Über die großen Pötte, die in Finnland hergestellt werden, habe ich bereits mehrfach berichtet (https://claudiashelsinki.com/2022/09/26/kreuzfahrtschiffe-made-in-finland/, https://claudiashelsinki.com/2025/09/06/mit-einem-in-finnland-gebauten-schiff-rund-um-die-welt-edition-2025/). Neben Kreuzfahrtschiffen und Eisbrechern gibt es in Finnland aber auch sehr großes Know-how für die Herstellung verschiedener Bootstypen. Die meisten Bootshersteller findet man an der finnischen Westküste. Die Mehrzahl sind Hersteller von Motorbooten, jedoch gibt es dort auch eine Jahrhunderte alte Tradition im Bau von Segelbooten, die man heute noch vorfinden kann.
Das war bis heute auch sehr gut auf der BOOT 2026 zu sehen, die am 25.1.2026 in Düsseldorf zu Ende gegangen ist. Ich war mit dabei als Teil des Projekts „Boating Finland“, siehe https://blogit.haaga-helia.fi/boatingfinland/en/front-page/. Das Boating Finland-Projekt ist eine Forschungs- und Entwicklungsinitiative unter Leitung der Hochschule Haaga-Helia(zweitgrößte Fachhochschule Finnlands). Es wurde im Mai 2025 gestartet und läuft bis August 2028 mit einer Förderung durch Business Finland sowie Beteiligung von rund 30 Partnerunternehmen aus der Boots- und Tourismusbranche.
Ziel des Projekts ist es, die Wettbewerbsfähigkeit, Innovationskraft und Nachhaltigkeit der finnischen Bootsindustrie und des Wassertourismus zu stärken sowie die internationale Sichtbarkeit von Finnlands maritimen Stärken – der sogenannten boating DNA – zu erhöhen.
Im Zentrum stehen drei Forschungsschwerpunkte:
- Entwicklung des Boots- und Tourismusökosystems, z. B. Infrastruktur- und Serviceinnovationen für ein nachhaltiges Bootserlebnis;
- Innovations- und Geschäftsmodellforschung, etwa zur Sharing Economy und neuen Konsumentenbedürfnissen;
- Internationale Vermarktung und Sichtbarkeit, z. B. Analyse von Märkten und Präsentation auf großen Messen wie der Boot Düsseldorf.
Die Projektwebseite dient als Plattform für Ergebnisse, Publikationen, News und Veranstaltungen und richtet sich an Unternehmen, Wissenschaft und Interessenvertreter im Bereich Boots- und Wassersport.
Kurz gesagt: Boating Finland verbindet akademische Forschung mit Industrie- und Tourismuspraxis, um Finnlands Bootssektor und Wassererlebnislandschaft auf internationalen Märkten neu zu positionieren.
Ich führte Interviews durch und konnte auch jede Menge Tipps zu Finnland und einem Urlaub in Finnland loswerden, sodass so manches Interview auch mal etwas länger dauerte…
Ich kam mit dem Abendflieger von Finnair nach Hause zurück, auf dem Weg zur Bordtoilette kam ich durch den hinteren Teil des Flugzeugs, in dem gerade mit Lonkero (dem legendären finnischen Longdrink) angestoßen wurde. Offensichtlich war es eine gute Messe gewesen! Was uns alle freut, nicht nur die finnischen Boothersteller.
Doch welche Boote werden eigentlich in Finnland hergestellt? Ich wage zu behaupten, dass du den einen oder anderen Hersteller gar nicht als finnischen Bootsbauer identifizierst. Einige hatten an jedem Boot eine finnische Flagge, einige keine einzige. Nun, der Unwissenheit kann man nachhelfen. Hier also eine Einleitung in die finnische Bootindustrie, ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Es sind jede Menge Hersteller, von denen aber nicht alle auf der BOOT in Düsseldorf dabei waren, z.B. fehlte Baltic Yachts. So gut wie alle sind aber auf der größten Bootsmesse Finnlands dabei, die in wenigen Wochen in Helsinki startet. Wer zwischen dem 6. und 15. Februar 2026 in Helsinki ist und sich für das Thema interessiert, der kann im Messezentrum Helsinki (Stadtteil Pasila) vorbeikommen: https://vene.messukeskus.com/en/
Einige der größten und bekanntesten stelle ich hier vor.
- Terhi
Terhi ist ein Markenname des Herstellers Oy Brandt Ab und stellt klassische Ruderboote aus ABS-Kunststoff her (das zum Beispiel auch für die Herstellung von Lego verwendet wird). Ein Ruderbootmodell von Terhi ist das meistverkaufteste Boot in Finnland. Dementsprechend ist die Seite leider auch nur auf Finnisch und Schwedisch, nicht einmal auf Englisch (geschweige denn auf Deutsch): https://terhi.fi/ Das Einstiegsmodell kostet 2290 Euro. Mittlerweile gibt es auch Modelle, die sich für den Elektrobetrieb eignen. Das Angebot ergänzen eher günstige Motorboote, die bei 2690 Euro beginnen und bei knapp 23.000 Euro enden. Terhi ist der „Opel“ der finnischen Bootswelt.
Vom selben Hersteller gibt es die Marke Silver, die unter dem Namen AluFibre eine Kombination von Aluminium und Glasfiber für ihre Motorboote verwendet.
- Päijän
Wer ein etwas stylischeres, aber durch und durch bodenständiges Ruderboot haben will, der greift zu Päijän. https://paijanboats.com. Die Seite gibt es auf Finnisch, Schwedisch und Englisch. Die Boote werden in Lahti gebaut. Besonders interessant und umweltfreundlich: Als Boote „mit einem Geburtsmal“ werden solche etwas günstiger verkauft, die kleine kosmetische Fehler aufweisen – damit man sie nicht verschrotten muss. Vorbildlich! Noch gibt es keine Verkäufer in Deutschland, aber vielleicht tut sich in dem Bereich bald etwas.
- Yamarin
Yamarin ist einer der bekanntesten Hersteller von Daycruisern, dahinter steckt ein Konzern names Inha Works Ltd. Auch die Marke Buster (https://www.buster.fi/fi) gehört zu diesem Konzern. Mal wieder keine Homepage auf Deutsch, dafür leistet man sich eine auf Norwegisch! Für Benutzer auf Englisch findet sich die australische Flagge. Yamarin stellt klassische Daycruisers her, in drei Linien: Open (offenes Verdeck, Einsteigermodell), Ride (ein Kick mehr), Cruise (eignet sich schon eher auch für Übernachten). Ich habe mir die Boote angesehen. Was Eindruck gemacht hat: Die Yamarin 67 DC hat in der Komfortversion eine Toilette (https://yamarin.com/en/models/yamarin-67-dc#factoryOptions=&hullSurfaceTreatments=&accessories=&boatPackages=816 ). Man muss also im Falle des Falles nicht andocken! Das könnte für einige ein schlagkräftiges Argument sein, sich genau für dieses Modell zu entscheiden. Yamarin ist der Audi der finnischen Bootshersteller.
Yamarin Cross ist eine hauseigene Bootslinie aus Aluminium.
- Quarken
Die Homepage ist „international“, das heißt nur auf Englisch: https://www.quarken.com/. Benannt ist man aber nach dem schwedischsprachigen Kvarken, einem Teil des finnischen Meerbusens. https://de.wikipedia.org/wiki/Kvarken
Man stellt sehr stylische und sportliche Motorboote – vom Daycruiser bis zum Kabinenboot – her, es geht los bei knapp unter 100.000 Euro. Das ist die Marke für jemanden, der Geld hat, aber nicht protzen möchte. Quarken ist der BMW der finnischen Bootshersteller.
- Marine Alutech
https://en.wikipedia.org/wiki/Marine_Alutech Man hat sich auf Boote für den professionellen Einsatz spezialisiert, Wasserrettung, Polizei und militärischen Einsatz. Diese Firma hat nicht nur die finnische und estnische Polizei mit Booten versorgt, sondern zum Beispiel auch die Rümpfe für die Schiffe der Schweizer Armee geliefert. Also nicht das Boot, das der Händler um die Ecke verkaufen kann, deswegen nur der Vollständigkeit halber mit dabei – und um zu zeigen, dass finnische Boote durchaus nicht nur für schöne Tage gedacht sind, sondern auch einen harten, täglichen Einsatz aushalten.
- Finnmaster
Nomen ist hier Omen. Leider ohne eine deutsche Version der Homepage (Finnmaster-veneet). Der Hersteller hinter Finnmaster ist Finnmaster Boats Oy (offiziell auch als Oy Finn-Marin Ltd. bezeichnet), ein finnisches Bootsunternehmen mit Sitz in Kokkola an der Westküste Finnlands. Das Unternehmen entwirft und produziert Fiberglas- und Aluminiumboote – darunter Freizeit- und Sportboote, Daycruiser sowie Kabinenboote – nach eigener „Smart Design“-Philosophie mit Fokus auf Funktionalität, Komfort und skandinavische Tradition. Die Produktion und Konstruktion findet vollständig in Finnland statt, und die Marke gilt als eine der führenden in der nordischen Bootsbranche.
Finnmaster Boats Oy gehört heute zur Terra Patris-Gruppe und betreibt mehrere Produktionsstandorte in Finnland (u. a. Kokkola, Kalajoki, Sammatti). Neben der Marke Finnmaster gehören auch die Bootslinien Husky (Aluminiumboote) und Grandezza (Premium-Cruiser) zum Portfolio. (MarineBusinessWorld.com)
Das Einstiegsmodell Husky 5 für fünf Personen geht ab knapp 36.000 Euro los.
Finnmaster ist der Polo der finnischen Bootshersteller.
- Sargo
Der Werbespruch lautet „the allseason yacht“, eine Yacht für alle Jahreszeiten. Es sind daher durchgehend Yachten mit Kabine, die sich für einen Einsatz überall eignen. Sargo ist seit 1967 ein Familienbetrieb, die Yachten werden ausschließlich in Finnland mit viel Handarbeit in der Nähe der finnischen Stadt Kokkola (Karleby) hergestellt. Sargo hat 1993 die deutsche Polizei mit Polizeibooten versorgt (https://sargoboats.fi/company/history/). Der Gründer der Firma war in den 60er Jahren am Bau der ersten Swan 36 beteiligt. Mercedes-Klasse.
- Nordstar
https://nordstar.fi/ (einsprachig englisch). Pilothausboote der Mercedes-Klasse. Auch ein Familienbetrieb aus 68300 Kälviä in der Nähe von Kokkola. Die Lindkvists stellen seit den 1920er Jahren Boote her.
- Targa
Targa ist der Mercedes mit Wurzelholzarmatur der finnischen Bootshersteller. https://www.targa.fi/ , einsprachig englisch. Die Boote werden seit 1976 mit jeder Menge Handarbeit in Malax und Nykarleby an der Westküste Finnlands gefertigt. Das Wassertaxi von Ilulissat – das jetzt alle kennen – wurde von Targa gefertigt (https://www.targa.fi/boats/professional ).
- Saxdor
Der Porsche der finnischen Bootshersteller. Hier gibt es PS in Hülle und Fülle. Eignet sich am ehesten für jemanden, der unbedingt zeigen möchte, dass er es geschafft hat. Auf dem Stand von Saxdor war keine einzige finnische Flagge zu sehen, man will sich also eher als international positionieren. Die Boote werden sowohl in Finnland als auch in Polen gebaut. Der Gründer und Designer der Saxdor-Boote, Sakari Mattila, hat zuvor u.a. Axopar gegründet. Es geht los mit 20-Fuß-Yachten: https://saxdoryachts.com/company/ , die Seite ist nur auf Englisch.
- Axopar
Axopar (https://www.axopar.com/company) ist Hersteller von Motorbooten. Leider ist keine Homepage auf Deutsch vorhanden. Axopar-Boote ähneln äußerlich RIB-Gummibooten, sind jedoch keine Gummiboote, sondern Glasfaserboote. Alle Modelle von Axopar sind Außenbordmotorboote. Ein benzinbetriebener Außenbordmotor ist eine kostengünstigere Alternative zu einem dieselbetriebenen Innenbordmotor und sorgt dafür, dass das Gesamtgewicht und der Kraftstoffverbrauch des Bootes gering bleiben.
Axopar-Boote sind so konstruiert, dass ihr Rumpf, ihre Spanten und ihr Deck zusammen eine Monocoque-Konstruktion bilden. Dank dieser Konstruktion wiegen die offenen Versionen der 28-Fuß-Boote nur 1.690 kg und die Kabinenboote 1.750 kg, während sie mit herkömmlichen Verfahren hergestellt doppelt so viel wiegen würden.
Die Boote werden in modularer Bauweise hergestellt, sodass ein Grundmodell leicht in beispielsweise fünf verschiedene Versionen umgewandelt werden kann, je nach den Vorlieben des Verbrauchers.
Die Preise bewegen sich aktuell (2026) zwischen 30.700 € und 417.700 Euro. Seit 2024 werden auch Elektroboote hergestellt. Die Boote werden in Finnland entworfen und in Polen hergestellt.
Axopar ist der Golf der finnischen Bootshersteller.
Und zum Schluss die beiden bekanntesten Segelbootbauer.
- Baltic Yachts
Baltic stellt klassische Segelboote aus Karbonfaser her. https://www.balticyachts.fi/
Die Homepage gibt es nur auf Englisch. Sehr ambitioniert im Bereich Nachhaltigkeit, man ist nahe dran an der „100ft+ zero emissions yacht” (Zitat der Homepage). So wird z.B. beim Bau Leinenfaser eingesetzt (https://www.balticyachts.fi/greener/)
- Nautor Swan
Das Nonplusultra einer Segelyacht. https://www.nautorswan.com/ Das Motto lautet: A swan is a swan. Und das schon seit 1966. Läuft außerhalb jeder Konkurrenz.
Wer die Boote auf dem Wasser erleben will, der kann das auch, auf der größten „in-water boat show“ in den nordischen Ländern, die zwischen dem 13. und 18. August in Helsinki stattfindet (https://uiva.fi/en/).
Und wer umweltfreundlicher unterwegs sein möchte, der kauft sich ein Gebrauchtboot. Eine der wichtigsten Adressen ist hier https://www.nettivene.com , hier als Beispiel schon einmal eine Suche nach einem gebrauchten Husky 5 von Finnmaster: https://www.nettivene.com/finnmaster/husky-r5
Und wie so oft, ist es wahrscheinlich günstiger, ein Boot zu chartern oder zu mieten. Dann hast du nicht den ganzen Aufwand, kannst aber trotzdem Wind und Wellen genießen. Einige machen es sogar so, dass ihr Boot in Finnland liegt, und sie zum Urlaub nach Finnland fliegen. Hier sind Liegeplätze außerhalb von Helsinki ziemlich einfach zu erhalten! Im Gebiet von Hanko (etwas über 100 Kilometer von Helsinki entfernt, hat aber direkte Bahnanbindung!) z.B. gibt es einen „normalen Liegeplatz“ für eine Jahresgebühr von 212 Euro (https://hanko.fi/wp-content/uploads/2024/01/Venetaksat.pdf)! Ja, das hast du richtig gelesen, das war die Jahresgebühr! Nachteil: Alle Infos nur auf Finnisch und Schwedisch, da es die Stadt Hanko ist, die die Liegeplätze unterhält. In Finnland soll es halt für alle Bürger*innen möglich sein, ein Boot zu besitzen, auch wenn es noch so bescheiden und klein ist. Und hier wäre schon einer meiner ersten Tipps für das Fördern des finnischen Wassertourismus: Bitte alle Infos mindestens auch auf Englisch bereitstellen, und am besten auch auf Deutsch! Nur dann kann man die 50plus Generation deutscher KMU-CEOs ansprechen, die nicht alle perfektes Englisch beherrschen, in Deutschland aber bereits seit Jahren auf der Warteliste für einen Bootsplatz stehen.
Quellen: Wikipedia (z.T. gibt es einige Informationen nur auf Finnisch, diese wurden von mir übersetzt)

