PSST! Was über die Ausflüge in Helsinki nicht erzählt wird…

Ich bin seit 2007 Fremdenführerin in Helsinki und begleite Gäste aller deutschsprachigen Ausflüge durch Helsinki, von der Holzklasse bis zum Luxussegment.
Die Information, die Sie an Bord über die organisierten Ausflüge erhalten, ist in der Regel durchaus passabel, manchmal sogar sehr gut. Allerdings gibt es Dinge, die der Ausflugsleiter einfach nicht wissen kann und auf die er gar nicht kommen kann, weil ihm das Insiderwissen von denjenigen fehlt, die diese Arbeit ständig machen. Oder die betreffende Information wird zwar erwähnt, Ihnen ist aber nicht klar, welche großen Auswirkungen diese auf Ihren Ausflug haben könnten. So kann man sich manche Enttäuschung ersparen, die ich dann leider auch manchmal miterleben muss, weil aus Unwissenheit der falsche Ausflug gewählt worden ist.
Meine folgenden Tipps beschränken sich auf Ausflüge, die in der Regel auf Kreuzfahrtschiffen angeboten werden, das heißt, für die gängigsten Ausflüge an Bord. Manchmal wird zwar eine Menge angeboten, aus Mangel an Interesse kommt dann aber vieles nicht zustande.
Hier meine 7 Tipps und Tricks, wenn es irgendwie geht, zeige ich auf, wie die möglicherweise schon erfolgte Fehlentscheidung bei der Buchung doch noch ausgebügelt werden kann:

Die Felsenkirche: wenn Sie Ihnen wichtig ist

 

FelsenkircheVomNachbargebaude

1. Achten Sie unbedingt darauf, ob bei Ihrer Stadtrundfahrt die Felsenkirche dabei ist oder nicht. Bei sogenannten Panoramafahrten ist sie in der Regel nicht dabei, weil diese zu kurz sind und der Besuch auch einen Fussweg erfordert, der von gehbeeinträchtigten Gästen nicht abgefordert werden kann. Manchmal denkt der eine oder andere Gast auch, dass zu längeren Ausflügen dann trotzdem die Felsenkirche dazu gehört: nein, das tut sie nicht. Wenn sie nach Porvoo fahren oder eine Bootsfahrt mit einer Panoramafahrt machen, dann gehört die Kirche nicht dazu. Das steht auch so in den Programmen, aber der eine oder andere möchte es vielleicht gerne überlesen… Ihr Ausweg: fragen Sie Ihren Guide nach den Öffnungszeiten der Kirche. Wenn er sich nicht parat hat, kann er anrufen – ich jedenfalls tue das für meine Gäste. Wenn Ihr Schiff länger da ist, nehmen Sie nach dem Mittagessen einfach ein Taxi dorthin und zurück. Ich hatte sogar schon die Situation, dass einige Gäste bei einem plötzlichen technischen Totalausfall unseres Busses auf dem Weg nach Porvoo (eigentlich das technische Worst-Case-Szenario für einen Fremdenführer) die erzwungene Pause im Zentrum Helsinkis dazu nutzten, sich ein Taxi zu nehmen und die Felsenkirche dann doch sehen zu können. Ich wusste ihnen zu berichten, dass der Busunternehmer sagte, dass der Ersatzbus frühestens in 20 Minuten da sein würde, diese 20 Minuten nutzten die Gäste für einen Blitzbesuch der Kirche. Und natürlich garantierte ich den Gästen, dass wir auf sie warten würden, wenn der Ersatzbus dann doch schon nach 18 Minuten da gewesen wäre. Am Ende hatte ich glücklichere Gäste als ohne die technische Panne!

 

2. Achten Sie auf den Wochentag, an dem Sie in Helsinki sind. Auch wenn die Felsenkirche mit im regulären Programm ist, fällt sie an einem Samstag oder Sonntag oft weg, weil entweder in ihr geheiratet wird oder es Gottesdienst gibt. Und auch, wenn Sie reinkommen, werden Sie insbesondere an einem Samstag im Sommer nur sehr wenig Zeit haben. Der Zeitplan lautet dann meistens: 10.00-10.45 Hochzeit1, 10.45-11.00 Touristen, 11.00-11.45 Hochzeit 2, usw. Das sollte Ihnen bewußt sein. Wer also zum Beispiel schon einmal in Helsinki gewesen ist, das letzte Mal die Felsenkirche verpasst hat und dieses Mal unbedingt in aller Ruhe sie sich anschauen möchte, der sollte sich einen Wochentag dafür aussuchen.
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3. Bei welchem Ausflug kann ich die berühmten Eisbrecher am besten sehen?
Ganz klar, nehmen Sie “Helsinki zu Land und zu Wasser” (oder so ähnlich). Bei diesem Ausflug nähern Sie sich den Eisbrechern auf die geringste Distanz von der Wasserseite aus. Von Land aus ist dieses nicht möglich, weil die Strasse, die in die Nähe der Eisbrecher führt, nicht sehr busfreundlich ist und die vorhandenen Wendemöglichkeiten im Sommer oft sehr eingeschränkt sind. Das Gelände ist aus Sicherheitsgründen außerdem ziemlich weiträumig abgezäunt, auf einem Selfie ist also immer mit der Zaun zu sehen… Mit einem Kleinbus oder Auto geht es besser, auch zu Fuß kommen sie gut hin, haben dann aber immer noch die Absperrung, das heißt, Sie kommen nicht direkt bis vor die Eisbrecher. Die Variante zu Fuß eignet sich besonders, wenn Ihr Schiff an der Spitze der Halbinsel Katajanokka liegt, weil die Eisbrecherflotte im Sommer auf der anderen Seite von genau dieser Halbinsel liegen. Sie werden Sie sehen, müssen aber an Bord zugeben, dass die Nachbarn, die auf dem Boot waren, die besseren Fotos gemacht haben!
5. Warum ist das Olympiastadium nicht zu sehen?
Ganz einfach, weil es renoviert wird. Die Arbeiten sollten 2019 schon beendet sein, wie aber so oft verzögert sich die Fertigstellung, es wird 2020 werden.
6. Lappland in Helsinki?

Dieser Tipp betrifft eher amerikanische Kreuzfahrtschiffe, auf denen ich aber auch schon deutschsprachige Gäste erlebt habe, deswegen nehme ich den auch auf. Der eine betrifft den Ausflug “Winter Wonderland” und geht in eine Art künstliches Lappland, der andere Ausflug geht nach Nuuksio zum Rentiereschauen und -füttern. Wenn Sie schon in Lappland gewesen sind, dann lassen Sie es bleiben. Und wenn Sie noch hinwollen, dann planen Sie einen eigenen Lapplandurlaub. Es gibt Gründe, warum diese Ausflüge meistens bei den deutschsprachigen Schiffen fehlen. Der Mitteleuropäer hat es allerdings auch ein bisschen einfacher, nach Lappland zum Erleben des Originals zu reisen als der Amerikaner, der könnte sich allerdings nach Alaska aufmachen. Apropos: Alaska hatte Ende des 19. / Anfang des 20. Jahrhunderts zur Verbesserung der Nahrungsmittelsituation dort einigen Samen aus Norwegen und Finnland die Einwanderung erlaubt, um den Einheimischen das effizientere Halten von Rentieren beizubringen, ein interessantes historisches Dokument findet sich unter: http://www.alaskool.org/projects/reindeer/history/iser1969/rdeer_1.html ). Am allermeisten eignet er sich noch für Familien mit kleinen Kindern, die unbedingt Winter im Sommer erleben wollen. Das Winter Wonderland ist eine Halle, die ganz ursprünglich konzipiert wurde, um es den langlaufskiverrückten Finnen auch im Sommer zu ermöglichen, langzulaufen.
Bei dem anderen Ausflug gibt es die Möglichkeit, in Nuuksio Rentiere zu sehen. Ihre natürliche Umgebung ist Lappland, hier in Südfinnland ist es ihnen meistens zu heiß, mit der Klimaerwärmung leider immer mehr. Im gewissen Sinne geht es um dieselbe Thematik wie bei den Zoos. Es bleibt Ihnen überlassen, wo Sie Rentiere lieber sehen wollen.
7. Und warum ist kein Ausflug nach Suomenlinna dabei?

Suomenlinna (Titelfoto) ist das einzige Weltkulturerbe der UNESCO, das wir in Helsinki vorzeigen können. Da wundert es, dass Ausflüge dorthin so selten im Programm zu finden sind. An der Schönheit der Insel liegt es nicht, das garantiere ich Ihnen! Ich werde es Ihnen verraten, woran es liegt: Suomenlinna nimmt für die dort durchgeführten Touren Lizenzgebühren, und diese sind nicht ohne. Das heißt, dass die Ausflüge durchführenden Agenturen für jede Tour eine Gebühr abführen müssen, daher mindert diese ihren Gewinn. Das genau ist der Grund, warum diese Touren oft nur in den Programmen des höheren Preissegments zu finden sind. Ich muss diese Gebühren mit meinen Gruppen auch abführen, nur bei sogenannten angemeldeten Pro-bono-Führungen für Verwandte und Freunde fallen sie nicht an. Und wer als autorisierter Suomenlinna-Guide (wie ich es bin) auf der Insel mit einer Gruppe erwischt wird, ohne die Führung vorher angemeldet zu haben, riskiert seine Lizenz!
Ihr Ausweg: machen Sie es selbst! Nehmen Sie den Shuttlebus zum Zentrum – wenn Ihr Schiff nicht eh im Zentrum liegt und laufen Sie zum Marktplatz. Fragen Sie nach der öffentlichen Fähre nach Suomenlinna. Das Ticket für die Fähre hin und zurück ist am Automaten erhältlich und kostet fünf Euro. Die Fahrt dauert 15 Minuten, im Sommer fahren die Fähren tagsüber mindestens alle halbe Stunde, manchmal auch alle 15 Minuten. Achten Sie darauf, wann Sie wieder die Fähre zurück nehmen müssen. Und dann erobern Sie die Festungsinsel alleine. Wenn Sie Glück haben, bin ich als Lektorin mit an Bord. Und wir fahren an Suomenlinna vorbei, wenn wir Helsinki vom Südhafen aus verlassen. Dann erkläre ich Ihnen entweder von der Brücke, was wir sehen, wenn es der Kapitän erlaubt, oder an der Reeling. Das letzte Mal wunderte sich der Lotse, warum ich so genau Bescheid wusste, natürlich konnte ich seine Unterhaltung mit der Lotsenstation verstehen. Fragen Sie mich!

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