Hämeenlinna

Hämeenlinna ist die älteste Stadt Finnlands, die nicht an der Ostsee liegt. Trotzdem aber nah genug an Helsinki, um sie mit mit einem Tagesausflug zu besuchen! Bekannteste Sehenswürdigkeit ist die Burg Hämeen linna, die der Stadt auch ihren Namen gegeben hat, bedeutet „Hämeenlinna“ doch die Burg von Häme, wobei Häme eine Region in Südfinnland ist.

Nach einer Hypothese hat übrigens Häme denselben etymologischen Ursprung wie Suomi (siehe mein Blog “ Woher kommt “Suomi”?). Auch das Stadtwappen zeigt die Burg.

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Die Bewohner dieser Region haben in Finnland übrigens einen ähnlichen Ruf wie die Ostfriesen: sie gelten als sehr langsam.

Hämeenlinna liegt gut 100 Kilometer nördlich von Helsinki und ist gut mit der Eisenbahn zu erreichen, führte doch die erste Eisenbahnstrecke (gebaut 1863) von Helsinki nach Hämeenlinna.

Es gab jedoch schon in vorhistorischer Zeit Besiedlung am Ufer des Sees Vanajavesi. Im 13. bis 14. Jahrhundert wurden auf den Hügeln am See Vorläufer der heutigen Burg errichtet. Auch führt einer der ältesten Wege von Finnland, der „Ochsenweg von Häme“ von der ältesten Stadt Finnlands, Turku, nach Hämeenlinna. Beim Namen kann es sich um eine Volksetymologie handeln, da er auf Schwedisch härväg hieß, der Marsch- oder Heerweg, den das Militär verwendete. Das des Schwedischen meist unkundige Volk hörte den Namen und machte daraus härkätie, was übersetzt Ochsenweg bedeutet.

Bis 1323 war die Burg von Hämeenlinna Grenzburg des schwedischen Reiches, mit dem Vertrag von Nöteborg verschob sich die Grenze weiter Richtung Osten, auf der östlichen Seite befand sich damals übrigens noch Novgorod, das erst 1478 von Moskau unterworfen wurde.

Die Stadtrechte erhielt Hämeenlinna 1639 von dem Generalgouverneur des schwedischen Königs, dem Grafen Per Brahe (auf Finnisch Pietari Brahe, derselbe Herr verfügte übrigens, dass das Stadtzentrum von Helsinki von der Mündung des Vantaa-Flusses verlegt wurde hin an die heutigen Position) die Stadtrechte. Per Brahe wäre einen eigenen Blog wert, da er auch entscheidend dabei beteiligt war, dass 1640 in Turku die Akademie von Turku – die Vorläuferin der Universität Helsinki – gegründet wurde, als offizielle Gründerin gilt die Königin Kristina von Schweden. Brahe hatte das Universitätsleben in Mitteleuropa gut kennengelernt, unter anderem an den Universitäten von Gießen und Straßburg. Er förderte das akademische Leben und war bis an sein Lebensende auch Kanzler der Akademie.

Ein Feuer zerstörte 1831 drei Viertel der Stadt, die Straßenplanung übernahm der aus Helsinki bekannte Carl Ludwig Engel. Was dieser Mann in Finnland alles geplant hat, ist übrigens einfach unglaublich: das nördlichste von ihm geplante Gebäude befindet sich in Utsjoki, der nördlichsten Gemeinde Finnlands direkt an der norwegischen Grenze, dort entwarf er sowohl eine Schule als auch das Wohnhaus des Pastors. Das in Finnland westlichste Gebäude von ihm ist mit dem dortigen Post- und Zollhaus in Eckerö auf den Ålandinseln zu finden. Das östlichste Gebäude von ihm befindet sich in Karelien, die orthodoxe Kirche von Suistamo.

Durch Engel wurde die Stadt eine Empirestadt, leider ist von diesem Stil heutzutage nicht mehr viel übrig geblieben.

In der russischen Zeit wurde die Burg ganz als Gefängnis umgebaut, die Baupläne dazu lieferte mal wieder Engel. Diesem Zweck diente die Burg bis 1953, danach wurde sie zu einem Museum inklusive einem Gefängnismuseum umgebaut.

Einmal im Jahr erwacht in der Burg das Mittelalter zum Leben: das bekannteste Mittelalterfestival Finnlands findet in den alten Gemäuern statt, dieses Jahr gerade vorbei vom 15. bis 18. August: https://www.keskiaikafestivaali.fi/en/etusivu (nur auf Finnisch, Schwedisch und Englisch). Jeder kann sich dann als Burgfräulein oder Rittersherr verkleiden (siehe Foto anbei: meine Freundin Annele versucht sich als mittelalterliches Burgfräulein). Zu Trinken gibt es unter anderem auch Sima, ein dem Metwein ähnliches Getränk, das heutzutage jedoch meist mit Zucker angesetzt wird und nur einen sehr geringen Alkoholgehalt von circa 1% hat.

Annele vor Burg

Bekanntester Sohn der Stadt ist Finnlands berühmtester Komponist Jean Sibelius. Sein Geburtshaus ist in Hämeenlinna zu besichtigen.

Zu erwähnen ist auch der Nationalpark von Aulanko, von allen Nationalparks in Finnland hat nur derjenige von Pallas-Yllästunturi (in Lappland) mehr Besucher als Aulanko. Der Nationalpark Aulanko ist eine interessante Kombination von wilder Natur mitten in der Stadt und gleichzeitig auch der zweite Nationalpark weltweit, der gleichzeitig Stadtpark ist. Erster war übrigens der königliche Nationalstadspark von Stockholm (die wortwörtliche Übersetzung lautet „Nationalstadtpark“). Durch die beiden Seen Vanajavesi und Aulangonjärvi auf dem Stadtgebiet von Hämeenlinna verfügt die Stadt über mehrere eigene Strände. Für Naturfreunde ist auch das Wandergebiet von Evo interessant, englischsprachige Informationen sind unter http://www.nationalparks.fi/evo?inheritRedirect=true  zu finden.

In Deutschland hat Hämeenlinna mit Celle und Weimar sogar zwei Städtepartnerschaften.

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