Der finnische Goldrausch und Tankavaara – 150 Jahre finnisches Gold

Finnland ist ein sehr interessantes Land, und das auch aus geologischer Perspektive.
Häufigstes Gestein ist der Granit, der in vielen Farbvariationen auftritt. In Lappland findet sich an einigen Stellen auch Gold – und sogar Diamanten (leider bisher nur mikroskopisch kleine, die sich nicht für die Schmuckherstellung eignen), darüber hinaus noch jede Menge andere interessante Mineralien und Steine.

Lappland erlebte auch seinen eigenen Goldrausch. Alles begann in Nulkkamukka am Fluss Ivalojoki, und zwar genau vor 150 Jahren, als Samen die ersten Goldkrümmel fanden (wobei man eigentlich schon 1836 in Laurila bei Kemi das erste Gold gefunden hatte, die Mengen waren aber so klein, dass man mit dem Graben aufhörte). Ermutigt durch Goldfunde im benachbarten norwegischen Gebiet des Flusses Tenojoki im vorherigen Jahr fing man auch in finnischen Teil Lapplands an, nach Gold zu suchen. Die Nachricht von den Goldfunden verbreitete sich wie ein Lauffeuer und schon 1870 unterzeichnete Zar Alexander der Zweite ein Gesetz, nach dem alle finnischen und russischen Bürger „guten Rufes“ das Recht hatten, nach Gold zu graben und um Claims anzusuchen, ausgenommen waren nur Juden. 1870 sollen sich circa 500 Männer von Rovaniemi aus aufgemacht haben, um zu den Fundstellen in Nordlappland zu gelangen, nur die reichsten 19 von ihnen schafften es, sich einen eigenen Claim abzustecken, die anderen Männer arbeiteten in Lohnarbeit für die Claiminhaber. Zwischen 1866 und 1868 hatte es eine schlimme Hungersnot in Finnland (und in weiteren anderen Ländern) gegeben, bei der 8% der finnischen Bevölkerung an Hungersnot starb und weitere 2% an Krankheiten, denen die hungergeschwächte Bevölkerung erlag. Für viele Menschen erschienen die Goldfunde wie ein rettender Hoffnungsschimmer am Horizont und auch dem finnischen Staat waren zusätzliche Einnahmequellen mehr als willkommen, einer der wichtigsten Gründe, warum man das Goldschürfen großzügig erlaubte.

Und wie immer bei Gold, gab man alte Fundstellen auf, wenn nicht mehr genug davon gefunden wurde und wendete sich hoffnungsvoll neuen Stellen zu, die größere Goldfunde versprachen. Vor allem die Flüsse Lapplands versprachen Gold, vom Ivalojoki ging man zum Palsinoja, danach zum Sotaoja, schließlich zum Lemmenjoki (seit 1956 Nationalpark Lemmenjoki) und zum Vaskojoki.

Etwas später kam man in die Gegend um Laanila (bekanntester Ort: Saariselkä). In Tankavaara, wo sich heutzutage das finnische Goldmuseum befindet, fand man erst 1934 das erste Gold.

Und wie es sich für Gold gebührt, gehört dazu auch eine ordentliche Legende: die vom Krücken-Aslak und seinem Traum. Der Same Aslak Peltovuoma aus dem Dorf Purnumukka wurde so genannt, weil er schlechte Beine hatte und sich nur mit Krücken fortbewegen konnte (seine Originalkrücken sind heute im Goldmuseum zu sehen). Er hatte einen Traum, in dem ihm ein alter weißhaariger Mann fragte, ob es ihn interessiere zu wissen, wo er Gold finden könne, worauf Aslak antwortete, dass es ihn sehr wohl interessiere. So zeigte ihm der Alte die Stelle, wo er graben sollte. Am nächsten Morgen erzählte er den Traum, der auf ihn einen großen Eindruck gemacht hatte, den anderen Dorfbewohnern, die ihn aber auslachten. Zwei Kollegen gruben an einer Stelle nach, fanden aber kein Gold – es war die falsche Stelle gewesen. Aslak machte sich daraufhin selbst auf die Krücken hin zu dem Ort, den ihm im Traum der Alte gezeigt hatte, und fing an zu graben. Nach getaner Arbeit trank er erst Kaffee und breitete dann sein Taschentuch aus, in das er die Nuggets gewickelt hatte. Die Dorfbewohner beschlossen daraufhin, sich selbst einen Bereich abzustecken, auch nach Gold zu suchen und ansonsten über die Sache Stillschweigen zu bewahren. Als sich die Geschichte aber trotzdem verbreitete, begann man, um offizielle Goldgraberlaubnisse anzusuchen. Leider gehörte das Schreiben von Ansuchen nicht zu den Kompetenzen von Aslak. Der Mann, der ihm versprach, bei der Sache behilflich zu sein, betrog ihn und setzte den eigenen Namen in die Lizenz ein und Aslak erhielt nie eine eigene Erlaubnis.
Nichtsdestotrotz verdanken wir Aslak, dass Tankavaara so berühmt für sein Gold wurde, dass dort der Grundstein des einzigen finnischen Goldmuseums gelegt wurde. Das größte in Tankavaara gefundene Goldstück wog 183 Gramm und wurde 1950 gefunden.
Die letzte Phase des finnischen Goldrausches war dann erst in den 1940er Jahren, als die Goldstellen am Lemmenjoki gefunden wurden.

Das finnische Gold ist am wertvollsten genau in der Form, in der es gefunden wird. Sammler zahlen hohe Preise für finnische Gold-Nuggets und auch bei Schmuck werden die Nuggets so verarbeitet, wie sie sind. Eingeschmolzen verringert sich der Wert!

Die goldenen Zeiten sind vorbei, der größte Funde wurde 1935 mit „Evert“ (392,9 Gramm) gemacht. Viele der großen Nuggets haben von ihren Findern eigene Namen erhalten, so folgen Aleksi (285,36 Gramm, 1910), Tähtihippu („Sternnugget“, 282,6 Gramm, 2004), Pikkumammutti („Kleinmammut“ 251 Gramm, 1998), Ukkoäijih („Großvater-Alter Mann“ 228 Gramm, 2017), Isä Riston opinnäyte („Meisterstück von Vater Risto“, 225 Gramm, 2018), Unna („Klein“ auf Samisch, 191,58 Gramm, 2008), Virtasen sekahippu („Mischstück von Virtanen“, 186,5 Gramm, 1950), Suomi 100 („Finnland 100“- weil im 100. Jahr des Bestehen der Republik Finnland gefunden, 167,3 Gramm, 2017), Ruska („Zeit der Blattfärbung“, 166 Gramm, 2004) und Kullervo (benannt nach einem Helden aus dem finnischen Nationalepos, 162 Gramm, 1949).

Noch heute wird nach Gold gesucht. Es gibt noch ungefähr 20 aktive Goldgräber in Lappland, die im Jahr insgesamt circa 20 Kilo Gold finden. Allerdings wurde der Einsatz von Maschinen in einem Gesetz von 2011 verboten, nach einer zehnjährigen Übergangszeit darf nach 2021 nur noch mit der Hand ohne Maschinen nach Gold gesucht werden. Dieses wird das Ende des finnischen Goldsuchens bedeuten, von vielen bedauert und kaum verständlich, da in Lappland immer nur umweltfreundlich nach Gold gesucht wurde (Methoden, die Quecksilber einsetzen, wurden hier nie verwendet, ebensowenig Kinderarbeit). So müssen auch alle Erdlöcher nach Beendigung der Goldgräberarbeiten wieder angefüllt werden, nach wenigen Jahren sieht man es kaum noch, dass hier nach Gold geschürft wurde.

 

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Die Statue des Goldwäschers vorm Goldmuseum in Tankavaara

 

Das „Gold Lapplands“ findet man heute auch noch in anderer Form, nämlich als Biermarke „Lapin Kulta“. Und beides hat miteinander zu tun. Die ursprüngliche Firma „Lapin Kulta“ war eine 1925 gegründete Goldgräberfirma, die mit dem Goldfinden allerdings so wenig Glück hatte, dass sie Konkurs anmelden musste und der Firmenname in den Besitz des finnischen Staates geriet. Worauf eine lappländische Brauerei mit dem unbedeutenden Namen „Tornion Olut Oy“ („Bier von Tornio AG“) die Idee hatte, ihr Bier und ihre Firma auf „Lapin Kulta“ umzubenennen, was zum Grundstein ihres Erfolgs wurde. Später kam die Firma in den Besitz der finnischen Firma Hartwall, die seinerseits von Heineken aufgekauft wurde. Die Herstellung im lappländischen Tornio endete 2010, seitdem wird das Bier in Lahti gebraut. Hier noch ein Tipp am Rande: wer wirklich finnisches Bier trinken möchte, das nicht im Besitz von einer multinationalen Firma ist, der sollte das Bier der Firma „Olvi“ aus Iisalmi trinken (https://www.olvi.fi/en/)

Der Artikel wurde erstellt mit Hilfe von Unterlagen des finnischen Goldmuseums, u.a. die Veröffentlichung „Mutterikämpästä koko maailman kultamuseoksi“ („Von der Schraubenlaube zum Goldmuseum der ganzen Welt“), die anlässlich des 35jährigen Bestehen des Goldmuseums 2008 herausgebracht wurde (Kultamuseon julkaisusarja n:o 27) und der Mitgliederzeitschrift des Finnischen Verbands der Edelsteinsammler 3/2018 (Suomen Jalokiviharrastajain Yhdistys ry, https://www.sjhy.fi/en_GB/), die anlässlich des 150jährigen Jubiläums das lappländische Gold als Hauptthema hat.

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