Diesen Sommer nach Lahti!

Der folgende Gastblog stammt aus der Feder meines Kollegen Hans-Joachim Schulze, der an der Aalto-Universität Deutsch als Fremdsprache unterrichtet und selbst in Lahti wohnt. Lassen wir uns für diesen Sommer von dieser sehr speziellen Bucht inspirieren, denn lahti heißt wortwörtlich übersetzt „Bucht“. Wie es im Winter aussieht, kann man in diesem Blog sehen, den Sommer schauen wir uns dann mit eigenen Augen an, falls möglich. Nach der Sommerpause geht es im September wieder weiter.

„Wo wohnst du denn?“ „In Lahti“. „Lahti? (sprich: Lachti) Das ist doch die Wintersportstadt, oder?“

So oder so ähnlich ist es mir schon öfters gegangen, wenn Nicht-Finnen/Finninnen mich nach meinem Wohnort hier in Finnland fragen. Man hat also schon mal etwas von dieser Stadt gehört, die irgendwie mit Sport zu tun hat und besonders im Winter. Die Skisprungschanzen sind sogar eine Art Erkennungssymbol für Lahti und erscheinen auf vielen Reiseführern. Und ja: hier werden immer wieder Ski-Weltmeisterschaften ausgerichtet und jedes Jahr im Februar gibt es die sog. „Salpausselänkisat“, Ski-Wettbewerbe, die nach dem Höhenzug hinter Lahti (Salpausselkä) benannt werden. Übrigens: der mehrfache finnische Vierschanzentournee-Sieger Janne Ahonen nennt Lahti seine Heimatstadt.

Das war 2004/2005 als Janne Ahonen die Vierschanzentournee gewonnen hatte und seine Familie zum Feiern kam. Ich dolmetschte ihn damals für RTL.

Die Schanzen sind an sich schon eine Attraktion (zumal man die gröβte der dreien besteigen darf, um von oben einen fantastischen Rundblick über die Stadt zu genieβen), aber im Sommer steigern sie nochmals ihren Anziehungswert, indem der Auslauf der gröβten Schanze „geöffnet“ wird und darunter ein Freibad zum Vorschein kommt, in dem man von Mai bis August baden darf. Wohl einmalig in der Welt! Und wer noch nicht genug vom Skisport hat, der kann dann direkt neben dem Stadion ins Ski-Museum gehen, wo man u.a. auch in einem Simulator selbst von der Schanze springen kann. Ach ja: wenn man schon in Lahti ist, dann sollte man sich auf keinen Fall das Motorrad-Museum entgehen lassen. Es wurde gerade zum Fahrzeug-Museum des Jahres gekürt.

Café Kariranta

Lahti hat aber mehr zu bieten als nur Wintersport. Der Hafen ist ein sehr beliebtes Ausflugsziel. Dort gibt es Restaurantschiffe, Kneipen, das (schon zum x-ten Mal zum besten Café der Stadt gewählte) Café Kariranta samt Mitbringselladen daneben. Neben dem Hafen steht die berühmte Sibeliushalle, benannt nach dem finnischen Komponisten Jean Sibelius. Nicht nur architektonisch ein Leckerbissen, sondern auch mit bester Akustik ausgestattet. Der See am Hafen (Vesijärvi heiβt er) lädt natürlich zu gemütlichen Bootsfahrten ein.

Wer sich gerne kulinarisch verwöhnen lässt, ist in Lahti ebenfalls richtig. Ob es nun das erstklassige Restaurant Roux (das 2016 zum besten Restaurant in Finnland gewählt wurde) ist, oder dann eben eher Amerikanisch (es gibt mittlerweile knapp 10 Burgerrestaurants unterschiedlichster Kategorie) oder Spanisch, Nepalesisch, Griechisch, Italienisch, Japanisch oder was auch immer: für jeden ist sicher etwas dabei. Und Kneipen gibt es wie Sand am Meer, u.a. auch das Brauhaus Teerenpeli (in Lahti 1994 gegründet!), das seine Biere (und Ciders) selbst produziert und mittlerweile sogar internationale Preise für seine Whiskeys und Gins abräumt. Und ca. 10 km vom Zentrum entfernt liegt das Weingut Ainoa Winery, das sich auf Beerenweine (und auch verschiedenste Essige) spezialisiert hat und ebenfalls international erfolgreich ist. Was will man mehr?

Hier sieht man den Gastblogger Hans-Joachim und seine Frau Jaana Schulze. Übrigens haben wir herausgefunden, dass Jaana und ich verwandt sind und 0,3 % DNA teilen. Das ist natürlich wieder nur möglich in Finnland. Wahrscheinlich gibt es irgendwann mal einen eigenen Blog zu diesem Thema.

Übrigens: wussten Sie, dass Lahti 2021 Europäische Umwelthauptstadt war? Man hat dabei sehr viel in die Verkehrsinfrastruktur investiert (u.a. wurde ein sog. „intelligenter Radweg“ gebaut, der im Winter beleuchtet wird und aufgrund seiner besonderen Oberflächenstruktur nicht zufriert). Ein weiteres Ergebnis ist die Tatsache, dass Lahti bis 2025 CO2-neutral sein will. Und vielleicht haben Sie auch schon mitbekommen, dass der amerikanische Nachrichtensender CNN auf seiner Liste der besten Reiseziele 2022 sogar eine Stadt in Finnland dabei hat: Lahti! Ach ja: der Höhenzug Salpausselkä soll noch in diesem Jahr ins UNESCO-Welterbe aufgenommen werden. Also: vielleicht sollten Sie bei Ihrer nächsten Reise nach Finnland/Helsinki auch mal einen kurzen Abstecher ins 100 km nördlich von Helsinki gelegene Lahti einplanen. Es lohnt sich.

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