Das Ateneum Kunstmuseum in Helsinki präsentiert derzeit die Ausstellung „Rajojen rikkojat“ („Grenzbrecherinnen“, das finnische Wort ist geschlechtsneutral, aber hier sind ausschließlich Frauen gemeint), die vom 7. März bis zum 24. August 2025 zu sehen ist. Diese bedeutende Schau widmet sich 55 Künstlerinnen aus den nordischen Ländern, dem Baltikum, Polen und Deutschland, die im 19. Jahrhundert in Deutschland studierten und arbeiteten. Sie ist wahrscheinlich die kunstgeschichtlich bedeutsamte Ausstellung des Jahres.

Im 19. Jahrhundert war es für Frauen, die eine Karriere als professionelle Künstlerinnen anstrebten, unerlässlich, ins Ausland zu reisen, um eine fundierte Ausbildung zu erhalten. Städte wie Düsseldorf, Dresden, München und Berlin waren dabei zentrale Anlaufpunkte. Allerdings war das Reisen für Frauen jener Zeit mit erheblichen Herausforderungen verbunden: Es galt als unschicklich, alleine zu reisen, und oft waren sie auf die Begleitung von Familienmitgliedern oder männlichen Kollegen angewiesen. Zudem war das Reisen langsam und mitunter gefährlich.

Die Ausstellung beleuchtet, wie diese Künstlerinnen trotz gesellschaftlicher Einschränkungen und fehlender Rechte, wie dem Wahlrecht, ihren Weg gingen. Viele mussten sich zwischen Karriere und Familie entscheiden, da eine Heirat oft das Ende der künstlerischen Laufbahn bedeutete. Dennoch ebneten sie den Weg für nachfolgende Generationen von Künstlerinnen wie Helene Schjerfbeck und Ellen Thesleff.



Unter den ausgestellten Werken finden sich Gemälde, Skulpturen und Zeichnungen von Künstlerinnen wie Fanny Churberg, Alexandra Frosterus-Såltin, Ida Silfverberg und Victoria Åberg aus Finnland sowie Jeanna Bauck, Elisabeth Jerichau-Baumann, Amalia Lindegren, Emmy Lischke und Bertha Wegmann aus anderen Ländern. Insgesamt werden über 200 Werke präsentiert, von denen viele erstmals in Finnland zu sehen sind.

Ein besonderes Augenmerk liegt auf den Herausforderungen, denen sich diese Frauen stellen mussten. So war es ihnen oft untersagt, gemeinsam mit männlichen Kollegen in Akademien zu studieren, weshalb sie auf Privatschulen oder private Ateliers ausweichen mussten. So mussten Frauen für den Unterricht bezahlen, Männer oft nicht. Das Malen von Aktmodellen war für sie tabu; stattdessen spezialisierten sie sich auf Porträts von Familienmitgliedern, Wissenschaftlern oder Künstlerkollegen, wobei die Modelle stets bekleidet sein mussten. Frauen wichen aus, man malte Interieure, Kinder, andere malende Kolleginnen. Auch das Zeichnen war eine Option, solange schwarz-weiße Fotografien noch nicht das leistesten, was farbige gezeichnete Illustrationen zeigen konnten.




Jede/r, der sich für Kunst interessiert, wird in dieser Ausstellung ein paar phantastische neue Entdeckungen machen. Große Empfehlung!