Über die üblichen Sehenswürdigkeiten in Helsinki gibt es ja bereits Blogeinträge von mir, siehe…
Doch was ist neu, was ist anders?

Zunächst einmal: Wie haben in Helsinki so viele Baustellen wie noch nie zuvor in einem Sommer! Ohne zu googeln fällt mir ein, dass z.B. die Mannerheimintie, die längste Straße Helsinkis, aufgerissen ist und damit dort auch keine Straßenbahnen fahren. Das heißt z.B., dass es keine direkten Straßenbahnverbindungen zum Nationalmuseum gibt (das übrigens auch in Renovierung und bis 2027 damit zu ist) oder auch nicht zum Finlandia-Haus.
Weiter wird der Sibelius-Park komplett umgemodelt (fertig will man Ende des Jahres sein). Der Zugang zum Sibelius-Monument ist aber vorhanden und von Tag zu Tag wird es besser.
Außerdem werden das älteste Monument der Stadt, der Obelisk auf dem Marktplatz, sowie die beliebteste Statue, Havis Amanda aka Manta, überholt. Manta ist leider nicht zu sehen.
Darüber hinaus gibt es auch beim Dom eine Baustelle, die aber zum Glück nicht den Besuch verhindert. Allerdings wird das erste Mal nun für den Besuch eine Eintrittsgebühr verlangt.
Für Kunstliebhaber hier ein Überblick über die interessantesten Ausstellungen, die während des Sommers laufen:
Für Freunde der klassischen Kunst führt kein Weg vorbei an der Ausstellung im Ateneum, dem Heim der klassischen finnischen Kunst: https://ateneum.fi/en/exhibitions/albert-edelfelt/ (noch bis 17.9.24).
Kiasma, unser Museum für zeitgenössische Kunst, stellt die Frage der Zugehörigkeit, auf Deutsch könnte man sogar das Hotword „Heimat“ verwenden (das es aber auf Finnisch so nicht gibt). Mit der Ausstellung „Feels like home“: https://kiasma.fi/en/exhibitions/feels-like-home/. Besonders interessant sind Antworten von samischen Künstler*innen.
Das Sinebrychoff-Museum beschäftigt sich in seiner Ausstellung mit dem Thema „Wasser“: https://sinebrychoffintaidemuseo.fi/en/exhibitions/veden-elamaa/ Einer Kritik von Helsingin Sanomat (der größten finnischen Tageszeitung) hat man hier allerdings eine Chance verpasst, das Thema tiefgründiger aufzuarbeiten. Wem aber rein der künstlerische Aspekt ausreicht, wie Kunst in verschiedenen Epochen Wasser zeichnet und malt, der findet eine interessante Ausstellung vor.
Das Amos Rex zeigt im Sommer vier verschiedene Ausstellungen: https://amosrex.fi/en/exhibitions/
Die erste unter dem Titel „I feel, for now“ möchte Gefühle hervorrufen und zeigt Werke aus der ständigen Sammlung des Museums. Dazu gehört eine Installation namens Spirit Systems of Soft Knowing ༊*·˚ vom Künstlerkollektiv Keiken, in das man als Ausstellungsbesucher*in eingebunden werden kann, hier ein Video: https://amosrex.fi/en/collections/keiken/ .
Die zweite von Josefina Nelimarkka (https://amosrex.fi/en/exhibitions/josefina-nelimarkka/ ) führt uns mit dem Titel “The Cloud of Un/knowing” in die Welt der Wolken.
Die dritte von Kim Simonsson zeigt vier “Mooskinder”. Sie sind unabhängig und brauchen keine Erwachsenen. Außerdem kommunizieren sie untereinander in finnischer und finnlandschwedischer Gebärdensprache. Sie sind kleine und doch große Anarchisten und über das Außenareal des Museums verstreut, so dass man nicht unbedingt Eintritt zahlen muss um sie zu sehen. Damit du sie erkennst, wenn du sie siehst, hier ein Link: https://galleryguide.amosrex.fi/en/kim-simonsson
Die Sammlung des Architekten Sigurd Frosterus ist ständiger Teil des Museums: https://amosrex.fi/en/exhibitions/frosterus-collection/ Sie zeigt finnische und ausländische Post-Impressionisten, die meisten Bilder sind zwischen 1905 und 1915 entstanden. Wer Lust hat auf starke Farben und schöne Landschaften, ist hier richtig. Bekannt wurde Forsterus als Architekt des alten Stockmann-Gebäudes.
Tipp für Saunabegeisterte und Freunde von Militärtechnik: Unbedingt einen Ausflug nach Lonna machen. Das ist eine kleine Insel, die man auf dem Weg nach Suomenlinna besuchen kann; der Wasserbus fährt die Route Marktplatz – Lonna – Tykistölahti (Haltstelle beim Suomenlinna-Zentrum auf Suomenlinna)- Kuninkaanportti (Königspforte auf Suomenlinna) – Lonna – Marktplatz. Die Fahrt vom Marktplatz nach Lonna dauert nur 10 Minuten! (Achtung: das ist der private Wasserbus, die Tickets der öffentlichen Verkehrsmittel gelten nicht!)

Die Insel kann man in einer halben Stunde erkunden. Solange die Vögel noch Brutzeit haben (bis circa Mitte Juni), bitte unbedingt darauf achten, dass man nicht unbedacht die Vögel verschreckt oder gar auf ein Gelege tritt! Die Schilder weisen auch darauf hin, aber kaum jemand weiß, dass die Küstenseeschwalbe auf Felsen brütet – man sieht also kein Nest. Auch die Eiderente ist so gut getarnt, dass man sie kaum sieht.

Die Insel ist vor allem für zwei Dinge berühmt. Auf ihr fanden 1808 die Verhandlungen zwischen dem Kommandeur von Suomenlinna, Cronstedt, und dem Kommandeur der russischen Belagerungstruppen, Jan Peter van Suchtelen, statt. Wie es genau gelaufen ist, das möchte ich hier nicht erzählen, aber wer eine Tour auf Suomenlinna oder auf einem Boot mit mir macht, der erfährt die gesamte Geschichte.
Außerdem ist die Insel bekannt dafür, dass im zweiten Weltkrieg hier Schiffe entmagnetisiert wurden (auch Degaußierung genannt). Ohne diese Maßnahme wären die Schiffe das Ziel von Seeminen gewesen, die auf das Magnetfeld der Schiffe reagieren. Nähere Informationen findet man auf https://de.wikipedia.org/wiki/Entmagnetisierung
Die entsprechende Anlage kam aus Deutschland, wer das Glück hat, auf der Insel eine Führung zu erleben, dem öffnen sich auch die Türen zu dem alten Kommandozentrum, von dem aus die Entmagnetisierung überwacht wurde. Ich habe euch ein paar Fotos mitgebracht.



In allererster Linie ist die Insel jedoch für ihre tolle Sauna und gutes Essen bekannt, wer reservieren will: https://www.lonna.fi/en/, der Betreiber hat eine Auszeichnung für Nachhaltigkeit (siehe https://travel-trade.visitfinland.com/en/sustainability/?category=Restaurants®ions=Helsinki%20region, ich arbeite daran, dass ich diese auch erhalte). Eine echt mit Holz befeuerte Sauna. Wenn man auf der Terrasse der Sauna sitzt, kann man die Stockholmfähren vorbeiziehen sehen. Diese müssen alle an der Insel vorbei, noch bevor sie die Meerenge von Gustavinmiekka zwischen Suomenlinna und Vallisaari passieren. Ein tolles Spektakel, wie ihr auf dem Video sehen könnt! Auf dem Video ist es circa 17 Uhr, wenn die Fähre Richtung Stockholm fährt. Dasselbe gibt es in die andere Richtung kurz vor 10 Uhr morgens, wenn die Fähre aus Stockholm kommt, kurz vorm Anlegen um 10 Uhr, entweder am Kai in Katajanokka (Viking Line) oder am Olympiaterminal (Silja Line).
Wer den Hüpfer von Helsinki nach Stockholm noch nie gemacht hat, für den ist das auch ein heißer Tipp: 17 Uhr Ablegen, am nächsten Morgen um 10 Uhr ist man in Stockholm. Schön den Tag in Stockholm verbringen, am späten Nachmittag wieder auf das Schiff, Ablegen und am nächsten Morgen um 10 Uhr ist man wieder zurück in Helsinki. Kostenpunkt im Sommer circa 250 Euro, im Winter bekommt man dasselbe Paket schon für 40 Euro.
Die Sauna auf Lonna besucht hat übrigens auch schon die Schweizer Eishockeymannschaft, man ist also in bester Gesellschaft!


Viel Spaß in Finnland im Sommer 2024!