Wann ist der dunkelste Tag des Jahres in Helsinki?

In vielen deutschsprachigen Regionen heitert man die tristeste Zeit des Jahres durch den Karneval auf, der traditionell heute am 11.11. um 11.11 Uhr beginnt. In Finnland gibt es die „fünfte Jahreszeit“ nicht, die karnevalsähnlichste Institution ist Vappu am 1. Mai – darüber dann nächstes Jahr zur entsprechenden Zeit.

Bald haben wir den dunkelsten Tag des Jahres in Finnland vor uns. Dieses wurde nun höchst wissenschaftlich festgestellt. Die größte finnische Tageszeitung „Helsingin Sanomat“ veröffentlichte in ihrer Monatsbeilage vom November eine von ihr in Auftrag gegebene Untersuchung des Meteorologen Ville Siiskonen, der herausfinden sollte, welcher Tag des Jahres in Helsinki im Durchschnitt das wenigste Licht hat. Angeschaut wurden die Werte an der Wetterstation Helsinki / Vantaa (wo sich auch der Flughafen befindet), und zwar von den Jahren 1981 bis 2017.
Erste Messgröße ist die Länge des Tages. Minimallänge sind 5,8 Stunden zwischen dem 15. und 28.12. – nicht einmal ein Viertel des Tages ist Tageslicht.
Zweite Messgröße ist die Zeit, in der sich – während dieser Tageszeit – die Sonne zeigt. Hier sieht man, dass die kürzeste Zeit auch im Dezember liegt: mit 0,4 Stunden am 19.12., das sind gerade mal schlappe 24 Minuten! Und die Chance, dass man diese Minuten draußen erlebt, ist dann auch noch ziemlich klein…
Nun kommt aber noch eine dritte Messgröße dazu, die man weniger gewohnt ist, einzuberechnen: die Wahrscheinlichkeit, das Schnee liegt und damit ein guter Teil des vorhandenen Lichts reflektiert wird. In der Realität ist es natürlich noch komplizierter, weil nur frischer und sauberer Schnee das Licht bis zu 90% reflektiert.
In die Rechnung wurde diese Größe in der Art einberechnet, dass für jeden Kalendertag die Wahrscheinlichkeit errechnet wurde, dass Schnee liegt (ja, liegen bleibt, ein paar Schneeflocken in der Luft reichen nicht aus). Ein Tag, der mit 51% Wahrscheinlichkeit Schnee hat, wurde als „heller“ eingestuft als ein Tag mit 49% Wahrscheinlichkeit, dieser wurde mit „dunkler“ eingestuft. Oder auch: wenn in der Zeit zwischen 1981 und 2017 an mehr als der Hälfte dieser Tage Schnee lag, dann bekam er „hell“ als Etikett, bei weniger als der Hälfte der Tage „dunkel“.
Was war unterm Strich das Ergebnis?
Am 26.11. ist es in Helsinki am dunkelsten. Dieser Tag hat zwar 6,7 Stunden Tageslicht, aber nur 0,8 Stunden Sonnenschein und wurde als „dunkel“ eingestuft. Der 27.11. , auch ein „dunkler Tag“ hat dazu im Vergleich 0,2 Stunden Sonnenschein mehr. Und ein Tag davor, der 25.11., ist ein „heller Tag“ mit 0,9 Stunden Sonnenschein…

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Weitere interessante Ergebnisse dieser kleinen Studie waren es, dass erst am 22.11. der erste Tag mit höherer Schneewahrscheinlichkeit auftaucht, diese „Schneezeit“ aber am 25.11. wieder für zwei Tage aufhört, am 28.11. haben wir wieder einen „Schneetag“, darauf folgt eine schneelose Zeit zwischen dem 29.11. und dem 5.12. und ab dem finnischen Nationaltag, dem 6.12. , haben wir bis mindestens Ende Februar (weiter wurde nicht untersucht) kontinuierliche „Schneezeit“.

Um diese triste Zeit ein wenig mit Humor zu füllen, hier ein paar Witze über Finnland, die Sie vielleicht noch nicht kennen:

Ein Finne, ein Amerikaner, ein Franzose und ein Deutscher sind auf Safari in Afrika. Alle wollen unbedingt einen Elefanten sehen. Nach stundenlangen Warten und Herumfahren taucht endlich der heiß ersehnte Elefant auf. Was denken sich die Teilnehmer der Safari?
Der Amerikaner denkt, wie man den Elefanten wohl am besten erschießen könnte.
Der Franzose wundert sich, wie wohl Elefantenfleisch schmeckt.
Der Deutsche überlegt sich, wie man mit der Hilfe des Elefanten am besten Geld machen könnte.
Der Finne denkt: was denkt der Elefant von mir?

Hintergrund dieses Witzes ist die Besorgnis der Finnen, dass man sie nicht kennt und eventuell auch falsches Wissen über sie hat. Daher passiert es Besuchern hier häufig, dass sie um ihre Meinung über Finnland gebeten werden, „wie gefällt es Ihnen hier?“ ist eine Standardfrage.

Und hier noch ein absolut politisch unkorrekter, unsere Nachbarn mögen ihn hier verzeihen, deswegen auch gleich danach die Erläuterung.
In einem Flugzeug reisten gleichzeitig ein Finne, ein Schwede, ein Norweger, ein Brite, ein Franzose und einige andere. Leider verlor das Flugzeug an Höhe und der Stuart hatte die unangenehme Aufgabe, den Passagieren zu erklären, dass das Gewicht so schnell wie möglich verringert werden müsse.
Ohne auch nur einen Moment zu zögern, sprang der Brite auf, öffnete die Luke, sprang heraus und rief „God save the Queen, es lebe Großbritannien!“ Die Situation verbesserte sich vorübergehend aber bald musste das Gewicht weiter verringert werden. Der Franzose entschloss sich, sich zu opfern, beim Herausspringen rief er „Es lebe die Freiheit, Brüderlichkeit und Gleichheit, es lebe Frankreich!“ Leider musste jedoch noch ein weiterer Passagier herausspringen. Der Norweger und der Finnen schauten sich an, ergriffen zusammen den Schweden und schmissen ihn aus der Maschine und riefen „es lebe die nordische Zusammenarbeit!“

Hintergrund für diesen Witz ist natürlich die Geschichte: sowohl Finnland als auch Norwegen waren in ihrer Geschichte für längere Perioden unter der Fuchtel des schwedischen Königs. Aus beiden Ländern wurden Soldaten für die schwedische Armee rekrutiert, so nahmen zum Beispiel viele finnische Soldaten am Dreißigjährigen Krieg teil. Steuer wurde erhoben, und zu den damaligen Zeiten wurde diese weniger für die Aufrechterhaltung von Bildungssystem als für den Bau von weiteren Palästen verwendet, was die Bürger nicht besonders amüsierte. Natürlich sind mittlerweile die Beziehungen zwischen Schweden und seinen Nachbarn exzellent, so kamen alle skandinavischen gekrönten Häupter zum Feiern des einhundertjährigen Bestehens der finnischen Unabhängigkeit. Die Sticheleien sind in etwa mit den Befindlichkeiten zwischen Deutschland und Österreich zu vergleichen, mit Deutschland in der Position von Schweden und Österreich der Position des kleinen Nachbarn Finnland. Im Eishockey ist es dann auch so, dass es erste Priorität hat, die Russen zu besiegen. Aber danach kommt gleich Schweden, siehe auch „Hauptsache, die Schweden sind raus!“.

In der Hoffnung, Sie in der dunkelsten Zeit des Jahres aufgemuntert zu haben…

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