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Mökki – der Rückzugsort für die finnische Seele

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Um Finnland und die Finnen zu verstehen, muss man eine Institution kennen, die alle Finnen kennen und erlebt haben, und die meisten lieben sie heiß und innig.
In Finnland gibt es insgesamt etwas über eine halbe Millionen Sommerhäuschen, auf Finnisch „Mökki“ genannt. In 63 Gemeinden gab es 2016 sogar mehr Mökki als Hauptwohnsitze. Und weil ein Sommerhäuschen nicht gleich Mökki ist, werde ich sie in diesem Artikel auch Mökki nennen.
Was also sind die Unterschiede zwischen einem mitteleuropäischen Sommerhäuschen und einem Mökki?
Das Mökki ist von sich aus ursprünglich in den meisten Fällen nicht als Residenz gedacht, in der man das ganze Jahr wohnen würde (obwohl es auch das in vielen Fällen immer mehr ist, diese Exemplare werden dann extra als talviasuttava gekennzeichnet, zu übersetzen als „auch im Winter bewohnbar“). Ein Mökki, das diese Bezeichnung nicht hat, ist also nicht winterfest. Das hat viele Gründe, angefangen von der Isolierung bis hin zu fehlenden Wasserleitungen oder solchen, die im Winter gefrieren würden.

Der Wert
Einer der wichtigsten Werte in Finnland ist die Ruhe, und im Mökki kann man diese zelebrieren. Mökillä omassa rauhassa – „im Mökki in Ruhe und Frieden“ hat einen hohen Wert für Finnen, wenigstens einmal im Jahr möchte man das sein, für mehrere Wochen. Man klinkt sich aus der Zivilisation aus. Je weiter der Nachbar ist, desto besser. Ohne Grund geht man auch nicht zum Nachbarn. Als ideal gilt, wenn man vom Nachbarn weder etwas sieht noch hört. Man hat Kleidung fürs Mökki (meist die abgetragene Kleidung, die man nicht mehr im normalen Alltag verwenden kann), die schlabbrigsten Trainingshosen und alten T-shirts sind okay, Gummistiefel und Crocs erfreuen sich großer Beliebtheit. Im Mökki trägt man nur die bequemsten und zweckmäßigsten Klamotten.
Böse Zungen behaupten, das eigene Mökki sei ein ewiges Arbeitslager, weil natürlich immer was zu tun ist: Holz für den Ofen muss gefällt, gespalten und gestapelt werden, die Hütte muss spätestens alle sechs bis zehn Jahre neu angestrichen, der Anleger muss entweder ins Wasser gezogen und im Herbst aus dem Wasser gezogen werden, die Liste hat kein Ende. Manche schätzen aber gerade diese Tatsache, dass sie im Ausgleich zu den meist gehirnlastigen Alltagsarbeiten im Urlaub im Mökki hier wieder die Muskeln zum Einsatz kommen.
Auf der Terrasse des Mökkis sitzt man, um aus alten Laken die Textilstreifen zu reißen oder zu schneiden, die als Schuss für das Weben eines Flickenteppichs (österreichisch: Fleckerlteppichs) nötig sind. Beim Reißen entsteht nämlich Textilstaub, daher sollte man diese Arbeit bei warmen Wetter draußen verrichten.

Der Benimmcode für Mökkibesucher
Zum Mökki von Freunden und Verwandten fährt man nicht unangemeldet, weil dieses genau den Frieden und die Ruhe stören würde. Man meldet sich an und nimmt ein Geschenk mit, passende Geschenke sind Kaffee und benötigte Essenswaren, gut kommt auch selbst Gebackenes an. Da der nächste Lebensmittelladen oft einige Kilometer entfernt ist, sollte man die Besuchten nicht in ihren Lebensmittelvorräten in Verlegenheit bringen, sondern mehr oder minder durch die Geschenke den Defizit wieder auffüllen, den man durch den eigenen Verzehr verursacht. Besonders gut kommen auch alle Geschenke mit Prozenten an, die sind dann sowohl für den eigenen Verzehr (BYOB: Bring your own booze/beer/beverage) als auch für die Gastgeber gedacht. In der Regel bleibt man nicht für die Nacht, es sei denn, es ist wegen der Entfernung schon vorher besprochen und abgemacht. Für diesen Fall nimmt man das eigene Bettzeug, mindestens die eigenen Laken mit, besonders, wenn das Mökki ohne die Luxusaustattung einer Waschmaschine ist. Ein Schlafsack leistet dann auch gute Dienste.

Die Größe
Die durchschnittliche Größe eines Mökki beträgt 48 Quadratmeter, es handelt sich also eher um eine Hütte oder Datscha als um eine Luxusvilla im Grünen. Der Medianwert beträgt sogar nur 40 Quadratmeter, das heißt, dass die Hälfte der finnischen Mökkis unter 40, und die Hälfte über 40 Quadratmeter verfügen. Allerdings baut man heutzutage etwas größere Mökkis als früher, bei ab 2010 gebauten Mökkis beträgt die Durchschnittsgröße 72 Quadratmeter (Median: 65 Quadratmeter).

Die Ausstattung
Mit zum Mökki gehört fast immer die obligatorische Sauna, diese ist in der Mehrheit eine mit Holz beheizte Sauna, sie steht meistens näher am See oder an der Küste als das eigentliche Mökki. Manchmal gibt es beides aber auch zusammen, so dass die Wärme der Sauna auch beim Heizen des Mökkis hilft. Ganz Traditionelle schwören auf eine Rauchsauna, die ursprünglichste Form der Sauna.

Der Mehrwert
In Finnland können Sie für den Preis eines Normalurlaubs ein eigenes Strandstück mieten, bei dem der Nachbar weder zu sehen noch zu hören ist, so dass man sogar nackt baden gehen kann.

Das Mökki zum Mieten (oder gar zum Kaufen?)
All das steht auch dem ausländischen Gast zur Verfügung, weil jede Menge Mökkis zum Vermieten bereit stehen. Aber Achtung: die Besten sind früh weg. Viele Familien legen sich bereits direkt nach der Sommerwoche fest, im nächsten Jahr wieder an dieselbe Stelle zu gehen und reservieren „ihr“ Mökki ein Jahr im Voraus, spätestens aber im Januar sollte man sich für den Sommer entscheiden, wenn man ganz spezielle Kriterien hat, die das Mökki erfüllen soll.
Mökkis gibt es für alle Geldbeutel:
ein einfaches Mökki mit einem Raum ohne Wasserleitung kann man ab circa 400 Euro pro Woche mieten. Dann entnimmt man das Wasser dem See (der oft Trinkwasserqualität hat) und heizt das Waschwasser in der Sauna in einem Wassertank auf, der an den Saunaofen angeschlossen ist. Wasser zum Trinken kauft man oder füllt an der Tankstelle in eigene Wasserbehälter. Die Luxusversion ist eine Villa am See, inklusive Wasch- und Spülmaschine, Geschirr von Arabia und Glas von Iittala.
Hier ein Fragekatalog, der helfen kann, das richtige Mökki zu finden:

Die jüngere Generation in Finnland ist nicht mehr ganz so mökkiverrückt wie die Nachkriegsgeneration, daher sind die Preise in den letzten Jahren sogar ein wenig gesunken. Also gute Chancen, ein Schnäppchen zu machen. Manchmal wollen die jungen Finnen flexibel jedes Jahr ihren Urlaub woanders verbringen und verkaufen daher nach dem Erben das Sommerhäuschen ihrer Eltern. Kauft man unbebautes Land, um selbst zu bauen, so ist es wichtig, zu wissen, ob das Grundstück schon erschlossen ist oder nicht.
Dann können Sie zugreifen. Ich wünsche Ihnen viel Spaß im Mökki!

(Alle statistischen Angaben stammen von der Seite des Finnischen Statistikamtes www.stat.fi )

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