Die Felsenkirche und ihre kleine Schwester in Kivenlahti, Espoo

Die Felsenkirche in Helsinki ist eine der berühmtesten Sehenswürdigkeiten in Helsinki und ganz Finnland, letztes Jahr besuchten circa eine halbe Million Menschen die architektonisch einmalige Kirche. An einem normalen Sommertag finden ungefähr 10.000 Gäste ihren Weg dorthin. Und obwohl ich die Kirche geschätzte 1000 Mal besucht habe, hat sie nichts von ihrem Reiz verloren, sie ist und bleibt ein Unikat. Architektonisch auf jeden Fall das interessanteste Gebäude in Helsinki. Darüber hinaus das Gebäude mit der besten Akustik. In seinem Artikel über den Bau der Felsenkirche (http://www.temppeliaukio.fi/kirkkosalin_kallioseina.htm) erwähnt einer der Architekten, welcher Kapellmeister Einfluss genommen hat auf die Entscheidungen, die zu dieser Akustik führten: es war Paavo Berglund!

Es waren also sowohl optische als auch akustische Gründe, die die Wahl auf den zufällig gebrochenen Naturgranit fielen ließen. Paavo Berglund wusste auch zu berichten, dass eine Empore die Akustik günstig beeinflussen würde, der Stein sollte auch auf keinen Fall geschliffen werden, um glatte Flächen zu vermeiden. Auch das Material der Kuppel, der spiralförmig verlegte glattgeklopfte Kupferdraht, war eine Lösung, die sowohl der Optik als auch der Akustik diente.

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Wir danken im Nachhinein für diese weitreichenden Entscheidungen, im Jahr finden in der Kirche circa 300 Veranstaltungen statt, darunter nicht wenige Konzerte, die einen fast privaten Rahmen bieten. Kaum ein Chor, der nicht gerne dort singen würde. Im Sommer ist die Kirche allerdings auch eine sehr beliebte Hochzeitskirche, weswegen Samstage in Helsinki leider oft keine gute Zeit für Kirchenbesuche darstellen. Wer an einem Sommersamstag dort heiraten möchte, sollte lange im Voraus den Termin reservieren! Und am Sonntag dient die Kirche ihrer eigentlichen Bestimmung: am Vormittag ist Gottesdienst.

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t8n8y7+brnmdss3id73qbq Taufbecken der Felsenkirche (oben) und der Kirche von Espoonlahti (unten)

 

Eines meiner schönsten Erlebnisse als Fremdenführerin in Helsinki hatte ich, als eine deutsche Kirchengemeinde auf Tour in Helsinki war, samt ihrem Kantor. Und ich dem Kantor seinen Herzenswunsch erfüllen konnte, weil zufällig der Kantor der Felsenkirche bei unserem Besuch anwesend war und ich ihn fragen konnte, ob er seinem Kollegen aus Deutschland einmal erlaubt, die Orgel der Felsenkirche spielen zu dürfen. Solche einmaligen Erlebnisse schaffen zu können, wenn die Sterne dafür optimal stehen, ist das Salz in der Suppe eines Fremdenführers, es macht einfach glücklich, den Gast und mich. Was will man mehr?

 

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Altar in Espoonlahti

 

Aber haken wir mal nach: Ist die Felsenkirche wirklich einmalig?

Die Brüder Timo und Tuomo Suomalainen haben nach der Felsenkirche (die eigentlich „Die Tempelplatzkirche“, temppeliaukionkirkko heißt) auch weitere Gebäude geplant, darunter auch die Kirche von Espoonlahti (Stadtteil Kivenlahti) in Espoo, der Nachbarstadt von Helsinki. Beide Brüder stammen von der Insel Suursaari, die Finnland nach dem zweiten Weltkrieg an die Sowjetunion verlor, ihr Vater war dort Leuchtturmwärter gewesen. Die einmalige Schärenlandschaft hat die Brüder geprägt, eines ihrer Ziele beim Planen von Gebäuden war es, diese organisch in die Landschaft einzufügen, viele ihrer architektonischen Lösungen sind intuitiv und orientieren sich an der Umgebung und den Naturformen rund um das Gebäude, ganz im Gegensatz zu der gleichzeitig vorherrschenden Betonplattenarchitektur, die besonders die 70er Jahre geprägt hat.

Sie können die beiden Kirchen gut selber vergleichen. In einigen Jahren wird die Metro bis Kivenlahti durchfahren und es eine Station fast direkt neben der Kirche geben, bis dahin gelangt man mit der Metro bis Niittykumpu, dann nimmt man den Bus 124 und steigt bei der Haltestelle Merenkulkija aus. Von dort sind es nur noch 200 Meter bis zur Kirche.

Bei der Feier zum 40. Geburtstag der Kirche 2009 hatte ich das Vergnügen, dem Vortrag einer der Architekten, Timo Suomalainen, zuhören zu dürfen. Sein Bruder Tuomo ist leider schon 1988 verstorben, sein Tod beendete die fruchtbare Zusammenarbeit im gemeinsamen Architekturbüro, die über 140 Projekte hervorbrachte. Das erste größere Bauprojekt in Helsinki war die Berufsschule von Haaga (Haagan ammattikoulu, 1962-1997), die Felsenkirche brauchte neun Jahre, von 1960 bis 1969, die Kirche von Espoonlahti von 1976 bis 1980.

Schauen Sie sich die Bilder an: erkennen Sie, von welcher Kirche das Foto stammt?

 

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Das gusseiserne Kreuz vor dem Eingang der Felsenkirche (beim Bau sorgte die Stelle für Kritik, weil es nicht an der höchsten Stelle des Daches angebracht war)

 

Mein Tipp für Ihren Urlaub in Helsinki: versuchen Sie Ihren Aufenthalt so zu legen, dass Sie ein Konzert in dieser Kirche erleben können. Leider verstecken sich alle Veranstaltungen der Kirche (die zum Kirchengemeinde von Töölö gehört) unter einer für des Finnischen nicht Kundigen herausfordernden Adresse: https://www.helsinginseurakunnat.fi/toolonseurakunta.html.stx (leider habe ich oft erlebt, dass der allgemeine Veranstaltungskalender für unsere Gäste nicht vollständig ist: https://helsinkithisweek.com/eventscalendar). Oder Sie buchen mich als Fremdenführerin und ich finde es im Voraus für Sie heraus!

 

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Kirchenfenster in Espoonlahti

 

 

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