Jeder dritte Finne benutzt die Korona-App – Willkommen in Lappland!

Nach nur einer Woche nach dem Erscheinen der finnischen App (Claudias Helsinki berichtete unter https://claudiashelsinki.com/2020/09/05/die-finnische-corona-app-bricht-beim-runterladen-alle-rekorde/ ) war die App bereits fast 1,8 Millionen Mal geladen worden. Damit verwendet jeder dritte Finne die Korona-App.

Das finnische Ärzteblatt (https://www.laakarilehti.fi/ajassa/ajankohtaista/koronavilkkuun-on-tehty-41-ilmoitusta-tartunnasta/?public=c8fe6aa2ee51a6e8572875fdf65aa911) wusste am 7.9. zu berichten, dass bisher insgesamt 41 Personen ihre positive Corona-Diagnose in die App eingespeichert haben und damit mehrere Personen warnen konnten. In der Statistik des THL (finnlandweites Gesundheitsamt) wird die Statistik in Zweiwochenschritten gemessen, die letzten untersuchten Wochen sind die zwischen 26.8.-8.9., in dieser Zeit wurden insgesamt 428 neue Corona-Diagnosen gestellt. Wenn wir circa davon ausgehen, dass die Fälle sich ziemlich gleichmäßig auf beide Wochen verteilen und es nur einen Tag Unterschied in der Erfassung gibt, dann waren es also circa 214 Fälle in der ersten Woche mit Corona-App.

Also konnte die Corona-App schon in der ersten Woche ihrer Aktivität 19%, also fast ein Fünftel der neuen Fälle erfassen!

Finnland könnte also durchaus eines der ersten Länder werden, bei der die App die weitere schnelle Ausbreitung von Covid-19 bremsen kann.

Hier noch ein Vergleich der wichtigsten Corona-Zahlen zwischen Deutschland und Finnland (die deutschen Zahlen von der Seite des RKI, die finnischen von der Seite der finnischen Tageszeitung Helsingin Sanomat):

 FIDE
neue Fälle pro 100.000 Einwohner in den letzten 14 Tagen (26.8.-8.9.)7,7 (6,3 in den vorherigen 2 Wochen); zwischen 0 (Marianhamina) und 222,7 (Kuhmo, Gemeinde mit den nächstniedrigen Zahlen ist allerdings Mikkeli mit 47,2)(rechnet nicht in 2-Wochen-Schritten; auf 2 Wochen umgerechnet zwischen 0 und 124 (Rosenheim)
Regional neue Fälle pro 100.000 EinwohnerHelsinki: 16,3 (=32,6 auf 2 Wochen)
Vantaa: 23,7 (= 47,4 auf 2 Wochen)
Espoo: 25,3 (50,6 auf 2 Wochen)
Neu-Ulm: 34,4 Würzburg: 61
neue Fälle pro 100.000 in den letzten 7 Tagen (Abrufdatum 12.9.)(rechnet nicht in 7 Tagen-Schritten, auf die Woche umgerechnet circa 3,9, zwischen 0 und 111,4 (Kuhmo, Gemeinde mit den nächstniedrigen Zahlen Mikkeli 23,6)zwischen 0 und 62 (Rosenheim)
Letalitätrate beim Corona-Virus, weltweiter Durchschnitt 3,23%, zwischen Indien 1,67% und Italien 12,57% (2)etwas über 4% (1)3,61%

Die ungewöhnlich hohen Zahlen von Kuhmo (in Kainuu) sind duch einen Ausbruch mit 18 positiv getesteten Personen zu erklären, durch die wenigen Einwohner erscheint die daraus errechnete Zahl jedoch als hoch.

Die geringfügig höhere Letalitätsrate Finnlands kann durch verschiedene Faktoren erklärt werden. Am Beispiel Indiens wird klar, dass die Zahl auch immer sehr viel damit zu tun hat, wie oft als Todesursache wirklich Corona definitiv festgestellt und dokumentiert wurde. Da gerade am Anfang der Epidemie hier kaum getestet wurde, könnte hier einiges schief gelaufen sein. Ich kenne in meinem Umkreis mehrere Personen, die mit teilweise absurden Begründungen nicht getestet wurden, sogar ein Student von mir, der aus dem Urlaub in Österreich kam, gehört dazu, es wurden damals nur Personen aus China getestet. Dadurch könnten hier einige Fälle verschleppt worden sein, die die etwas höhere Zahl erklären. Oder die geografischen Besonderheiten spielen eine Rolle. In Lappland geht man nicht so schnell zu Arzt, weil der halt man eben über 100 km entfernt ist…

Unterm Strich kann man feststellen, dass die regionalen Unterschiede in beiden Ländern enorm sind. Während man sich auf den Åland-Inseln kaum anstecken kann, ist das Risiko im Hauptstadtbereich nicht zu unterschätzen. Aus Lübeck oder Ostholstein würde ich derzeit kaum irgendwohin reisen, während ein Würzburger oder Rosenheimer eher unbesorgt sich einen Langlaufurlaub in Finnland buchen kann, zuhause hätte er ein größeres Risiko sich anzustecken.

Langlaufen in Lappland (das Blau ist die Farbe des Himmels, wenn die Sonne nicht aufgeht)

Für Lappland hat die finnische Regierung gerade eine Sonderregelung ausgearbeitet, Touristen dürfen nach einer frischen Testung im Heimatland trotz hoher Corona-Zahlen zuhause trotzdem nach Lappland fliegen. Allerdings nur, wenn gewährleistet ist, dass das gebuchte Paket sie von der örtlichen Bevölkerung fernhält und ein striktes Hygieneprotokoll eingehalten wird. Man spricht von einer Corona-Bubble (Korona-kupla), in der die Gäste sich dann aufhalten werden. Für die Gäste werden Corona-Korridore geschaffen, von der Ankunft mit dem Flugzeug bis zum Abflug. Das soll jetzt wenigstens einige der Firmen – von Hotels bis Huskysafarianbieter – retten, da der Tourismus in Lappland zu circa 80% von ausländischen Gästen abhängt. Wer also Lust auf Lappland hat, darf kommen und ist mehr als willkommen!

3 Gedanken zu “Jeder dritte Finne benutzt die Korona-App – Willkommen in Lappland!

  1. Liebe Claudia,

    das hört sich ja gut an…

    hier auch endlich wieder eine gute Nachricht, ich hoffe, dass die Reisenden nun zuversichtlicher werden:

    https://www.reisevor9.de/destinations/finnland-laesst-deutsche-urlauber-wieder-einreisen

    Liebe Grüße,

    Gudrun

    Kia Ora Reisen

    Gudrun Wippel Selzenstraße 4 79280 Au/Freiburg im Breisgau

    Telefon: +49 (0)761 477 43 23 mobil: 0172 322 7404

    website: kia-ora-reisen.de facebook: facebook.com/KiaOraReisen

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    Zu Gast bei Indigenen Völkern und Nomaden. Nachhaltig reisen.

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