Vildá macht Lust auf Lappland

Zum samischen Nationalfeiertag am heutigen 6. Februar gibt es natürlich wieder was ganz Interessantes aus dem Norden (und ausnahmsweise den Blog schon am Donnerstag, wo er normalerweise erst zwischen Freitag und Sonntag kommt). Auf der diesjährigen Reisemesse in Helsinki war dieses Duo am Stand von Inari zu finden: Vildá.

Vildá besteht aus Hilda Länsman, die singt, joikt und trommelt und Viivi Maria Saarenkylä, die Akkordion spielt und die Back Vocals beisteuert.

Wem jetzt ahnt, einen dieser Namen schon mal bemerkt zu haben, der hat Recht.

Hilda Länsman ist die Tochter von Ulla Pirttijärvi-Länsman, die Teil des Duos Angelin tytöt (später „Angelit“, benannt nach dem Dorf Angeli, aus dem sie stammen) war, eine der ersten Formationen von samischen Sängerinnen. Die Wurzeln dieser Gruppe liegen schon im Jahr 1982, als diese das erste Mal auf einem Sami-Festival in Utsjoki zusammen auftraten. 1987 folgte die erste nichtkommerzielle Aufnahme  zusammen mit der samischen Legende Mari Boine. Wer mit mir zusammen auf einer Busfahrt durch Lappland fährt, kommt natürlich in den Genuss, sowohl die erste CD „Dolla“ („Feuer“) der Angelin tytöt zu hören (auf dem Gebiet von Utsjoki) als auch Mari Boine (sobald wir über der norwegischen Grenze sind).

 

Zusammen mit ihrer 1993 geborenen Tochter hat sie 2014 das Duo Solju gegründet. Hildas Vater Jari Länsman war Rentierzüchter und starb leider schon 2017. In der Vorausscheidung zum Eurovisionswettbewerb um den finnischen Beitrag belegten sie 2015 mit „Hold Your Colours“ den dritten Platz. Im Januar 2019 erhielt Solju bei der finnischen “Ethnogala“ den „Folk Music Creator prize“. Solju gewannt auch den Preis für die beste international indigene Musikproduktion bei den kanadischen Indigenous Music Awards (2019).

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Und natürlich hat Hilda auch schon mit Ailu Valle zusammengearbeitet, dem ersten samischen Rapper, den ich im letzten Jahr vorgestellt habe (Exklusiv-Interview mit Áilu Valle – der erste samische Rapper). Auf seinem Album Dušši dušše duššat (2012) singt sie den Joik „Gudnejahtatgo“.

Hilda Länsman hat auch zwei Jahre an der renommierten Sibelius-Akademie in Helsinki studiert. Daher ist es auch kein Wunder, dass die neueste CD „Vildaluodda / Wildprint“ in der Reihe der Sibelius Akademie-Aufnahmen erschienen ist (Sibelius Academy Folk Music Recordings 172).

 

Auf der Reisemesse habe ich Hilda Länsman zu ihrem Geheimtipp für Gäste in Lappland befragt. Ihre Antwort: Besucht samische Festivals, da lernt ihr echte Samen kennen, so wie sie sich auch sonst treffen würden. Sie meint damit zum Beispiel das immer im August in Inari veranstaltete „Ijahis idja“-Festival („Nachtlose Nacht“) der indigenen Völker, auf dem immer die Creme de la Creme der samischen Musikszene zu finden ist. Vom Handwerksmarkt bis zum Kinderprogramm ist alles dabei. In diesem Jahr können Sie zwischen dem 14. und 15.8.2020 die Nacht zum Tag machen und an diesem Event teilnehmen, im samischen Kulturzentrum Sajos in Inari. Der Kultahovi (bekanntestes Hotel von Inari) könnte allerdings schon ausgebucht sein, beeilen Sie sich. Die Chefin Kaisu Nikula dort spricht übrigens Deutsch (https://hotelkultahovi.fi/de/)

 

Der Titel „Goaskinviellja“ (Eagle Brother / Adlerbruder) ist ebenfalls auf der CD zu finden, hier die Life-Performance von der Reisemesse. Es handelt sich um einen Cover von Mari Boine. Viel Spaß bei noch mehr ursprünglicher Musik aus dem Norden!

 

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