Studio Drift und Magritte im Amos Rex in Helsinki

Das neue Amos Rex Museum (Claudias Helsinki berichtete: Das neue Amos Rex Museum in Helsinki) zeigt seit dem 6. März die Ausstellung “Elemental” von Studio Drift (8.3.-19.5.) und fast zeitgleich (8.2.-19.5.) eine Ausstellung über das Lebenswerk von René Magritte. Die Kombination der beiden ist kein Zufall, sondern gewollt.
Kuratorin Itha O’Neill vom Museum Amos Rex (zitiert von http://www.studiodrift.com), Übersetzung von mir): “Zwischen den coolen Utopien von Studio Drift und den mystischen Visionen des belgischen Surrealisten René Magritte besteht eine natürliche Affinität. Beide Kunstpraktiken erwecken bekannte und doch unbekannte Welten, wo Träume und die Vorstellung potentielle Quellen von gesellschaftlicher Erneuerung und Selbsterkenntnis hervorrufen. Indem wir Studio Drift mit Magritte kombinieren, wollten wir die Bühne für eine Begegnung schaffen, die zum Denken herausfordert und eine Brücke schaffen zwischen zwei verwandten Kunstpraktiken, die durch fünf Jahrzehnte voneinander getrennt sind.”

Nun kann das Museum das erste Mal zeigen, wie die Architektur der Museumsräume die Kunst unterstützt, da Boden und Decke nicht wie bei der ersten Ausstellung von teamLab verdeckt ist, sondern offen zu sehen sind. Der Boden besteht aus dunkel gebeiztem Holzpflaster, das aus quadratischen Holzklötzchen besteht, die bei Abnutzung einfach einen Millimeter abgeschliffen werden können, eine praktische und sehr finnische Lösung (siehe Foto).

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Seitdem das Gebäude von der internationalen Presse entdeckt worden ist – die BBC nannte es einer der innovativsten, neuen Architekturen Europas des Jahres 2018, war es auch kein Problem mehr, für die Magritte-Ausstellung Exponate aus aller Welt zu erhalten. Meine Ausstellungsführerin Iida wusste zu berichten, dass am Ende sogar mehr Angebote vorhanden waren, als man in Anspruch nehmen konnte, während man sich vor der Eröffnung des Museums noch schwergetan hatte, aus allen Ecken der Welt Exponate für die lange Reise nach Helsinki zu gewinnen. Dieses ermöglichte die allererste Magritte-Ausstellung, die jemals in Finnland stattgefunden hat! Natürlich gibt es auch ein paar Exemplare vom ikonenhaften “Ceci n’est pas une pipe” zu sehen!

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Das Studio Drift ist ein Amsterdamer Künstlerkollektiv und besteht aus den Künstlern Lonneke Gordijn und Ralph Nauta. Die beiden widmen sich in ihren Werken dem Verhältnis zwischen Mensch, Natur und Technik. Hier die Entstehungsgeschichte von einem der eindrucksvollsten Werke, Fragile Future (siehe auch Titelfoto): Lonneke Gordijn saß an ihrem Schreibtisch, auf dem sie ein paar Pusteblumen aufbewahrte. Zufällig gab es dort auch ein paar LED-Lampen und sie begann, die zarten Pusteblumensamen auf den LED-Lampen zu positionieren und dann mit Pinzette festzukleben. Nun kann man 1500 auf LED-Lampen aufgeklebte Pusteblumen erleben, die in Clustern durch den Raum zu schweben scheinen, nur gehalten von einem zarten Drahtgestell, durch das gleichzeitig auch der Strom fließt. Für mich machten sie den Eindruck von Galaxien, unser einzigen Lebenswelt, die aber genauso verletzlich ist wie Pusteblumen. Um 1500 Pusteblumen zu erhalten, brauchte man übrigens insgesamt 15.000 Exemplare. Wer genau hinschaut, erkennt leicht unterschiedliche Töne bei den Blumen, die sich durch das unterschiedliche Alter der Pusteblumensamen erklärt.

 

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Fragile Future – eine von 1500 auf LED-Lampen aufgeklebte Pusteblume

 

In einem anderen Werk Materialism geht es um Rohstoffe und wie sie vom Menschen genutzt werden. Alle Ausgangsmaterialien eines VW Beetle sind genauso zu sehen wie die eines Nokia- und die eines I-Phones, als Hommage an das finnische Design auch die einer Fiskars-Schere (siehe auch mein Blog über den Herkunftsort der legendären orangen Scheren): Fiskars – ein Ausflug in die Industriegeschichte Finnlands). Dekorativ geben sie doch die Botschaft, dass wir von diesen Rohstoffen abhängig sind, und das nur die Art der Verbindung, die der Mensch ihnen gibt, sie zu dem macht, was wir als Produkte des modernen Lebens kennen.

 

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Plastik und Stahl als Ausgangsstoffe für die Fiskars-Schere

 

Der schwebende Betonblock Drifter war zum Zeitpunkt meines Besuchs leider in Reparatur, aber dafür konnte man sich einen Film anschauen, in dem Betonblöcke durch Naturlandschaften schweben und uns fragen lassen: ist das wirklich Beton oder doch nur Plastik oder Papier, das aussieht wie Beton?

Wenn Sie bis Mitte Mai in Helsinki Station machen, dann planen Sie unbedingt einen Besuch bei Amos Rex ein, es lohnt sich!

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