Die Ostereier aus Finnland, die auch die Zarenfamilie schätzte

Der finnische Schokoladenhersteller Fazer hat in seinem Sortiment als sein zweitältestes Produkt seit 1886 die überall in Finnland bekannten Mignon-Schokoladeneier. Sie sind – anders als die meisten anderen Schokoladeneier – echte Hühnereier, die ausgeblasen werden und dann mit Schokoladennougat angefüllt werden. Die Öffnung wird mit einer weißen Masse aus Zucker und Erbseneiweiß gefüllt, so das die Eier auf den ersten Blick wie ganz normale Hühnereier aussehen. Wenn man sie allerdings in die Hand nimmt, wiegen sie sehr viel mehr, ein Ei erhält eine Füllung von 52 Gramm Schokoladenmasse. Da das Ei durch die Schokoladenmasse weniger empfindlich ist, eignen sich die Eier auch gut zum Bemalen.

Die Idee holte sich Karl Fazer aus Deutschland, seine Familie kam übrigens aus der Schweiz. Sein Vater Eduard Fazer stammte aus einer Familie von Kürschnern, machte in Hamburg auf seiner Gesellenreise Station, wo der in Helsinki als Schneidermeister gearbeitete Ernst Flohr ihn 1843 als Kürschner einstellte. 1849 wurde Eduard als Kürschnermeister in Helsinki anerkannt, gleichzeitig erhielt er die Bürgerrechte.
Der Vater Eduard hatte sich für alle acht Kinder gute Berufe gewünscht und war zunächst sehr enttäuscht, als der jüngste, Karl, sich für den Beruf des Zuckerbäckers interessierte. In Finnland gab es für diesen Beruf keine Ausbildungsstellen, also wurde der 18jährige Karl zu der renommierten Konditorei G. Berr nach St. Petersburg in die Lehre geschickt. Mit dem Gesellenbrief in der Tasche arbeitete er danach noch in Berlin und in Paris. Als 25jähriger hatte er schließlich die Meisterprüfung abgelegt und kam zurück in das heimatliche Helsinki.

Die Mignon-Eier

Die Mignon-Eier gibt es in der Einzelpackung und der Viererpackung

1891 eröffnete er in der Kluuvikatu 3 seine Konditorei, wo er die Helsinkier Bevölkerung mit bis dahin nie geschmeckten Köstlichkeiten überzeugte. Er selbst wohnte mit seiner Familie im oberen Stockwerk. Seine Produkte wurden immer beliebter, so dass die kleinen Räumlichkeiten bald nicht ausreichten.

In der Tehtaankatu in Helsinki wurde mit der Produktion von Schokolade begonnen, es war die erste Schokoladenfabrik in der Stadt (wir kommen normalerweise bei einer Stadtführung meistens an dem Gebäude vorbei, ich erwähne das immer).

Fazer gibt als letzte Zahl die Menge der Mignoneier an, die 2016 hergestellt wurden, nämlich 1,6 Millionen. Im November des Vorjahres beginnt man mit der Fertigung, damit dann zum Ostergeschäft genug Schokoladeneier in den Regalen liegen.

Die Mignon-Schokoladeneier sind übrigens laktosefrei, aber leider natürlich nicht kalorienfrei. Aber bekannterweise ist ja nicht wirklich ausschlaggebend, was man zwischen Karfreitag und Ostermontag isst, sondern was man zwischen Ostermontag und Karfreitag isst.

Was könnte man von dieser Geschichte lernen?
Es lohnt sich, Ausländern in Finnland eine Chance zu geben. Sie bringen frische Ideen und Know-how hierher. Die rechte Partei der “Finnen” (perussuomalaiset, wird manchmal auch mit “wahre Finnen” übersetzt), die in der Parlamentswahl letzten Sonntag nach den Sozialdemokraten leider die zweitstärkste Partei geworden ist, würde einem Roma aus der Schweiz nicht so schnell Bürgerrechte geben wie die Helsinkier in der Mitte des 19. Jahrhunderts, höchstwahrscheinlich würden sie ihn überhaupt nicht ins Land lassen.

Sicherlich hat Eduard Fazer damals nicht an die große Glocke gehängt, dass er Roma oder Sinti war. Wahrscheinlich bot ihm auch die heimatliche Schweiz keine so großen Chancen, weil dort sehr viele wussten, dass der Familienname “Fazer” auf einer Herkunft aus einer Roma / Sinti-Familie hinweist (mir hat es übrigens eine Schweizer Roma bestätigt, dass dem so ist). Die Immigration war die einzige Chance, um sich und seinen Kinder eine besser Zukunft zu verschaffen. Es wäre schön, wenn mehr Finnen – und insgesamt mehr Menschen – diesen Zusammenhang verstehen würden.

Ich wünsche Ihnen frohe Ostern!

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