Wissenswertes rund um Vappu

Vor zwei Jahren habe ich einen speziellen Beitrag über das erste virtuelle Vappu-Event in Helsinki geschrieben, mitten im Lockdown: https://claudiashelsinki.com/2020/05/01/manta-wurde-dieses-jahr-virtuell-bemuetzt/. Dieses Jahr gibt es eine Rückkehr zur Normalität. Das Zentrum war voll, die Studierenden der Universität Helsinki wieder im Einsatz, um Manta ihre Studentenkappe Größe 92 aufzusetzen. Kurz vorher wurde noch versucht, einen neuen Finnlandrekord im gemeinsamen Karaokesingen aufzustellen. Zu der Zeremonie gehörte dieses Jahr ganz neu, dass Manta nach dem traditionellen Waschen auch „geimpft“ wurde. Damit alles seine Richtigkeit hat – die steinernen Männer am Hauptbahnhof zeigen ja auch ihre Coronaimpfpflaster.

Aber was ist Vappu eigentlich? Eigentlich handelt es sich um eine Abkürzung der Namenstagsgeberin. Im Deutschen Walpurgis, benannt nach der Heiligen Walpurga, im Finnischen halt kurz und knapp Vappu. Und so wie die Walpurgisnacht die Nacht auf den 1. Mai ist, so beginnt Vappu hier mit dem Aufsetzen der Studentenkappe auf das Haupt von Manta, ganz genau um 18 Uhr am 30.4. Und natürlich geht es am Ende um ein ursprünglich vorchristliches Frühlingsfest, bei dem die Geister oder Hexen des Winters noch ihre letztes Treiben veranstalten, bevor der Frühling das Zepter übernimmt.

Es ist eine Kombination von Karneval oder Fasching, dass es hier nicht gibt und einem Frühlingserwachensfest. Egal, welches Wetter, man muss raus und feiern gehen. Man hört auch, dass an diesem Tag der Winterpelz abgelegt wird („talviturkki heitetään menemään“), was auch eine Umschreibung dafür sein kann, dass man das erste Mal schwimmen geht. Manche Feierwütige wie fast jedes Jahr im Springbrunnenwasser, das Manta umgibt. Kleine Kinder bekommen Luftballons geschenkt.

Hier die typische Studierende-Uniform, getragen von der Tochter meines Cousins, Senni Martikainen. Overall, mit diversen Aufnähern, und das weiße Studierenden-Käppi. Senni sitzt für die Grünen im Gemeinderat von Iisalmi und wäre auch fast Abgeordnete im finnischen Parlament geworden. Foto mit freundlicher Genehmigung von Senni.

Vappu ist vor allem ein Fest der Studierenden. Die meisten Studierenden sind Mitglied in diversen Studierendenvereinen. Sei es, dass man „einfach“ zur Studierendengemeinschaft der eigenen Universität oder Fachhochschule gehört, oder man ist Mitglied in der Fachschaft, zum Beispiel sind die Germanistikstudierenden Mitglied bei „Umlaut“. Man kann auch nach geografischer Herkunft sich einer Landsmannschaft anschließen. Diese haben den Ursprung in der Tatsache, dass es jahrhundertelang nur eine einzige Universität in Finnland gab und die wenigen Studierenden sich gerne mit denjenigen zusammenschlossen, die aus der Heimatregion stammten und denselben Dialekt sprachen. So war und bin ich selbst Mitglied bei der Savolainen Osakunta, die Studierende aus der Region Savo vereint. Diese Landsmannschaften haben oft auch eigene Studentenwohnheime. Vor allem kann man aber an Vappu alle diese Vereine an ihren Overalls erkennen. Die Overalls sind eine Art Studentenuniform. So tragen die Mitglieder der Savolainen Osakunta einen gelb-schwarzen Overall, nach den Farben der Provinz Savo. Für den Overall gibt es eine eigene Etikette, Abzeichen, die erworben werden können und viele andere ungeschriebene Regeln. So wird ein neu erworbener Overall zuerst vor Vappu „getauft“, das nennt sich dann haalarinkastajaiset und hat dazu geführt, dass ich am Dienstag vor Vappu die historisch niedrigste Teilnehmerzahl in einem meiner Deutschkurse hatte: Sage und schreibe eine Studentin war anwesend!

Eines der wenigen Fotos, wo ich in meinem Overall zu sehen bin. Erst noch kurz arbeiten, und dann los!

Die Mitgliedschaften schließen sich nicht aus, so kann ich gleichzeitig Mitglied bei „Umlaut“ und bei einer geografischen Landsmannschaft sein. Auch sind die Verbindungen nicht politisch wie meistens in Deutschland oder Österreich.

Zwei der drei Flaschen, die ich dieses Jahr angesetzt habe. Eine ist schon verbraucht. Man sieht die Kohlensäureentwicklung.

Vappu hat auch noch eine kulinarische Seite. Einige Tage vor Vappu wird Sima hergestellt, eine sehr schwach alkoholhaltige Limonade. Dafür werden Zitronen ausgepresst, viel Zucker und ein bisschen Farinzucker dazu und Hefe, 24 Stunden in Zimmerwärme zum Gehen gebracht und dann in den Kühlschrank gegeben. Achtung: Keine Glasflaschen verwenden, die man komplett zudreht, das kann mit einer Explosion im Kühlschrank enden… Das Kohlendioxid muss zum Teil entweichen können. Ganz Mutige machen aus Sima dann noch Kilju, eine Art (in diesem Fall) Zitronenwein (https://de.wikipedia.org/wiki/Kilju ), man kann dann auch noch andere Früchte dazugeben. Dafür muss man dem Sima nochmals Hefe und Zucker hinzufügen und hoffen, dass die Gärung noch mal so richtig losgeht. Das Ergebnis ist nur selten eine kulinarische Offenbarung, aber in Zeiten, als der Alkohol noch teurer war als er jetzt ist, war das eine gute selbstgemachte Alternative für viele Studierende und andere Menschen mit wenig Geld.

So sehen die finnischen „Berliner“ aus, es sind eher Kringel und sie sind ohne Füllung. Hergestellt und fotografiert von Soile Määttää, hier mit ihrer freundlichen Genehmigung.

Eine andere Vappu-Tradition ist die Herstellung von Berlinern. Und dann gibt es auch noch Tippaleipä. Die deutsche Übersetzung „Strauben“ wird nicht einmal allen Deutschsprachigen bekannt sein: https://de.wikipedia.org/wiki/Strauben Es handelt sich um eine Art Schmalzgebäck, bei dem der Teig spaghettiartig in das kochende Fett gepresst wird. Nach Abtropfen des Fetts wird das Gebäck mit Puderzucker bestäubt.

Leider fällt das diesjährige Vappu auf einen Sonntag, so dass es keinen zusätzlichen Feiertag gibt. Tipp: 2023 wird es richtig gut, da fällt der 1. Mai auf einen Montag. Falls du noch nicht Vappu in Helsinki erlebt hast, dann wäre das nächste Jahr eine richtig gute Gelegenheit dazu.

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