Pilze sammeln in Finnland

In den letzten Wochen konnte man in Finnland immer noch sehr gut Pilze sammeln. Im Oktober? Ja, ich habe in vielen Saisonen die letzten Pilze im November gesammelt, zum Teil gefroren. Die letzte ausgezeichnete Sorte nennt sich Trompetenpfifferling und ist ein Verwandter des Pifferlings, den unsere südlichen Nachbarn in Bayern und unsere südöstlichen Nachbarn in Österreich Eierschwammerl nennen.

Der Trompetenpfifferling (Cantharellus tubaeformis)

Letztes Wochenende war ich ausnahmsweise nicht alleine unterwegs, sondern wurde von Micha vom Finnlandclub begleitet, der selbst seine Pilzkenntnisse erweitern wollte und darüber ein Video gedreht hat, das es unten zu sehen gibt.

Ganz wichtig: Wenn du mit dem Pilzsammeln beginnst, dann geh bitte mit erfahrenen Leuten in den Wald und lass dir die Sorten erklären. Nimm absolut nichts, bei dem du dir nicht sicher bist. Fang am besten mit einer Sorte an und erweitere dein Repertoire ganz langsam. Bei mir war es so, dass ich mit 19 angefangen habe, von meinen damaligen Au-pair-Eltern zu lernen. Und wir fingen damals an mit dem Trompetenpfifferling, weil er so gut wie keine giftigen Doppelgänger hat, mit dem man ihn verwechseln könnte. Hauptsache, man achtet auf die Trompetenform! Im Video wirst du schlauer. Bei mir kamen dann pro Jahr so eine bis zwei neue Pilzsorten dazu.

Im Zweifel immer im Wald stehen lassen, auch wenn der Zweifel noch so klein ist!

Als Anfänger keine weißen Pilze sammeln, ein Großteil der Pilzvergiftungen finden mit diesen statt.

Steinpilz (Österreich: Herrenpilz)

Hier in Finnland lassen sich die folgenden Arten super gut finden, diese habe ich jede Saison wiederkehrend gefunden:

  • Steinpilz (herkkutatti; Boletus edulis) und seine Verwandte, z.B. Kiefernsteinpilz (männynherkkutatti; Boletus pinophilus), Heiderotkappe (koivunpunikkitatti; Leccinum versipelle), Espenrotkappe (haavanpunikkitatti; Leccinum auraniacum), Birkenpilz (lehmäntatti; Leccinum scabrum, den gibt es in rauhen Mengen), Butterpilz (voitatti; Suillus luteus, Haut abziehen und im Wald lassen!), Sandröhrling (kangastatti; Suillus variegatus), Kuhröhrling (nummitatti, Suillus bovinus; den nehme ich gar nicht, weil es in der Regel viele andere bessere gibt). Leider sind die Pilze dieser Familie auch der Liebling von Maden, so dass man in der Regel nur jeden zweiten gefundenen Pilz mitnehmen kann. Den Rest gleich im Wald lassen! In dieser Familie ist die einzige Gefahr, dass man den bitteren Gallenröhrling (sappitatti; tylopilus felleus) erwischt, also immer ein winziges Stück einem Geschmackstest unterziehen, bevor eine ganze Pilzpfanne verdorben wird.
Steinpilze im Rohzustand
Im Ofen überbacken
  • Die Totentrompete / Herbsttrompete (mustatorvisieni; Craterellus cornucopioides) ist mein absoluter Liebling. Wahnsinnig schwer zu finden, weil sie toten Blättern gleicht, aber vom Geschmack sehr delikat. Auf gleicher Höhe mit der der Herbsttrompete liegt nur der klassische Pfifferling (keltavahvero / kanterelli; Cantharellus cibarius). Letzterer eignet sich aber nicht zum Trocknen, er wird dann nur gummiartig, also immer frisch verwenden.
Im Herbsttrompetentaummel, rechts hinten Semmelstoppelpilze
  • Semmelstoppelpilz (vaaleaorakas; Hydnum repandum) und rotgelber Semmelstoppelpilz (rusko-orakas; Hydnum rufescens), auch im Video zu finden, durch die Stoppeln unter dem Hut eindeutig zu erkennen. Junge Exemplare sind oft noch gut, ältere verschimmeln leicht und sind auch von Maden befallen. Von allen Pilzsorten diejenigen, die am wenigsten Radioaktivität speichern – also die Sorte, die man sammeln sollte, wenn man Angst vor zu viel Tschernobyl hat. Eignet sich von allen Pilzsorten auch am besten zum Einfrieren.
  • Schafporling (lampaankääpä -albatrellus ovinus), der ideale Pilz für Veganer, die einen Steakersatz suchen. Nur junge Exemplare sammeln, ältere können einen bitteren Beigeschmack haben.
  • Großer Schmierling / Kuhmaul (limanuljaska; Gomphidius glutinosus), dem sollte man gleich die Haut abziehen, noch im Wald; manchmal lasse ich den auch stehen, weil ich einfach keine Lust dazu habe. Ist am gelben Fuß sehr gut zu erkennen und nicht zu verwechseln.
  • Im Frühjahr die Spitzmorchel (kartiohuhtasieni; Morchella conica) und die Frühjahrslerchel / Gift-Lerchel (korvasieni; Gyromitra esculenta). Über letztere muss ich wohl einen eigenen Blog machen. Ist frisch ein absolut tödlicher (!) Pilz, nach der richtigen Behandlung aber eine absolute Delikatesse, die im Geschmack an Langusten und Krebse erinnert. Nur für absolute Spezialisten!!!

Reizker (Lactaria) und Täublinge (Russula) sind nicht so meine Favoriten, die lasse ich im Wald stehen.

Den Reifpilz (kehnäsieni; Rozites caperata) kenne ich, ich mag den Geschmack allerdings nicht so gerne.

Den Schopf-Tintling (suomumustesieni; Coprinus comatus) nehme ich nur mit, wenn es im Wald ein schlechtes Pilzjahr ist, da man ihn vor allem auf eher kultivierten Flächen wie Wiesen findet.

Mit den circa 18 Sorten komme ich gut durchs Jahr.

Viel Spaß beim Video und natürlich dann beim Sammeln!

Disclaimer: Weder dieser Text noch das Video ersetzen die Beratung durch einen Pilzkundigen. Hau also nichts in die Pfanne, ohne es durch einen Pilzkenner abgesegnet zu haben!

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