Mit dem Kreuzfahrtschiff nach Helsinki – Insidertipps Teil 2

Letzte Woche ging es um die Auswahl des richtiges Kreuzfahrtschiffes unter dem Gesichtspunkt von Anlegeplätzen und Bordsprachen (Mit dem Kreuzfahrtschiff nach Helsinki – Insidertipps Teil 1).
Heute möchte ich auf den wichtigen Aspekt Umweltschutz eingehen. Die Ausflugsorganisation kommt dann in Teil 3.
Richtig schwierig wird es erst, wenn man alle Fakten kennt, aber zum Schluss gewichten muss. Denn nicht alle Faktoren sind für alle gleich wichtig. Wenn ich zum Beispiel unbedingt in einen Lilliput-Hafen will, der aber nur von kleineren Schiffen angefahren wird, dann muss ich dem Aspekt „kleines Schiff“ (siehe letzter Blogbeitrag) die höchste Priorität einräumen. Ist mir die Umwelt Nr. 1, dann bleiben auch nur zwei bis drei Anbieter übrig, wie wir gleich sehen werden.

Natürlich wäre es für die Umwelt besser, einfach nur zuhause zu bleiben oder allenfalls mit dem Zug oder dem Fahrrad zu verreisen. Da das aber für die wenigsten eine akzeptable Alternative ist, geht es hier nur um den Vergleich der verschiedenen Kreuzfahrtanbieter, das heißt, welches Schiff belastet am wenigsten die Umwelt?

Eine leider nicht ganz komplette Zusammenfassung liefert der Deutsche Naturschutzbund, der jedes Jahr über die Umweltfreundlichkeit eine Zusammenfassung der in Europa fahrenden Kreuzfahrtschiffe liefert: https://www.nabu.de/news/2018/08/25034.html Hier geht es in erster Linie um die Luftverschmutzung oder auch um saubere Elektrizität durch Landstrom.
Es sind jedoch nicht alle Schiffe erfasst: es fehlen – aus mir unverständlichen Gründen – zum Beispiel die Schiffe der Phoenix-Flotte und die Hurtigruten, die 2019 das bisher umweltfreundlichste Kreuzfahrtschiff der Welt vom Stapel laufen lassen werden, die Ronald Amundsen: https://www.hurtigruten.de/schiffe/ms-roald-amundsen/. Es folgt noch im selben Jahr ein weiteres Schiff der Hybridtechnologie, die MS Fridtjof Nansen, die ein fast geräuschloses Gleiten durch die Weltmeere und eine 20% Treibstoffersparnis erlauben wird. Leider fährt die Hurtigruten in der Hauptsache natürlich auf ihrer eigenen Strecke und auf wenigen anderen Routen, könnte sich aber durch die Vorreiterrolle im Umweltschutz viele neue Freunde schaffen.

Aspekt Luftverschmutzung durch Abgase
Im Allgemeinen gilt hier: je jünger das Schiff ist, desto moderner ist die Technik. Die besten Plätze nehmen daher seit Jahren die Schiffe der TUI/MeinSchiff-Flotte ein – übrigens so gut wie alle in Finnland gebaut, die alte MeinSchiff1 wurde 2018 durch eine in Finnland gebaute ersetzt, und dieses ist im Februar 2019 auch mit der MeinSchiff2 passiert. Danach folgt die Europa 2 von Hapag Lloyd (dahinter steht als Besitzer auch TUI). Bessere Technik hilft auch beim Einsparen von Treibstoffkosten, und das ist mittlerweile im Eigeninteresse einer jeden Reederei. Ältere Schiffe – die ja ihren eigenen Charme haben, weil man sie als Schiffe erlebt und nicht als schwimmende Hotels – können aber auch nachgerüstet werden, was sicherlich insgesamt besser für die Umwelt ist, als die Dreckschleudern einfach nach Fernost zu verkaufen, wo sie mit der alten Technik weiterhin die Umwelt belasten – ein Aspekt, den die NABU-Untersuchung nicht berücksichtigt (warum eigentlich nicht?).

Aspekt Dumping von Grau- und Schwarzwasser im Meer
Leider ist das Verklappen von Grau- und Schwarzwasser in der Ostsee erst ab 2021 (für neuere Schiffe ab 2019, für ältere erst ab 2021) komplett verboten, damit ist die Ostsee weltweit das erste Meer, für das diese Regelung gilt. Und auch dringend notwendig, weil die Ostsee durch ihre geringe Tiefe besonders verwundbar ist. Deswegen konnte auch vor ein paar Jahren ein Kapitän behaupten, dass sich Costa selbstverständlich an alle Gesetze und Regeln hält, als er von der finnischen Presse gefragt wurde (https://www.hs.fi/radiotelevisio/art-2000002844609.html, Artikel der größten finnischen Tageszeitung Helsingin Sanomat vom 13.8.2015, nur auf Finnisch), obwohl bereits klar und bewiesen war, dass er die Abwässer der Costa Luminosa einfach ungereinigt in die Ostsee gepumpt hatte. Und das, obwohl der Hafen von Helsinki Grau- und Schwarzwasser kostenlos abnimmt und denjenigen Schiffen, die bestimmt Umweltschutzkriterien erfüllen, sogar Ermäßigungen bei bestimmten Hafengebühren erteilt. Der Artikel sorgte in Helsinki für großes Aufsehen und Empörung, wer will schon, dass vor der eigenen maritimen Haustür die Toilette entleert wird? Die Fährschiffe, die zwischen Finnland und Schweden oder Estland hin und her fahren, geben ihre Schmutzwässer schon seit Jahren immer im Hafen ab.
Auch wenn es noch nicht Gesetz ist: muss man unbedingt bei einer Kreuzfahrtgesellschaft buchen, die die gesetzlichen Fristen bis zum letzten ausreizt?

Meine persönliche Quintessenz: Das Nachrüsten von Motoren und die Verwendung von teurerem Treibstoff kostet viel Geld, daher kann man unter Umständen noch Verständnis haben für Anbieter, die befürchten, dass der Kunde diese Mehrkosten nicht honoriert und weiterhin bei günstigeren Anbietern seine Kreuzfahrt bucht. Aber das Abgeben von Abwasser ist in Helsinki sogar kostenlos, wenn man Frischwasser bunkert – und das Leitungswasser von Helsinki wurde in einer Verkostung von einem deutschen Wasser-Sommelier als das am besten schmeckende Leitungswasser aller europäischen Hauptstädte gekürt, wenn das kein Grund ist, um gerade hier zu bunkern. Und das könnte man auch den Gästen gegenüber kommunizieren: „Wir haben heute Helsinki-Leitungswasser gebunkert, wir wünschen guten Durst beim Trinken des besten Leitungswassers dieser Kreuzfahrt“.
Daher würde ich auf jeden Fall eine solche Firma boykottieren, weil sie zeigt, dass ihr an der Umwelt rein nichts gelegen ist, auch wenn es sie keinen Cent mehr kostet.

Was denken Sie? Schicken Sie mir doch auch Ideen, über welche Themen Sie informiert werden wollen, wenn es um Finnland, Helsinki und den Norden geht. Dann mache ich einen Blog zu Ihrem Thema!

(Der Artikel wurde am 4.5.2019 auf neuesten Stand gebracht.)

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