Auf Weltreise mit einem in Finnland gebauten Schiff

Über die Weihnachtsferien hat der eine oder andere sicherlich über die Reisepläne für das nächste Jahr nachgedacht. Für viele ist eine Reise rund um die Welt das Nonplusultra, das man sich – falls möglich – einmal im Leben erfüllen möchte.

Mal angenommen, man möchte das so bequem wie möglich machen – mit einmal Koffer auspacken und einmal Koffer einpacken. Dann bleibt einem nur ein Kreuzfahrtschiff. Als Finnlandfan möchte man gerne ein in Finnland gebautes Schiff nutzen und als Mensch mit Kompetenz in der deutschen Sprache möchte man eins mit Deutsch als Bordsprache. Die Motivation könnte übrigens auch das Portemonnaie sein, auf Schiffen mit Englisch als Bordsprache wird es bedeutend teurer.

Die Artania im Hafen von Stockholm (von der Altstadt aus gesehen, liegt neben dem Fähranleger der Viking Line).

Welche Optionen bleiben da? Ganze zwei gibt es! Beide bietet Phoenix Reisen Bonn. Beide Optionen dauern exakt 143 Tage. Beide Optionen sind in den günstigen Kategorien auch schon so gut wie ausgebucht.
Da wäre einmal die MS Artania. Als Royal Princess 1984 in Finnland gebaut und von Lady Di getauft, ist sie auch Fernsehzuschauern aus der Serie „Verrückt nach Meer“ bekannt. Dort wird sie allerdings meistens „die weiße Lady“ genannt. Die Artania fährt jedes Jahr eine Weltreise. Diese beginnt jeweils kurz vor Weihnachten und geht meistens bis in den Mai.
In der 3-Bett-Kabine außen (die Artania hat nur Außenkabinen!) geht es los ab 16.099 Euro (fast 113 Euro pro Tag). Wer mit zwei Freunden jetzt buchen möchte, dessen Freude muss ich leider dämpfen: Alles schon ausverkauft, man kann sich allerdings auf die Warteliste setzen lassen. Der günstigste Preis in der 2-Bett-Kabine ist 23.399 Euro. Macht knapp 164 Euro pro Tag (auch nur noch mit Warteliste).

Wohin geht die Weltreise der Artania? Geworben wird mit:
143 Tage – 69 Häfen  – 30 Länder – 26 Inseln, außerdem geht es sowohl den Panama- als auch den Suez-Kanal. Inklusive ist auch die Äquatorüberquerung und die Datumsgrenze.

Es geht los am 23.12.2023, Einschiffung in Hamburg. Ersten Stop nach den Feiertagen auf See gibt es in Lissabon. Nach einem weiteren Stop auf Madeira wird der Jahreswechsel auf See gefeiert. Nach insgesamt sechs Tagen Atlantiküberquerung landet man auf Barbados. In der Karibik werden weiters Grenada, Aruba (Niederländische Antillen) und Willemstad (Curaçao) besucht, bevor man zwei Häfen in Kolumbien anläuft, so dass auch ein südamerikanisches Land angelaufen wird. Dann geht es nach weiteren Stops in Costa Rica und Panama durch den Panamakanal und weiter die Ostküste entlang nordwärts (mit Anläufen in Costa Rica, Nicaragua, Mexiko und Kalifornien). Ein Höhepunkt ist sicher die zweimalige Passage der Gold Gate Bridge – beim Anlaufen und Verlassen von San Francisco, wo man drei Tage verbringt. Es folgen fünf Tage auf See, bevor man fünf Häfen auf Hawaii anläuft. Dann gibt es weitere vier Tage auf See, der 18.2. entfällt, weil man die Datumsgrenze „in die falsche Richtung“ überquert. Ein Abstecher auf den Marshall-Inseln sorgt für Exotik, wieder drei Tage auf See, ein weiteres exotisches Ziel folgt, Chuuk auf den Karolinen – da waren die Nachbarn garantiert noch nicht! Es folgen Besuche auf Guam (USA) und auf Saipan (Nördliche Marianen), bevor nach drei Seetagen man in Japan ankommt. 10 japanische Häfen lassen Freude aufkommen, bevor man China mit fünf Häfen (inklusive einem Overnight in Shanghai) vor sich hat. Es folgt ein weiterer japanischer Hafen (Okinawa), zwei Häfen in Taiwan und die japanische Saki Insel. Also ingesamt 12 japanische Häfen – wer Japan-Fan ist, der wird bei dieser Kreuzfahrt seine helle Freude haben! In Hongkong verbringt man drei Tage, es folgen Ho Chi Minh-Stadt in Vietnam, insgesamt zwei Ziele in Malaysia, ein Overnight in Singapore und zwei Häfen in Thailand, das bekanntere Phuket und die Phi Phi Inseln – das Schmankerl-Ziel den beiden.
Sri Lanka wird zweimal angefahren, es folgt Malé auf den Malediven.
Nach drei Seetagen folgt der Orient mit einem Overnight in Muscat (Oman), drei Tagen in Dubai, einem Stop in Abu Dhabi und einem auf der Sir Bani Yas-Insel. Es folgen Doha in Katar und Bahrain. Nach der Durchfahrt der Straße von Hormus gibt es einen weitere Stops im Oman (Muscat) und Salalah). Weiter geht es durch das Rote Meer, einem Stop in Hurgharda (Ägypten), Jordanien (Aqaba; unbedingt Felsenstadt Petra besuchen!) und Israel (Eilat).

Felsenstadt Petra

In Sharm-el-Sheikh auf der Sinai-Halbinsel gibt es die Möglichkeit, die Pyramiden zu besuchen. Danach geht es durch den Suez-Kanal. Nach mehreren Seetagen kommt man auf Sizilien an und fährt durch die Straße von Messina. Nach einem letzten Seetag ist die Kreuzfahrt in Savona in Italien am 14.5. zu Ende. Wer unbedingt wieder in Deutschland aussteigen möchte, muss allerdings noch die folgenden zwei weiteren Kreuzfahrten mitmachen (vom 14.5. bis 28.5. „Frühling und Pfingsten im Mittelmeer“ von Savona nach Savona – und die Transferkreuzfahrt vom 28.5. bis 14.6. von Savona bis Bremerhaven „Vom Mittelmeer zum Weserstrand mit MS Artania“. Dann würde die eigene Weltumrundung 174 Tage dauern und damit fast ein halbes Jahr und im Budget mit 19.783 Euro zu Buche schlagen.
Dieses Programm ist besonders interessant für Asienliebhaber und solche, die weniger Wert auf Ziele in Afrika oder Australien und Neuseeland legen.

2013 arbeitete ich fast 8 Wochen im Reiseleiterteam auf der MS Artania (sogenanntes „Lehrerpraktikum“ für Dozenten an meiner FH). Im „Lehrerpraktikum“ kann ich als Dozentin Arbeitserfahrung sammeln, die für meine Studierenden relevant ist.

Die zweite Option ist die MS Amera. Sie wurde von der Wärtsilä-Marine-Perno-Werft in Turku/Finnland als Royal Viking Sun für die Royal Viking Line gebaut und 1988 in Dienst gestellt. Damit ist sie sogar vier Jahre jünger als die MS Artania. Diese Weltreise ist hier einen Tick günstiger, in der 3-Bett-Kabine geht es los ab 13.499 Euro. Ein Platz in der günstigsten 2-Bett-Kabine kostet 20.799 Euro, auf den Tag gerechnet sind das etwas über 145 Euro pro Tag. Damit stellt die MS Amera die derzeit günstigste Alternative dar, auf einem deutschsprachigen Schiff, das in Finnland gebaut wurde, eine Weltreise anzutreten. Allerdings sollt man bedenken, dass man hier in einer Innenkabine reist. Wer eine Außenkabine will, der berappt 24.799 Euro und damit einen Tick mehr als mit der Artania. Ergo ist die Artania die günstigste Wahl, wer auf Deutsch auf einem finnischen Schiff in einer Außenkabine um die Welt reisen will. Wer bedenkt, dass ein Hotelzimmer heutzutage kaum unter 100 Euro zu bekommen ist und dreimal Essen am Tag maximal in der Fastfoodkategorie oder Mensakategorie für 45 Euro zu haben ist, dann handelt es sich geradezu um ein Schnäppchen. Dementsprechend ist die Weltreise hier auch schon so gut wie ausgebucht. Wer nachschauen möchte: https://www.phoenixreisen.com/einmal-um-die-ganze-welt-mit-ms-amera-in-143-tagen-36-3077337-1.html?source=overview&searchIdCruiseDate=3077338

Mit der Amera geht die Weltreise ebenfalls in Hamburg los, zwei Tage früher als mit der Artania. Erstes Ziel ist ebenfalls Lissabon, das am ersten Weihnachtsfeiertag besucht wird. Nach einem Abstecher auf Teneriffa geht es jetzt Richtung Afrika. Mit Dakar im Senegal und Banjul in Gambia wird die Erkundung Afrikas begonnen (zur Erinnerung: die Artania hat keinen afrikanischen Hafen dabei!). Silvester und Neujahr werden auf hoher See gefeiert, erstes Ziel im neuen Jahr ist St. Helena, wo man mit einem Overnight den Spuren von Napoleon folgen kann. Man wendet sich wieder dem afrikanischen Kontinent zu und besucht Namibia (Overnight in Walfischbai! und Lüderitz). Kapstadt in Südafrika darf nicht fehlen, drei Tage bieten genug Zeit. Nach der Passage des Kaps der Guten Hoffnung folgenden vier weitere südafrikanische Häfen, bevor man Madagaskar anläuft. La Réunion (Frankreich) und ein Overnight auf Mauritius folgen. Nach zwei Seetagen folgt ein weiteres Sehnsuchtsziel: die Seychellen. Ein Overnight in Praslin, fast drei Tage in Victoria, ein Stop in La Digue und ein weiterer Stop in Praslin lassen Seychellen-Liebhaber auf ihre Kosten kommen. Es folgt die Äquatorüberquerung und zwei Ziele auf den Malediven, das unbekanntere Gan auf dem Addu-Atoll und das bekanntere Malé. Nach einem Stop in Sri Lanka geht es weiter Richtung Osten. Besucht werden Indonesien, Malaysia (drei Häfen!) und Singapore (Overnight!). Wieder geht es über den Äquator, es folgen weitere sechs Ziele in Indonesien, drei davon auf der Insel Bali. Dann geht es nach Australien, wo sechs Häfen besucht werden. Natürlich darf Sydney mit einem Overnight nicht fehlen. Weiter geht es nach Osten Richtung Neuseeland, wo drei Häfen besucht werden. Nun hat man Glück, weil man die Welt in die „richtige“ Richtung umfährt, man bekommt einen Tag geschenkt. Es folgen Schmankerl-Ziele auf den Cook Inseln (Rarotonga) und auf Bora Bora (alleine der Name macht Lust auf einen Besuch!). Weiteres werden auf Französisch Polynesien noch Huahine, Moorea, Papeete auf Tahiti und Fakarva besucht – also insgesamt fünf Häfen auf Französisch Polynesien! Weitere absolute Höhepunkte sind Pitcairn mit Treffen mit den Bounty-Nachfahren an Land oder an Bord und die Osterinsel. Nach mehreren Tagen Erholung auf See wendet man sich Südamerika zu. Ziele sind Lima in Peru (drei Tage!), zwei Häfen in Ecuador und Panama-City, bevor man den Panama-Kanal durchquert. Dann wird noch auf Costa Rica Stop gemacht und den Cayman Islands. Miami lockt mit einem Overnight. Nach zwei Erholungstagen darf man einen Overnight in New York genießen. Es folgen zwei Stops in Kanada (Halifax und St. John’s). Nach vier Tagen Atlantiküberquerung erreicht man Irland und nach einem weiteren Stop auf Guernsey kommt man am 12.5. in Bremerhaven an. Also eine „echte“ Punkt-zu-Punkt-Weltumrundung.
Die Entscheidung ist schwer. Am Ende wird darauf hinauslaufen: Wer Afrika, Australien und Neuseeland haben will, der nimmt die Amera-Weltumrundung. Wer mehr Asien haben will, der nimmt die Artania-Version. Und wem es unbedingt darauf ankommt, wieder in Deutschland anzukommen, ohne fliegen zu müssen, der nimmt die Amera (von Savona kann man auch den Bus nehmen, aber bequem ist das nicht unbedingt).

Die Außenpromenade der MS Artania ermöglicht einen Rundgang ums ganze Schiff – das gibt es nicht mehr auf vielen Schiffen!

Die Konsequenz: Wer wirklich ernsthaft vorhaben sollte, eine günstige Weltreise auf dem Schiff zu erwischen, der sollte optimalerweise FRÜHER als ein Jahr im Voraus buchen. Da die Programme von Phoenix meistens im November herauskommen, sollte man dann so schnell wie möglich aktiv werden und zum Beispiel jetzt schon die Buchung für eine Weltreise ab Weihnachten 2024 vornehmen. Wie so oft im Leben, muss man für verspätete Entscheidungen bezahlen…
Zum Glück sind die Optionen für ab Weihnachten 2024 auch schon im Programm.

Bei der Artania geht es von Hamburg aus los. Geworben wird mit:
„In 162 Tagen westwärts rund um Kap Hoorn durch Südsee und Indischen Ozean zurück nach Europa

 162 Tage – 84 Häfen – 25 Länder – 29 Inseln – 5 Kontinente
 Durch den Suez-Kanal, über Äquator und Datumsgrenze
Die Inflation hat hier schon ein wenig zugeschlagen. In der Dreierkabine geht es los ab 22.309 Euro, also fast soviel wie ein Jahr zuvor in der Zweierkabine – allerdings ist die Reise auch 19 Tage länger (auf den Tag umgerechnet sind es fast 138 Euro statt im Jahr zuvor 113 Euro)! Es sieht danach aus, dass man bei der Routenplanung die Schwächen der Vorjahresweltumrundungen ausbügeln will. Jetzt werden alle fünf Kontinente besucht, auf einige „Schmankerl“ muss dafür verzichtet werden.
Mit der Amera gibt es allerdings 2024/25 keine weitere Weltreise, so dass 2025 nur die Artania übrig bleibt.

Übrigens bietet Phoenix auf der Artania auch „Einmal um die halbe Welt“ an – das wäre dann die erste Hälfte der Weltreise von Hamburg bis Sydney (22.12.2024-24.3.2025).
Selbstverständlich muss man nicht die gesamte Weltreise mitmachen, sondern kann auch nur Etappen machen.

Die Artania im Hamburger Hafen, vom Riesenrad aus gesehen.

Kommentar verfassen