Der grüne Gürtel von Helsinki

So wie Finnland selbst mit einem Waldanteil von 75% ist auch dessen Hauptstadt grün. Einer der besten Eigenschafen von Helsinki ist die Tatsache, dass die Stadt voller Parks, Wiesen und Ufer und Wasserflächen ist. Mitten in Helsinki findet man den Zentralpark von Helsinki mit einer Fläche von 2200 Hektar Land- und 4000 Hektar Wasserflächen. Er beginnt im Schärengebiet vor Helsinki, berührt das Festland an der Mündung des Vantaa-Flusses in die Ostsee im Stadtteil Vanhakaupunki (übrigens die Stelle, wo 1550 Helsinki gegründet wurde, daher auch der Name, der übersetzt „Altstadt“ bedeutet). Er erstreckt sich bis zum Norden der Stadt, so dass mitten durch Helsinki damit ein grüner Korridor gelegt wurde, der es zum Beispiel Vögeln ermöglicht, ungestört von der Ostsee bis ins Landesinnere zu ziehen. In der Bucht von Vanhakaupunki befindet sich ein Brutparadies für Vögel, das auch als Natura 2000-Gebiet geschützt ist.

Jedoch ist nicht nur die Stadt selbst sehr grün, sondern auch das Umland. Rund herum um in einer Entfernung von circa 20 bis 50 Kilometer von Helsinki schmiegt sich ein grüner Gürtel. Verwaltungstechnisch befindet sich dieser Gürtel sowohl auf dem Stadtgebiet von Helsinki selbst auch (von Westen nach Osten aufgezählt) in den umliegenden Gemeinden Kirkkonummi, Vihti, Espoo, Kauniainen, Vantaa und Sipoo.

Eine wahres Juwel im Westen des grünen Gürtels ist der Nationalpark Nuuksio, der gerade mal circa 20 Kilometer vom Stadtzentrum Helsinkis entfernt liegt (http://www.nationalparks.fi/en/nuuksionp). In welcher anderen Hauptstadt kann man erleben, nach einer Fahrt von 30 Minuten von Stadtzentrum sich schon mitten in der Natur zu befinden, so einsam, dass man beinahe verloren gehen kann? In Nuuksio ist zum Beispiel auch schon ein Vielfraß gesichtet worden, allerdings wohnen dort keine Bären.
Anders als in den meisten anderen europäischen Staaten bedeutet Nationalpark nicht automatisch, dass alles in diesem Park verboten wäre. Hier kann man Pilze und Beeren sammeln, jedoch keine Flechten und Moose!

Pfifferlinge / Eierschwammerl

Pfifferlinge / Eierschwammerl

In Nuuksio findet sich das für Finnland größte Vorkommen von Flughörnchen (Pteromys volans) einer Art von fliegendem Eichhörnchen. Allerdings ist das putzige Wesen, das auch im Logo dieses Nationalparks zu finden ist, sehr scheu, wenn überhaupt, findet man meistens nur seine kleinen Hinterlassenschaften am Fuße der Bäume. Nuuksio ist auch Haltestelle für viele Zugvögel und das Zuhause von seltenen Vogelarten wie dem Sterntaucher (circa 20 Paare brüten in Nuuksio).

Nuuksio – übrigens der samische Name für den Schwan- ist auch mein Outdoorparadies. Wer bei mir Pilze serviert bekommt, dann sind diese meistens in der Wildnis von Nuuksio gesammelt worden. In guten Pilzherbsten komme ich aus Nuuksio nach zwei Stunden mit mehr als einem Eimer Pilze zurück. Häufigster Pilz ist meistens der Trompetenpfifferling, eine dem Pfifferling verwandte Art, die immer in Kolonien wächst. Dann natürlich der Pfifferling selbst, die Herbsttrompete (auch als Totentrompete bekannt, allerdings trotz des Namens einer der delikatesten Pilze überhaupt) Steinpilze und Semmelstoppelpilze. Beim Pilzesammeln begegne ich meistens niemandem, und das ist gut so.

Herbsttrompete

Herbsttrompeten oder Totentrompeten

Nuuksio befindet sich auf dem Stadtgebiet von Espoo, das mit 270.000 Einwohnern auch gleichzeitig zweitgrößte Stadt Finnland ist, Kirkkonummi und Vihti.
Auch ist Nuuksio ziemlich gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen: Man nimmt zunächst den Zug Richtung Kirkkonummi oder Kauklahti, steigt in Espoo keskus aus, und dann von dort die Buslinie 245 bis Nuuksionpää (das ganze Jahr hindurch) oder noch weiter bis Kattila (nur im Sommer). In der Nähe von Kattila findet sich auch ein kleiner, aber feiner Gletschertopf (auf finnisch: hiidenkirnu, das „Butterfass der Gnome“) Südfinnlands.

Der Gletschertopf von Kattila

Der Gletschertopf von Kattila

Schon die Busfahrt von Espoo keskus bis zu einer der Haltestellen im Nationalpark ist ein Genuss: die Aussicht auf den See Pitkäjärvi ist ein ästhetisches Vergnügen. Besonders lohnt es sich, im Naturzentrum Haltia einen Stop einzulegen. Dort wird einem die Natur von allen finnischen Nationalparks näher gebracht, in einzigartigen Ambiente des größten öffentlichen Holzgebäudes Finnlands. Weitere Informationen, leider nur auf Englisch unter https://www.haltia.com/en/
Im Osten findet man einen weiteren Nationalpark: den von Sipoonkorpi (das Wort für sich bedeutet „der Wald von Sipoo“). Naturfreunde im Osten Helsinkis zieht es meistens dorthin, weil dieser Nationalpark ihnen am nächsten liegt. In beiden helsinkinahen Nationalparks kann man verschiedene Arten von Sümpfen kennenlernen, immerhin ist Finnland ja auch das sumpfreichste Land Europas. Gummistiefel sind oft die beste Ausrüstung für die Erkundigung dieser Nationalparks!

Im Westen beginnend und im Osten endend, erstreckt sich der grüne Gürtel über die folgenden Gebiete:
– Porkkalaniemi (direkt an der Ostseeküste, von der südlichsten Spitze sind es nur 36 km bis Estland)
– Meiko
– Humaljärvi
– Zentralpark von Espoo (Espoon Keskuspuisto), der eine Verbindung zwischen Espoo und Nuuksio herstellt
– Vitträsk
– Nuuksio
– Luukki
– Vantaan Petikko (auf dem Gebiet der Stadt Vantaa)
– Ruotsinkylä
– Sipoonkorpi
– Östersundom
– Mustavuori

Da einige der Waldgebiete auch felsenreich sind, gibt es nicht überall Handy-Empfang, es ist daher angebracht, Karte und Kompass mit sich zu führen.

Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen in der finnischen Natur!

2 Gedanken zu “Der grüne Gürtel von Helsinki

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