Wer Finnisch lernt, merkt recht schnell, dass die aus dem Lateinischen stammenden Monatsbezeichnungen, die es in vielen indoeuropäischen Sprachen (einschließlich des Deutschens) gibt, im Finnischen nicht verwendet werden. Hier gibt es eigene Bezeichnungen, die wir heute unter die Lupe nehmen wollen.
Tammikuu – der Januar/Jänner
Entstammt nicht tammi, was Eiche bedeutet. Das wäre eine Volksetymologie.
Tammi ist dagegen mit dem germanischen stam oder stamme verwandt, das wir aus dem deutschen Wort „Stamm“ kennen. Gemeint ist ein Stamm, der in einer Mühle horizontal als „Mittelholz“ oder „Mittelstange“ verwendet wurde. Diese Mitte gibt dem Monat dem Namen, es handelt sich um die Mitte des Winters, den Nabel des Winters, um den sich alles dreht, wie in einer Wassermühle.

Helmikuu – der Februar
Helmi ist auf Finnisch die Perle. Der Name des Monats verweist auf wieder gefrorenes Regenwasser, das in den Bäumen zu Eisperlen gefriert. Hier ist ein wenig Hoffnung im Spiel. Der Winter hat seine Herrschaft zum Teil schon verloren, weil es zwischendurch Tauwetter gibt. Aber dann gibt es wieder Frost, ein takatalvi hat zugeschlagen. Als takatalvi, wortwörtlich „Nachwinter“, wird bezeichnet, wenn der Winter erneut zuschlägt und es wieder einmal kalt wird. Solche „Nachwinter“ kann es mehrere geben, zwei bis drei davon sind durchaus normal. In Lappland kann es den letzten davon noch im Mai, manchmal sogar Beginn Juni geben.

Maaliskuu – der März
Über die Herkunft dieses Wortes sind sich die Etymologen nicht einig. Es scheint jedoch auf maa zu verweisen, das Land bedeutet. Die Sprichwörter ”Maaliskuu maan avaa” („Der März öffnet das Land“) und ”maaliskuu maata näyttää” („Der März zeigt das Land“) geben Anlass dazu. Es handelt sich also um einen irdischen Monat, in dem der Schnee zu schmelzen beginnt und die Erde sich nach einem langen Winter zu zeigen beginnt.
Eine weitere Theorie verweist auf einen Zusammenhang mit dem Wort mahla, das auf den aufsteigenden Saft von Bäumen verweist. Im Altestnischen bedeutet der mahlakuu oder maalakuu allerdings den April.

Huhtikuu – der April
Mit dem April beginnt die Serie der Monatsnamen, die auf die landwirtschaftlichen Arbeiten verweisen, die in diesem Monat verrichtet wurden. Huhta bedeutet dasselbe wie kaski, das auf die Brandrodung (kaskiviljely) verweist. Mit huhta wurden diejenigen Bäume – vor allem Nadelhölzer – bezeichnet, die im April gefällt wurden, damit sie bis zum Sommer so trocknen konnten, dass man mit der Brandrodung beginnen konnte.
Eine andere Interpretation, dass huhti von huhtoa „abwaschen/abspülen“ („das Land wird vom Schnee abgespült“) abstammen könnte, wird heutzutage eher als Volksetymologie angesehen.
Toukokuu – der Mai
Touko verweist auf die Aussaht und das wachsende Getreide. Wenn also im Deutschen laut Volkslied „im Märzen der Bauer die Rößlein einspannt”, so passiert dieselbe Arbeit hier im Norden erst im Mai. Endlich werden die Bäume grün. Der erste Pilz der Saison zeigt sich, die Frühjahrs-Giftlorchel (Gyromitra esculenta), ein hochgiftiger Pilz, der aber durch entsprechende Behandlung ungiftig gemacht werden kann (3×5 Minuten abkochen bei guter Abluft, das Gift geht auch in die Luft, Kochwasser abgießen). Bitte nur machen, wenn du ganz genau weißt, was du machst, am besten vorher bei finnischen Freunden zusehen. Im deutschsprachigen Raum wird vom Genuss dieses Pilzes stark abgeraten, der Verkauf ist in Deutschland verboten. In Finnland findet man sie auf dem Marktplatz, jedoch mit einem Totenkopf versehen.
Kesäkuu – der Juni
Endlich ein Monat, bei dem auch der Anfänger beim Finnischlernen glaubt, ihn richtig identifiziert zu haben, muss er doch nach kesä – dem Sommer benannt worden sein. Sorry, falsch! Der Monat ist nach kesanto benannt, und das bedeutet eine Brachfläche, die man in der Landwirtschaft ein Jahr lang oder sogar länger brach legte. Im Juni nun war die Zeit gekommen, um die kesanto umzupflügen und für einen späteren Einsatz vorzubereiten. Das viel ältere Wort für den Sommer ist suvi, das wir z.B. als Mädchennamen wiederfinden oder im suvivirsi, ein Lied, das traditionell am Ende des Schuljahres gesungen wurde.
Für Pilzsammler nicht so interessant, frühestens Ende Juni gibt es die ersten Pifferlinge/Eierschwammerl.

Heinäkuu – der Juli
Nun hat man Recht, wenn man im Wörterbuch nach heinä aufschlägt. Es handelt sich um den Heumonat. ”Ei se heinää tee, joka pilvii vahtaa.” sagt ein altes Sprichwort: “Wer den Wolken folgt, der macht kein Heu.” Gemeint war, dass das Heu eingebracht werden musste, wer zu viel auf das Wetter schaute, der kam nicht zum Zuge.
Die Pilzsaison beginnt so langsam mit den Pifferlingen und gegen Ende des Monats gibt es auch schon die ersten Steinpilze/Herrenpilze.

Elokuu – der August
Mit elo wurde auf verschiedenes Eigentum hingewiesen: Tiere, Getreide und Waren. Die bekannteste Bedeutung ist die des Getreides und darum ging es auch in diesem Monat, in dem das Getreide eingefahren werden musste. In der Landwirtschaft war dieser Monat wohl der arbeitsreichste. Agricola – der Vater der finnischen Schriftsprache – erwähnt den elokuu nicht, sondern spricht vom mätekw oder kyluökw, die man heutzutage mätäkuu und kylvökuu nennen würde, den “Verfaul-/Verderbmonat” und den “Aussahtmonat”. Verderbmonat deswegen, weil Lebensmittel in diesem Monat wegen der Hitze am schnellsten verdarben. Und Aussahtmonat, weil in diesem Monat der Winterrrogen ausgesäht wurde. Aber eigentlich handelt es sich um einen Übersetzungsfehler. Ausgehend vom deutschen “Rodenmonat”- der Monat, an dem man rodet, wurde dieser im Dänischen fälschlicherweise zu råddenmånedi (=Verrottungsmonat), was im Schwedischen dann genauso falsch übernommen wurde und ins Finnische übersetzt wurde. Aber trotz des ursprünglichen Übersetzungsfehlers passt.
Hauptsaison für die Familie der Steinpilze. Jetzt heißt es jedes Wochenende raus in die Pilze.

Syyskuu – der September
Der Syyskuu kommt von syksy – der Herbst. Endlich wieder ein gut zu identifizierbarer Monat. Das Wort ist finnisch-ugrischen Ursprungs und gehört damit zu den ältesten Wörtern der finnischen Sprache. Sowohl das estnische sügis, das nordsamische čakča als auch das ungarische ősz stammen von der gleichen alten Stammform des Wortes Herbst ab.
Die Pilzsaison geht weiter. Jetzt kommen die ersten Trompetenpfifferlinge, die bis zum Eintreffen des ersten Frosts wachsen und zum Teil sogar noch danach, wenn es nach dem ersten Frost wieder eine wärmere Phase geben sollte. Auch die Herbsttrompete zeigt sich, Semmelstoppelpilze und weitere.

Lokakuu – der Oktober
Loka ist auf Finnisch Dreck oder Schmutz. Genau das gibt es diesen Monat zuhauf.
Letzte Möglichkeit, in die Pilze zu gehen, bevor der erste Schnee fällt.

Marraskuu – der November
Marras verweist auf den Tod, es bedeutet gestorben oder im Sterben befindlich und ist eine uralte Entlehnung aus dem Indoeuropäischen, wahrscheinlich aus der indoiranischen Ursprungssprache. Wir finden das Wort im Lateinischen mors – Tod und daraus abgelehnt z.B. im Englischen mortal. Im Sanskrit bedeutet mara den Tod.
Nach uraltem Volksglauben waren im November damit auch die Tore zu den Toten geöffnet, Lebende und Tote vermischten sich. Im November wurde kekri gefeiert, die finnischen Version von Halloween. Dazu habe ich auch schon einen Blog geschrieben: https://claudiashelsinki.com/2021/11/07/kekri-das-finnische-halloween/. Das landwirtschaftliche Jahr war hier zuende, die Dienstleute hatten die Möglichkeit, den Arbeitgeber zu wechseln.
Joulukuu – der Dezember
Agricola kannte noch keinen joulukuu, er nannte den Monat talvikuu – Wintermonat.
Nun ist es Zeit für den Julbock – das Wesen, das schon vor dem Weihnachtsmann sein Unwesen trieb. Es war eine Strohfigur, die einen Ziegenbock darstellt und die man unter dem Dach aufhängte. Also entlehnt aus dem Schwedischen, im Schwedischen jul und im Niederdeutschen ebenso genannt. Früher war jul das Fest, das man zur Zeitenwende am dunkelsten Tag des Jahres feiert. Aus dem julbok wurde dann der finnische joulupukki – der Weihnachtsmann (der aber ganz dem amerikanischen Santa Claus ähnelt und nicht einem Ziegenbock, trotz des Namens).

Quellen: Veijo Meri: Sanojen synty. Gummerus 2002.
https://listafriikki.com/yleistieto/suomalaiset-kuukausien-nimet/
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