Was der Moderna-Impfstoff mit Finnland zu tun hat

Am Anfang des neuen Jahrtausends schlich sich ein lockiger attraktiver Kanadier über die Gänge des Biomedicums der Universität Helsinki. Nach einem Studium an der Universität von Toronto machte Derrick Rossi in Helsinki 2003 im Labor von Tomi Mäkelä seinen Doktorabschluss in Molekulargenetik. Sein Thema war: “Functional Analysis of Cell Cycle Regulators Lkb1 and Mat1 in Genetically Engineered Mice” (anzusehen unter: https://helda.helsinki.fi/handle/10138/20457 ) Die Arbeit hat er seinen Eltern gewidmet. Interessant ist auch, dass er bei den Danksagungen auch Professor Eero Saksela erwähnt – dessen Sohn Kalle Saksela ist Professor für Virologie und jetzt in allererster Front an der Entwicklung eines finnischen Corona-Impfstoffes beteiligt, der durch ein Nasenspray inhaliert wird. Meine Blogerkollegin Tarja hat zum Thema schon einen sehr interessanten Beitrag geschrieben: https://tarjasblog.de/Finnland/hoffnung-aus-finnland-nasenspray-gegen-corona/

In Helsinki lernte Rossi im Labor von Tomi Mäkelä eine nette Finnin und Kollegin kennen. Nina Korsisaari hatte vorher im Labor von Kari Alitalo gearbeitet, und nach ihrem Wechsel ins Labor von Mäkelä übernahm mein Bruder Michael Jeltsch eines ihrer Projekte (Alitalo ist der Doktorvater meines Bruders). Nina und Derrick feierten ihren Doktorabschluss gemeinsam. Nach Helsinki folgte für das mittlerweile verheiratete Paar Stationen in Stanford und Harvard.

Das Biomedicum ist ein medizinisches Forschungszentrum, das auch der universitären Ausbildung dient. Es liegt in Meilahti, direkt nebenan befindet sich das Universitätskrankenhaus. (Foto mit freundlicher Genehmigung von Michael Jeltsch)

Derrick Rossi und Nina Korsisaari bekamen im Laufe der Jahre drei Töchter, die alle finnische Namen tragen: Inka, Lumi und Oona.

2010 gründete Rossi Moderna, dessen mRNA-Impfstoff in der EU als zweites Vakzin gegen COVID-19 zugelassen wurde. Er hält auch weiterhin einen bedeutenden Anteil an Aktien von Moderna.

Moderna und Pfizer sind die beiden einzigen Produzenten von mRNA-Impfstoffen und lange Zeit gab es große Zweifel, ob aus diesem Produkt überhaupt etwas werden würde.

So kann es im Winter direkt vor dem Biomedicum aus (Foto mit freundlicher Genehmigung von Michael Jeltsch).

Rossi griff bei der Impfstoffentwicklung auf eine Technologie zurück, die auf Erkenntnisse der ungarischen Forscherin Katalin Karikó aufbaut. Schon Ende der 70er Jahre war sie die erste, die mit Hilfe der mRNA-Technologie versuchte, den Bauplan von Proteinen in Zellen des Menschen einzuschleusen. Nicht ohne Grund erwähnt Profil in einem Artikel über die Forscherin: „Nicht wenige Kollegen meinen, dass Katalin Karikó logische Nobelpreis-Kandidatin ist: für ihre Leistungen als wissenschaftliche Pionierin, ohne die die mRNA-Impfungen gegen Covid-19 nicht denkbar wären.“ (https://www.profil.at/wissenschaft/im-portraet-katalin-kariko-die-erfinderin-der-mrna-technologie/401193535 )

Derrick Rossi hat sich aus der aktiven Forschungsarbeit zurückgezogen und genießt sein Leben als Eishockeyvater – alle drei Töchter spielen begeistert Eishockey. Er zieht aber weiterhin an vielen Fäden.

So hat die Universität Helsinki ihren kleinen, aber unabdingbaren Beitrag zur Lösung der Corona-Krise beigetragen.

Bei einem der steinernen Wächter des Hauptbahnhofs ist die Maske ein bisschen runtergeruscht, das wurde aber wieder korrigiert…

3 Gedanken zu “Was der Moderna-Impfstoff mit Finnland zu tun hat

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