Wer Finnland schon mal besucht hat, dem ist sicherlich die Vielfalt des finnischen Granits aufgefallen. Über das Thema gab es auch schon einen Blog: https://claudiashelsinki.com/2022/04/03/grandioser-granit/
Doch auch für Steinbegeisterte (bin Mitglied im Verein der finnischen Edelsteinfreunde: https://www.sjhy.fi/en_GB/) wie mich gibt es ab und zu noch was Neues.
In Mäntsälä durfte ich diesen Sommer eine für mich neue Variante des finnischen Granits kennenlernen. Dort gibt es zwei Steinbrüche, die beide einen Granit namens Mäntsälän Punainen (Roter aus Mäntsälä) abbauen, der unter dem Markennamen Aurora bekannt ist. Ich stattete dem Familienbetrieb Peten Kivi https://www.petenkivi.com/ einen Besuch ab und habe euch natürlich Bilder mitgenommen.
Der Name ist hier Programm. Diesen Granit zeichnet sich durch eine Art von Mélange von in der Hauptsache rotem Granit mit grauen oder dunkleren, manchmal fast schwarzen Wellen oder Schleiern, die sehr an die Nordlichter erinnern. Die Farben stammen von den unterschiedlichen Bestandteilen von Granit, die man sich nach der deutschen Eselsbrücke: „Feldspat, Quarz und Glimmer, die drei vergess’ ich nimmer“ gut merken kann. Manchmal kommen noch Amphibole dazu, die eine eher dunkle Farbe haben. Feldspat in seiner reinen Form ist farblos, jedoch sehr oft durch Beimischungen rosa oder rötlich, wie bei rotem Granit. Reiner Quarz ist genauso farblos, wer schon einmal einen Bergkristall in der Hand gehabt hat, weiß das. Durch Verunreinigungen wird das Quarz auch getönt, z.B. in Richtung elfenbeinfarben, gelb oder weiß. Glimmer ist der dunkle Anteil dieses Granits, der hier in Schlieren oder Schleifen malerisch „beigemengt“ ist. Auch die Größe des „Granulats“ spielt für das optische Erscheinungsbild eine Rolle, je größer die Körner, desto „gesprenkelter“ erscheint der Stein, je kleiner, umso einheitlicher ist das Farbbild. Jede finnische Granitart kann man auf ihrer genaue Zusammensetzung an Mineralien untersuchen. Beim Aurora-Granit sind es 44% Plagioklase (auch Kalknatronfeldspate), 25,4% Quarz, 19,3% Feldspat, 6,3% Biotit (eine Art von Glimmer), 3,6% Amphibole, 1,3% Chlorit und 0,2% noch weitere Minerale. Den anderen „klassischen“ roten Granitsorten wie dem Taivassalon punainen (aus dem z.B. das Granithaus in Helsinki gebaut ist) oder Vehman punainen (Sockel des Denkmals von Aleksis Kivi vor dem Nationaltheater; Umrandung des Springbrunnes von Havis Amanda) fehlen die Amphibole, die mit für die dunklen Schleier im Stein verantwortlich sind.
Bei Nahaufnahmen kommt die Schönheit dieses Steines gar nicht zum Vorschein, man muss die gesamte Platte sehen. Ich hatte bis zu diesem Zeitpunkt nur vergrößerte Fotos dieses Steins gesehen, die keine große Aussagekraft haben.
Übrigens muss man natürlich nicht die Katze im Sack kaufen bzw. den Stein, ohne seine genaue Optik zu kennen. Im Online-Shop von Pete kann man sich jeden Stein ansehen, schaut mal vorbei:
https://www.petenkivi.com/shop
Ich weiß jedenfalls, aus welchem Stein meine nächste Küchenplatte sein wird, ihr vielleicht auch?
PS Im Augenblick bekomme ich (noch) keine Kommission von Pete, falls sich das ändern sollte, dann werde ich es hier vermerken. Ich finde aber einfach, dass Familienunternehmen, die solche Unikate herstellen, einfach ein bisschen mehr Scheinwerferlicht gebrauchen können. Ich für meinen Teil kaufe mir keine Granitplatte aus China, die unter weiß welchen Umständen hergestellt worden ist, und dadurch natürlich auch viel günstiger ist. Meines Wissens haben die Chinesen aber keinen Nordlicht-Granit!

