Gewöhnungsbedürftig: Mämmi

Island hat Gammelhai, die Schweden haben ihren Stinkfisch Surströmming und Finnland hat, nun ja, Mämmi.

Wer zur Osterzeit schon einmal in Finnland gewesen ist, hat bestimmt schon die Bekanntschaft gemacht. Für alle anderen jetzt die Informationen, damit sie nicht erschrecken. Anders als beim Gammelhai oder Surströmming ist es nicht der Gestank, der abschreckt, sondern schlicht und einfach das Aussehen.

Eine urbane Legende erzählt, wie die Amerikaner auf Mämmi aufmerksam wurden (Quelle: Wikipedia): Dies soll am Ende des Zweiten Weltkriegs gewesen sein, als Präsident Harry S. Truman um die Osterzeit eine Delegation nach Finnland entsandte, um die Lage zu erkunden. Die Delegation soll geglaubt haben, dass die Menschen in Finnland schon ihre eigenen Exkremente essen müssen. Daraufhin sollen sofort Lebensmittellieferungen zur Hilfe nach Finnland angelaufen sein.

Was ist nun eigentlich Mämmi?

Es ist ein gebackener Malzpudding, der auf eine lange Tradition zurückschauen kann.

Laut Professor Tor-Magnus Enari, der die Geschichte von Mämmi erforscht hat, hat man Mämmi bereits zwischen 1100 und 1200 angefangen zuzubereiten. Als erstes war er in westfinnischen Haushalten zu finden (eventuell ein Hinweis darauf, dass Mämmi aus Schweden eingeführt worden ist?). Auf diese Zeit kommt er, weil wir von Ausgrabungen wissen, dass ab dann Öfen im allgemeinen Gebrauch waren. Und einen Ofen braucht man zur Zubereitung. Ab ungefähr 1700 findet man dann auch schriftliche Hinweise auf Mämmi. Es galt als Festspeise zu Ostern. Nach dem langen Fasten vor Ostern wollte man etwas Gutes essen, allerdings war der Karfreitag zu heilig, um an ihm kochen zu dürfen. Also musste man auf eine Speise zurückgreifen, die kalt zu genießen war.

Das Wort Mämmi findet sich auch in benachbarten ostseefinnischen Sprachen, was einen weiteren Hinweis auf das Alter dieser Speise darstellt.

Für die Herstellung benötigte man ursprünglich nur Roggenmehl, Roggenmalz, Wasser und eine Prise Salz. Zur Verfeinerung kamen im Lauf der Geschichte dann noch Sirup und Bitterorange hinzu. Die Mischung wird in mehreren Etappen lauwarm eingeweicht, gekocht und anschließend im Ofen einige Stunden lang bei niedrigen Temperaturen gebacken und muss anschließend noch einige Tage kühl stehen und ziehen.

Traditionell bewahrte man Mämmi in kleinen Schachteln aus Birkenrinde auf, die gleichzeitig auch als Verpackung und Servierteller dienten; heute findet sich nur noch ein Birkenrindenmuster auf dem Verpackungskarton, siehe auch das Foto dazu.

Nur ein Birkenschalenimitat aus Karton…

Die meisten Finnen essen Mämmi mit Milch und Zucker. Die Lebensmittelindustrie hat sich auch neue Abwandlungen einfallen lassen, so gibt es jetzt verschiedene Sorten, etwa Mämmi getunt mit Beeren oder sogar Mämmi-Eiscreme.

Wie schmeckt es? Mein Tipp: Augen zu machen, dann schmeckt es wie festes Malzbier.

Wer Mämmi näher kennenlernen möchte, sollte nach Toijala in Westfinnnland fahren, dort findet sich die größte Fabrik für Mämmi. Auf die Produktion dieses Breis ist man in der Stadt so stolz, dass man im Jahr 2005 in Toijala die Weltmeisterschaft im Mämmi-Wettessen veranstaltete. Außerdem existiert eine finnische Mämmigesellschaft (Suomen Mämmiseura), die Rezepte rund um Mämmi sammelt.

Sehr interessant ist auch, dass es ein vergleichbares Gericht in Nordpersien gibt. Statt aus Roggen wird hier das Sämänu genannte Brei aus Weizen hergestellt. Es gehört zum traditionellen Fest des Frühjahrsbeginns Noruz. Es gehört zu den sieben Gerichten, die auf dem Haft-Seen Tisch stehen müssen, um für das beginnende Jahr Fruchtbarkeit und Wohlstand zu sichern. Könnte es sein, dass die Wikinger, die mit ihren Schiffen bis zum Kaspischen Meer kamen, als Proviant Mämmi mit dabei hatten oder von nordpersischen Völkern diese Tradition mit nach Hause nahmen? Es wäre interessant, das zu klären.

Auf jeden Fall wünsche ich Ihnen frohe Ostern, ob mit oder ohne Mämmi.

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