesem Thema in Finnland Gedanken gemacht hat und die Finnen dazu gebeten hat, herauszufinden, welcher Slogan oder welches Motto sich für Finnland eignen würde.

 

Die vom Publikum eingeschickten Vorschläge wurden im Internet zum Abstimmen vorgelegt. Gewonnen hat:

Ei minua varten tarvii keittää.

„Für mich alleine brauchst du keinen Kaffee kochen, aber wenn du auch mittrinkst, dann nehme ich schon einen.“

Der Satz spiegelt die hier vorherrschende Bescheidenheit: es wäre zu viel des Aufwands, extra für eine Person die Kaffeemaschine anzuschmeißen, aber wenn du auch einen Kaffee trinkst, dann leiste ich dir sehr gerne Gesellschaft. Dazu passt natürlich, dass die Finnen Weltmeister im Kaffeetrinken sind (siehe mein Blog Finnland und Helsinki als Europa- und Weltmeister), daher ist es das Natürlichste der Welt, einfach miteinander Kaffee zu trinken.

Ein paar von den anderen Vorschlägen mit den meisten Stimmen möchte ich Ihnen aber nicht vorenthalten.

So wurden vorgeschlagen:

 

No tää nyt on vaan tämmönen…  (= Das ist einfach nur so ein…)

Es handelt sich um die typische Antwort auf eine Situation, in der das Kleidungsstück eines Finnen gelobt wird. Die Ergänzung würde dann bestehen aus „aus dem Winterschlussverkauf gekauftes“, „von meiner Mutter geerbtes“ usw. Kaum jemand würde zugeben, auf der Jagd nach dem perfekten Kleid mehrere Tage investiert zu haben.

Raastepöydästä voipi aloitella. (= Man kann vom Tisch mit dem geriebenen Gemüse / der Rohkost anfangen.)

Es handelt sich um die Antwort auf die Frage, wo beim Büffet man anfangen sollte. Der Tisch mit dem geriebenen Gemüse ist für alle Finnen seit der Schulzeit ein Begriff. Salat war früher viel zu teuer, als dass es wie vielleicht in Mitteleuropa der „Salattisch“ gewesen wäre, jahrzehntelang wurde der Bedarf an gesundem rohem Gemüse gedeckt durch geriebene Karotten, Rüben und Kohl, bis auf den heutigen Tag obligatorischer Bestandteil jedes Schul-und Kantinenessens.

 

Havuja, perkele! (Nadeln, verdammt noch mal!)

Gemeint ist ein Zitat der Skilangläuferin Marjo Matikainen, das diese während der Weltmeisterschaft 1987 in Oberstdorf beim Fünfkilometerwettbewerb im klassischen Stil geschrien hatte. Die Wetterbedingungen waren extrem schwierig für das Wachsen. Ihre Langlaufskis hatten zu viel Steigwachs in der Mitte, damit baute sich zu viel Schnee direkt unter dem mittleren Skiteil auf, was das Gleiten behinderte. Das einfachste Mittel dagegen war es, über ein paar Nadelbaumzweige das überflüssige Wachs einfach wegzukratzen. So schrie sie ihren Betreuern „Havuja, perkele!“ zu, sie bekam ihre Nadeln und gewann den Weltmeistertitel.

Falls Sie die Situation nochmals selbst sich anschauen wollen, hier die Adresse, zwischen 1:22 und 1:30 finden Sie diesen historischen Augenblick, allerdings nur, wenn Sie über VPN verfügen und Finnland als ihren Aufenhaltsort angeben: https://yle.fi/aihe/artikkeli/2008/01/29/havuja-perkele

Und bei der Gelegenheit haben Sie dann auch eines der wichtigsten und schlimmsten finnischen Fluchwörter gelernt. So erfuhr ich von einem ehemaligen österreichischen Skispringer bei einer Stadtrundfahrt in Helsinki, dass der österreichische Skispringer Andi Goldberger nur ein finnisches Wort beherrscht, nämlich dieses. Gelernt von den finnischen Kollegen beim Skispringen, wenn etwas daneben ging. Es ging wohl oft genug daneben, dass man es gelernt hat.

 

No niin. (= So so / so ist es / so ist das Leben / da haben wir es / das hätte ich dir sagen können / da sieht man es mal wieder).

Der einzige Grundbestandteil des finnischen Small-talks, den es sich lohnt, zu lernen. Je nach Situation kann damit fast alles gemeint sein. Wird verwendet, wenn man etwas sagen muss, aber nicht wirklich weiß, was. Falls Sie das nicht glauben wollen, hier der Link zum lustigsten Finnen, Ismo Linkola, der mit seinem Sketch zu „No niin“ berühmt geworden ist. Das Video hat übrigens Untertitel auf Englisch, so dass Sie es auch verstehen werden! 2014 gewann Linkola in Los Angeles in der Laugh Factory den Titel des „lustigsten Menschen der Welt“.

Mit einem gemurmelten „no niin“ gehen sogar Sie als Finne durch!

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